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Franz Beckenbauer (l.) war von 1984 bis 1990 Teamchef der deutschen Nationalmannschaft © getty

Der "Kaiser" hat für seinen Platz in der FIFA-Exekutive einen Wunsch-Nachfolger. Seine neu gewonnene Zeit will er der Familie widmen.

Frankfurt/Main - Lichtgestalt Franz Beckenbauer sieht DFB-Boss Theo Zwanziger als seinen legitimen Nachfolger im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA.

"Klar ist: Wenn Theo Zwanziger als Präsident des größten Fußballverbandes der Welt kandidiert, wird er auch gewählt. Ich würde mir wünschen, er könnte sich dazu entschließen. Das wäre sicher die beste Lösung für den deutschen Fußball", sagte der 65-Jährige der "Bild".

Beckenbauer hatte am Donnerstag erwartungsgemäß seinen Rückzug als Mitglied in der "Regierung" des Weltfußballs unter Vorsitz von FIFA-Boss Joseph S. Blatter angekündigt.

Der DFB muss nun bis Januar 2011 einen möglichen Nachfolge-Kandidaten bestimmen.

Am 22. März wird der UEFA-Kongress den vakanten Posten neu besetzen. Zwanziger selbst hielt sich - eine eigene Kandidatur betreffend - am Freitag allerdings noch bedeckt.

Zwanziger will "in Ruhe nachdenken"

"Wir werden jetzt ganz in Ruhe darüber nachdenken, wie wir uns für die im kommenden Jahr anstehende Wahl eines Nachfolgers aufstellen", sagte Zwanziger und setzte sogleich zur Lobrede an:

"Franz Beckenbauer ist ein exzellenter und in der ganzen Welt außerordentlich hoch geschätzter Vertreter des deutschen Fußballs. Wir bedauern sehr, dass er sich aus der Exekutive zurückziehen möchte, respektieren aber selbstverständlich seine persönlichen Beweggründe."

Zwanziger ist seit März 2009 Mitglied im Exekutivkomitee der UEFA. Der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war einst kurzfristig sowohl im Exko der FIFA als auch der UEFA vertreten.

Niersbach eine Alternative

Neben Zwanziger gilt auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach als ein möglicher Kandidat für die Beckenbauer-Nachfolge.

Doch diese Variante birgt ein Problem: Da im FIFA-Exko ansonsten nur Verbandspräsidenten sitzen, käme es international nicht sehr gut an, wenn der größte europäische Verband nicht durch einen Präsidenten vertreten wäre.

Kaum Interesse dürfte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge haben, der sich erst kürzlich aus Zeitgründen nicht mehr in den Ligavorstand hatte wählen lassen. Liga-Boss Reinhard Rauball scheint ebenfalls kein Kandidat zu sein, allerdings will der Ligaverband, dass unbedingt ein Vertreter des deutschen Fußballs im höchsten Gremium der FIFA vertreten ist.

Beckenbauer denkt an die Familie

Der "Kaiser" begründete seinen Entschluss mit "rein persönlichen und familiären Gründen". Er wünsche sich mehr Zeit für die Familie und möchte vor allem nicht so viel reisen. Beckenbauer informierte vorab Blatter, UEFA-Präsident Michel Platini und DFB-Präsident Zwanziger von seiner Entscheidung.

"Mir fehlt das Feuer. Wenn ich für weitere vier Jahre kandidiere, bin ich am Ende der Amtszeit fast 70. Meine Sohn Joel wäre dann schon 14, meine Tochter Francesca 11. Ich hätte wieder verpasst, meine Kinder aufwachsen zu sehen. Das habe ich schon einmal versäumt bei meinen ersten Kindern. Diesen Fehler mache ich nicht noch einmal", sagte Beckenbauer.

Platini zeigt Verständnis

UEFA-Boss Michel Platini zeigte Verständnis für die Entscheidung Beckenbauers.

"Franz hat alles erreicht und all das, was er unternommen hat, war stets von Erfolg gekrönt. Er hat eine sehr lange und bewundernswerte Karriere hinter sich", lobte der Franzose:

"Ich kann verstehen, dass er nach dieser Lebensleistung das Bedürfnis hat, sich ein wenig mehr seiner Familie zu widmen. Möge er dies voll auskosten."

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