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Alberto Gilardino (Mitte) erzielte bei der unter Verdacht stehenden Partie das 2:1 für Florenz © getty

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen ein Champions-League-Spiel in Debrecen. Den Wettpaten drohen lange Haftstrafen.

München - Der Wettskandal hat sich auch auf die Champions League ausgeweitet.

Die lang erwartete Anklageschrift gegen die mutmaßlichen Drahtzieher Ante S. und Marijo C. beinhaltet nach Informationen der Nachrichtenagentur "SID" auch das Gruppenspiel der Königsklasse zwischen dem ungarischen Vertreter VSC Debrecen und dem AC Florenz (3:4) am 20. Oktober 2009.

Sechs Tore fielen in der ersten Halbzeit.

Zudem sollen die Beschuldigten, die angeblich 3,5 Millionen Euro auf 47 manipulierte Spiele setzten, mehrere Zweitliga-Begegnungen des VfL Osnabrück, zwei Europa-League-Spiele und wichtige Begegnungen im Ausland verschoben haben.

"Es geht um Spiele in Slowenien, der höchsten Schweizer Liga, das WM-Qualifikationsspiel Liechtenstein gegen Finnland sowie ein Schweizer U-21-Länderspiel.

In der Champions League ist das Spiel Debrecen gegen Florenz betroffen", sagte Volker Talarowski, Pressesprecher des Bochumer Landgerichts.

Er zeigte sich irritiert darüber, dass die Bochumer Staatsanwaltschaft die Anklageerhebung öffentlich machte, obwohl "meines Wissens die Schrift nicht vollumfänglich zugestellt wurde".

Ante S. und Marijo C. ergaunerten Millionen, schmierten Spieler und Schiedsrichter mit Unsummen, plauderten freimütig im Zeugenstand - nun müssen die mutmaßlich wichtigsten Köpfe des Skandals also auf die Anklagebank.

2,8 Millionen Euro Gewinn

Bisher waren S., Schlüsselfigur im Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer, sowie C. nur als Zeugen vor dem Landgericht. Das Duo, seit 14 Monaten in Untersuchungshaft, soll 2,8 Millionen Euro Gewinn kassiert haben.

Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek ist sicher, nun die dicksten Fische im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte anzuklagen. "Das sind aus unserer Sicht die beiden Hauptverantwortlichen", sagte Bienioßek am Freitag.

Lange Haftstrafen drohen

Den Wettpaten drohen Haftstrafen wegen des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs.

"Dies ist strafbewehrt mit Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren, in minder schweren Fällen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Wir gehen davon aus, dass es schnell zu einer Hauptverhandlung kommen wird", sagte Bienioßek.

Ante S. und Marijo C. zählen laut Staatsanwalt Andreas Bachmann zur "Champions League" der Wettbetrüger. Im Zeugenstand hat das Duo umfassende Geständnisse abgelegt.

Regionalligapartien betroffen?

Die Staatsanwaltschaft sprach am Freitag von 30 Spielen, die nicht Gegenstand des laufenden Prozesses in Bochum sind, darunter vier Spiele der deutschen Regional- und Oberligen sowie Pflicht- und Testspiele im Ausland - was so ziemlich jede Interpretation zulässt.

In der Europa League sei neben dem Spiel zwischen dem FC Basel und ZSKA Sofia die Begegnung Aalborg BK gegen Slavia Sarajevo betroffen.

Lange Sperre für Verl-Profi

Die fünf Zweitliga-Spiele des FC St. Pauli, die im Zuge des Falles Rene Schnitzler zuletzt ins Gespräch gekommen waren, sind nicht Teil der Anklage.

In einem anderen Fall hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Spieler Patrick Neumann vom Regionalligisten SC Verl wegen Manipulationsabsprachen für zwei Jahre und neun Monate gesperrt.

Der Beginn der Sperre wurde auf den 24. November 2009, den Tag von Neumanns Ausschluss aus dem Verler Spielerkader, festgelegt. Frühestens am 23. August 2012 darf sich Neumann wieder einem im DFB organisierten Verein anschließen.

"Kontrollausschuss und Sportgericht sehen es als erwiesen an, dass sich Neumann gegenüber einem Wettspieler und -vermittler bereit erklärt hat, die Ergebnisse der Meisterschaftsspiele der Regionalliga West zwischen Borussia Mönchengladbach II und dem SC Verl, dem SC Verl und dem 1. FC Köln II und dem 1. FC Saarbrücken und dem SC Verl zugunsten des jeweiligen Spielgegners zu beeinflussen", hieß es in der Begründung.

Kein Nachweis für Manipulation

Der Nachweis, dass es zu Manipulationen gekommen ist, ließe sich nicht führen.

Neumann ist der siebte Spieler, der im Zusammenhang mit dem Wettskandal gesperrt wurde.

Er erhielt - wie der ehemalige Osnabrücker Marcel Schuon - mit 33 Monaten die längste Sperre. Drei weitere Verfahren wurden eingestellt, da kein "hinreichender Tatverdacht bestand".

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