Rene Schnitzler kam kaum dazu, auf dem Platz zu betrügen. 1971 dagegen wird ein Herthaner von den Mitspielern bekämpft.

Wer ist Rene Schnitzler? Derzeit ist er ohne Verein. Das hätte kaum jemanden interessiert. Doch was der frühere Zweitliga-Spieler des FC St. Pauli der Öffentlichkeit preisgab, machte ihn plötzlich in ganz Deutschland bekannt.

Schnitzler erklärte, von einem Wettpaten 100.000 Euro Bestechungsgeld erhalten zu haben, um fünf Spiele der Hamburger zu manipulieren. Bei dreien wurde er allerdings nicht eingesetzt.

Wettskandal, Spieler bestochen, Festnahmen, Verhaftungen, 200 Spiele sollen in Europa verschoben worden sein, 32 davon in Deutschland. Eine große Zahl.

Die Funktionäre und ermittelnden Behörden sprechen derzeit vom größten Fußball-Betrug aller Zeiten. Doch meist geht es um inzwischen bekannte Wettpaten wie Ante Sapina, aber um weniger bekannte Spieler.

Anders als 1971 - beim zuvor größten Bundesliga-Skandal. Das waren damals ganz andere Kaliber. Nach den Manipulationen von nachweislich zehn Spielen der Bundesliga wurden insgesamt 52 Spieler verurteilt.

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Prominente Profis wie die Schalker Reinhard "Stan" Libuda, Klaus Fichtel und Klaus Fischer erhielten nach den Ermittlungen von DFB-Ankläger Hans Kindermann ebenso wie der Kölner Manfred Manglitz lebenslange Sperren.

Da waren Vereine wie Arminia Bielefeld, der FC Schalke, VfB Stuttgart, Hertha BSC, MSV Duisburg und Eintracht Braunschweig betroffen.

Ausgelöst wurde der Skandal durch das Abspielen einer Tonbandaufzeichnung des damaligen Offenbacher Präsidenten Horst-Gregorio Canellas, der später auch in der von Terroristen entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" saß.

Auf der Party zum 50. Geburtstag am 6. Juni 1971 präsentierte Canellas Mitschnitte von Telefonaten mit Spielern, die Canellas eindeutige Bestechungsangebote machten.

Darunter waren die Nationalspieler Bernd Patzke (Hertha BSC) und Manglitz. Der damalige Bundestrainer Helmut Schön, Gast auf der Party, war entsetzt und flüchtete.

Monatelang hielt der Skandal die Fußball-Fans in Deutschland und die Medien in Atem. Ein Fakt nach dem anderen kam ans Licht. In Berlin hatte Rechtsanwalt Horst Sandner eine 60-seitige Anklageschrift vorliegen. Sie las sich wie ein Krimi.

So ließ sich die Schalker Mannschaft am 17. April 1971 für eine Niederlage gegen die abstiegsbedrohten Bielefelder 40.000 Mark auszahlen.

Am 22. Mai kassierte Nationaltorwart Manglitz von RW Oberhausen 25.000 Mark für einen 4:2-Sieg von RWO.

Drei Spieler des VfB Stuttgart sackten am 29. Mai für eine freiwillige Niederlage auf der "Alm" 45.000 Mark von Arminia Bielefeld ein.

Am 5. Juni bot Bielefeld den Braunschweigern sogar 170.000 Mark für einen Sieg, um Oberhausen auszuschalten.

Die Krönung war aber die Partie zwischen Hertha BSC und Bielefeld am 5. Juni 1971. Arminia-Funktionäre hatten jedem Berliner Spieler 15.000 Mark zugesteckt, wenn sie absichtlich die Partie im Olympiastadion verlieren - insgesamt 250.000 Mark.

Kuriose Szenen aus dem Olympiastadion bleiben in Erinnerung: Der Berliner Zoltan Varga rief während der Halbzeit-Pause - es stand 0:0 -, umringt von Journalisten, seine Frau an und fragte: "Ist das Geld da?" Es ging um 40.000 Mark.

Doch es war nicht da. Die Bielefelder wollten erst nach dem Spiel bezahlen. Dem Ungar Varga ging das gegen den Strich. Er stürmte wieder auf dem Platz und wollte jetzt aber unbedingt gewinnen. Zweimal traf er den Pfosten.

Seine bestochenen Mitspieler witterten den "drohenden Sieg", deckten ihn mehr als die Gegner, rempelten Varga auch um und stießen ihm den Ball vom Fuß.

Teamkollege Tasso Wild sah das Geld schwinden: "Der Varga spielt verrückt!"

Doch Wild hatte sich umsonst Sorgen gemacht. Vargas Bemühungen waren vergebens. Arminia Bielefeld gewann noch mit 1:0 - das Geld konnte fließen.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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