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Rene Schnitzler spielte von 2007 bis 2009 bei St. Pauli, erzielte dabei 7 Tore in 33 Spielen © imago

Der ehemalige St.Pauli-Stürmer Rene Schnitzler bestätigt, Geld von einem Wettpaten erhalten zu haben. Fünf Spiele seien betroffen.

München - Der frühere Zweitliga-Profi Rene Schnitzler hat in einem Gespräch mit dem Magazin "Stern" zugegeben, von einem Wettpaten insgesamt über 100.000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben.

Dafür habe er im Jahr 2008 fünf Spiele seines damaligen Vereins FC St. Pauli manipulieren sollen.

Es soll sich um die Zweitliga-Auswärtsspiele beim FSV Mainz 05 (2), Hansa Rostock, dem FC Augsburg und dem MSV Duisburg handeln.

Schnitzler bestreitet, die Spiele manipuliert zu haben. In drei der betreffenden fünf Begegnungen spielte er nicht.

Wettpate bei Bochumer Landgericht bekannt

Schnitzler gibt an, Geld von einem Wettpaten namens "Paul" erhalten zu haben.

Laut "Stern"-Recherche handelt es sich um den Niederländer Paul R., der in den Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft im Wettskandal und in den Geständnissen der Angeklagten vor dem Bochumer Landgericht wiederholt aufgetaucht ist.

Paul R. soll eine zentrale Figur des Wettskandals sein.

St. Pauli reagiert geschockt

Entsetzt reagierte der FC St. Pauli die Enthüllungen seines ehemaligen Profis.

"Mit so etwas hätten wir nie und nimmer gerechnet", sagte Teammanager Christian Bönig. "Die Tatsache, dass man mit der Wettmafia in Berührung kommt, ist ein Schlag ins Gesicht. Da wird der Sport mit Füßen getreten. Für uns war das ein Schock."

"Alle Spiele nullkommanull auffällig"

Der Verein habe die Spiele, die Schnitzler manipulieren sollte, bereits überprüft. "Sie waren alle nullkommanull auffällig. Rene Schnitzler hat wohl einen Betrüger betrogen. Hätte er die fünf Spiele manipuliert, hätten wir alle verloren. Wir haben in Mainz (beim 2:2 am 23. November 2008, d. Red.) in der 90. Minute den Ausgleich gemacht. Das sagt doch schon alles."

Die Staatsanwaltschaft Bochum, die im Zuge des großen Wettskandals die Ermittlungen leitet, habe bereits vor Tagen Kontakt mit dem Klub aufgenommen.

"Alles, was wir wissen, teilen wir der Staatsanwaltschaft mit", sagte Bönig. Schnitzler sei ein Mensch, von dem er glaube, dass er eine "gewisse Suchtstruktur in sich getragen hat. Er hat eine Lebensbeichte abgelegt."

In dem Artikel des Magazins Stern wird auch der Name eines aktuellen Pauli-Spielers genannt, was Bönig als "bodenlose Frechheit" bezeichnet. Er lege für den Spieler seine Hand ins Feuer.

Vertrag aufgelöst

Schnitzler selbst erklärte zudem, er sei spielsüchtig. "Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe", sagte der 25 Jahre alte Stürmer.

Zuletzt spielte er beim NRW-Ligisten FC Wegberg-Beeck (5. Liga). Sein Vertrag dort wurde am 15. Dezember aufgelöst, offiziell, um ihm die Rückkehr in den Profifußball zu ermöglichen.

Schnitzler belastet Kollegen

Im Rahmen seiner Schilderungen behauptet er, die Mehrzahl der Top-Spieler seien notorische Zocker.

"Viele Profis haben gewettet wie Wahnsinnige. 70 oder 80 Prozent der Spieler einer Mannschaft setzen auf irgendwelche Partien in irgendwelchen Ligen", sagte Schnitzler, der unter anderem bei Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und dem FC St. Pauli unter Vertrag stand.

5000 Euro für Koffer-Wette

Aus seiner Zeit bei Bayer berichtet Schnitzler, ein Nationalspieler habe den Kollegen am Flughafen vor einem Testspiel gegen Legia Warschau einen Hut hingehalten: Jeder Profi sollte 500 Euro in den Jackpot einzahlen.

"Da segelten die Scheine, mehr als 5000 Euro lagen drin. Und die hat der kassiert, dessen Koffer zuerst aufs Gepäckband fiel."

Die Liste der Spiele, die angeblich manipuliert werden sollten:

18. Mai 2008: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 5:1 (3:0) / 34. SpieltagSchnitzler nicht dabei

26. September 2008: Hansa Rostock - FC St. Pauli 3:0 (1:0)Schnitzler spielte 90 Minuten

19. Oktober 2008: FC Augsburg - FC St. Pauli 3:2 (0:0)Schnitzler nicht dabei

29. Oktober 2008: MSV Duisburg - FC St. Pauli 1:2 (0:0)Schnitzler nicht dabei

23. November 2008: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 2:2 (0:1)Schnitzler in der 75. eingewechselt

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