In seiner Sport1.de-Kolumne spricht DSF-Experte und Ex-Meistercoach Udo Lattek über Hans Meyers Engagement in Mönchengladbach.

Hallo Fußball-Freunde,

der Sieg von Borussia Mönchengladbach in Bielefeld hat es gezeigt: Hans Meyer macht die Leute wach. Er hat erreicht, dass die Mannschaft rennt und kämpft. Ein Marin alleine reicht aber sicherlich nicht.

In diesem Punkt bin ich aber auch nicht der gleichen Meinung wie Meyer: Ich denke nicht, dass Marin noch für die Defensive arbeiten muss. So einen Typ lasse ich vorne stehen. Der soll sich ausruhen und wenn der Ball kommt, alleine los gehen. Wenn der seinem Gegenspieler hinterher rennt, verliert er seine Stärke.

Verstehen kann ich die Suspendierung von Rösler und Co.. Man wäre vermessen und blöd, wenn man die besten Spieler nicht spielen lassen würde. Mir war das vollkommen egal, ob ich einen Spieler mag oder nicht - wenn der die Leistung gebracht hat, hat der gespielt. Und wenn er die Leistung nicht gebracht hat, dann gab es keine Erbhöfe, dann war der draußen. Sonst wirst du ja unglaubwürdig bei der Mannschaft.

Grundsätzlich ist die Entscheidung der Borussia für Meyer gut, auch wenn Christian Ziege dafür ins zweite Glied zurückrückt. Als Cheftrainer sagst du dir: Ich bin hier der Boss. Ich kann zwar mit dem Sportdirektor diskutieren, aber das Sagen habe ich ganz allein.

Das wird bei Christian Ziege so ähnlich sein. Ziege wird keinen Einfluss auf die Meinung von Meyer nehmen können, sondern lediglich in beratender Funktion tätig sein.

Eineinhalb Jahre mit Hans Meyer sind für Gladbach genau richtig. Da kann Christian Ziege reifen und dann nahtlos übernehmen. Meyer hat sich dann zwar sicher verbraucht, so ist das aber übrigens bei jedem Trainer. Aber in der jetzigen Situation ist er der geeignete Mann.

Richtig Spaß macht es - abgesehen von dem 3:3 in Karlsruhe - Bayer Leverkusen zuzschauen. So etwas darf normalerweise jedoch nicht passieren.

Aber wir kennen ja die Mentalität der Spieler: Die gehen in die Halbzeitpause, führen mit 3:0 und denken, da kann jetzt gar nichts mehr passieren. Jeder läuft dann ein paar Schritte weniger. Das zeigt auf, dass diese Mannschaft brillanten Fußball spielt, aber noch nicht so gefestigt ist, dass sie über die Runden kommt. Die Mannschaft war nicht mehr heiß und hat nur noch versucht, das Ergebnis zu verwalten.

Die Pfiffe gegen Jürgen Klinsmann bei der Jahreshauptversammlung der Bayern haben mich übrigens nicht überrascht. Klinsmann ist eben nicht der Mann zum Anfassen.

Die Bayern haben eine gewisse Vorstellung von einem Trainer und Jürgen Klinsmann lässt sich nicht verbiegen. Ich bin nicht unbedingt jemand, der für Klinsmann in die Bresche springt, aber ich möchte die Leute doch bitten, ihm eine faire Chance zu geben. Er ist dabei, viele Innovationen rein zu bringen und das braucht einfach seine Zeit.

Eine Sache noch zu den Szenen nach dem Spiel Hamburg gegen Dortmund: Was ich als Trainer früher an der Bank rein gerufen habe, dafür hätte ich jetzt wahrscheinlich lebenslang Gefängnis bekommen. Der Schiedsrichter wäre besser beraten gewesen, wenn er das einfach überhört hätte.

Bis nächste Woche,

Euer Udo Lattek

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel