Der virtuelle Ernst-Kuzorra-Weg begehrt gegen ein entrücktes Regime auf. Das muss Magath so langsam beunruhigen.

Im Zarenreich Russland war bekanntlich noch alles in Ordnung, als Wladimir Lenin noch ein ganz normaler Facebook-User war.

Als er noch postete, dass er gerade Sauerampfer-Schtschi zum Mittagessen oder dass sein Schwein bei Farmville einen großen Trüffel gefunden hatte. Und sich mit Leo Trotzki gebuddypoket hatte.

Ungemütlich wurde es erst - Geschichtsbeflissene wissen es - , als er im Oktober 1917 "revolutzion!!! LOL" als Statusmeldung eingab und reihenweise Menschen "Gefällt mir" klickten.

Was aktuell in der Welt passiert, beweist es ja wieder: Volksaufstände und Revolutionen gegen unliebsame Potentaten sind undenkbar geworden ohne Facebook, Twitter und all die anderen Vernetzungswege, die das Internet so bietet.

Insofern muss Felix Magath die Agenturmeldung, die diese Woche überall verbreitet wurde, schwer beunruhigen.

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Die, dass es "gewaltig brodelt am Ernst-Kuzorra-Weg". Wobei nicht extra erwähnt wird, dass der virtuelle Ernst-Kuzorra-Weg gemeint ist, aber das macht heute ja auch keinen Unterschied mehr.

Am virtuellen Ernst-Kuzorra-Weg herrscht jedenfalls mindestens vorrevolutionäre Stimmung, weil das Schalker Online-Volk seinen Herrscher nicht mehr versteht.

"Dieser Trainer läuft Amok", wundert es sich: "Ehre und Stolz ist mehr als ein Titel! Die Macht des Herrn Magath macht unser Schalke kaputt!"

Der Weg zu "revolutzion!!! LOL" ist nicht mehr weit.

Die Aufwiegler sind dieselben Massen, die Pharao Felix noch in Scharen mit "Gefällt mirs" überhäuften, als er an die Macht gehievt wurde.

Doch inzwischen tut er fast alles, was ein entrückter Herrscher tun kann, um die Untertanen gegen sich aufzubringen:

Er krempelt den Herrschaftsapparat fast vollständig um und ersetzt ihn durch eigene Günstlinge.

Drangsaliert Untergebene mit körperlicher Züchtigung, Medizinbällen und 319506Kälteschocks, schafft Regimekritiker außer Landes oder treibt sie in die innere Emigration.

Versperrt jungen Menschen den Weg zu besserer Bildung.

Geht mit dem knappen Vermögen seines Reichs regelmäßig auf aufwändige Einkaufstouren.

Erwirbt exzentrische Antiquitäten aus dem alten Persien und dem Griechenland der Rehakles-Dynastie.

Das Schalker Volk scheint da nicht mehr mitmachen zu wollen ? und auch sonst bröckelt die Machtposition des Autokraten.

Der Westen wendet sich auch schon von Magath ab.

Er schreibt auf seiner Internetseite "derwesten.de" kritische Aufrufe, die Macht abzugeben und warnt: "Im Internetzeitalter hat die Basisdemokratie einen mächtigen Hebel bekommen. Die Zeiten für Alleinherrscher sind gefährlicher geworden."

Kein Wunder, dass Magath unruhig wird und schon Verwandte eines ehemaligen Weltenlenkers ins Boot holt um seine Position zu sichern.

Was aber kann Pharao Felix noch tun, ehe er zu Jürgen, dem Proaktiven ins Exil an einkalifornisches Seeufer geschickt wird?

Helfen nur die radikalen Maßnahmen, die ein weltlicher Herrscherkollege eben vorgemacht hat?

Das ganze Internet abklemmen, um der Revolution 2.0 am virtuellen Ernst-Kuzorra-Weg den Boden zu entziehen?

Auf dass die Regimekritiker sich auf unzuverlässige Kommunikationsmittel wie Faxe verlassen müssen?

Das kann Felix Magath ja gar nicht, wenden Sie ein?

Man sollte einen so gewitzten Pharao auch in gefährlichen Zeiten besser nicht unterschätzen.

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