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Jörg Neblung (r.) bei Robert Enkes Trauerfeier mit Witwe Teresa und Ex-Profi Marco Villa (l.) © getty

Am Jahrestag des Todes von Robert Enke spricht sein Berater und Freund Jörg Neblung bei SPORT1über die Tragödie und die Folgen.

Von Martin Volkmar

München - Das Drama um Robert Enke hat Jörg Neblung hautnah miterlebt.

Gemeinsam mit Ehefrau Teresa versuchte der Berater und Freund des damaligen Nationaltorhüters alles Menschenmögliche im Kampf gegen dessen Depression.

Entsprechend groß war auch bei Neblung die Erschütterung über den Selbstmord Robert Enkes am 10. November 2009.

Am Jahrestag blickt der 43-Jährige im Interview mit SPORT1 auf die Tragödie und die Folgen zurück.

SPORT1: Welche Empfindungen ruft der Todestag bei Ihnen hervor?

Jörg Neblung: Auch wenn es merkwürdig klingt, aber der Todestag ist für uns zwar ein schwerer, aber kein überaus schwerer Tag. Denn wir sind eigentlich seit Roberts Tod ständig mit dem Thema konfrontiert worden. Es gab seitdem bisher nur einen Tag, an dem wir in unserer News-Recherche keine Nachricht zu Robert gefunden haben. Zudem haben wir uns durch die gemeinsame Arbeit an Roberts Biografie mit Autor Ronald Reng intensiv mit seinem Leben, aber auch seinem Sterben auseinandergesetzt.

SPORT1: Wie geht es Teresa Enke?

Neblung: Ihr geht es nicht gut, aber das wird wohl auch niemand erwarten. Der erste Todestag holt natürlich alle Erinnerungen wieder ganz nach oben.

SPORT1: Viele Menschen, speziell in Enkes Wohnort Empede, haben den großen Medien-Wirbel am Todestag kritisiert. Wie sehen Sie es?

Neblung: Ich denke und hoffe auch, dass es nach dem Todestag endlich ein Durchatmen geben wird. Denn gerade in den letzten Wochen war das Thema Robert Enke und Depressionserkrankungen wieder sehr präsent. Das lag zum einen an der Veröffentlichung der Biografie, aber auch an den Aussagen von Hannovers Präsident Martin Kind, die für Irritationen gesorgt haben und diskutiert wurden. Von daher sehnen wir eine Atempause auch ein bisschen herbei, um alles für uns in Ruhe weiterverarbeiten zu können.

[kaltura id="0_c10ndcj3" class="full_size" title="Enke Freund Ziegner im Interview"]

SPORT1: Die große Frage bleibt: Hat sich durch Roberts Tod etwas geändert?

Neblung: Im Kleinen gab es sicherlich Veränderungen. Ich glaube, dass Sensibilitäten erhöht worden sind im Umgang mit in sich gekehrten Fußballern und mit der Krankheit Depression. Roberts Fall war und ist für andere Patienten ein Fallbeispiel, welches sie mit ihren Therapeuten besprechen und an dem sie lernen konnten.

SPORT1: Teresa Enke hat von viel positivem Feedback sowohl auf die Arbeit der Robert- Enke-Stiftung als auch die Biografie berichtet.

Neblung: Ich denke schon, dass sich allgemein etwas im Bewusstsein geändert hat. Auch für die Betroffenen gibt es inzwischen Zeichen, sich öffnen zu können.

SPORT1: Und im Profi-Fußball?

Neblung: Dass es keine großen Veränderungen im Fußballzirkus an sich gibt, war von vorneherein klar. Da wird auch in Zukunft nur Platz für die elf Stärksten sein.

SPORT1: Können und sollen Profi-Sportler Ihre Depression öffentlich machen?

Neblung: Wichtig ist es, sich erst einmal dem näheren Umfeld zu öffnen. Das ist der wichtigste Schritt. Danach geht es darum, das Arbeitsumfeld zu informieren, allerdings ohne zwingend in die Öffentlichkeit zu gehen. Ich weiß, dass es im Profi-Fußball mehrere Fälle von Depressionen gibt und ich habe die Hoffnung, dass die Vereine durch den Fall von Robert nun ein anderes Verständnis für diese Krankheit haben.

SPORT1: Was bleibt von Robert Enke?

Neblung: Ich persönlich habe viel von Robert behalten und aus der Arbeit mit ihm mitgenommen. Sowohl über die Freundschaft als auch über die Arbeit zwischen Berater und Spieler. Ich bin in meiner jetzigen Profession mit ihm groß geworden und werde sicherlich immer auch der "Enke-Berater" bleiben. Den Stempel trage ich aber gerne, weil es eine große Freude war, mit Robert zu arbeiten. Ich habe durch die Arbeit mit ihm einiges gelernt.

SPORT1: Und für die Allgemeinheit?

Neblung: Zum einen bleibt hoffentlich die besagte Sensibilität für diese Krankheit. Zum anderen sollte man erkennen, dass auch in so einem Konkurrenzwettbewerb wie dem Profi-Fußball trotzdem ein respektvoller Umgang miteinander möglich und durchaus angebracht ist.

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