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Reiner Calmund wurde in seiner Zeit bei Bayer Leverkusen viermal Vize-Meister © getty

Im Interview mit Sport1.de blickt Manager-Legende Reiner Calmund vor seinem 60. Geburtstag auf sein bewegtes Leben zurück.

Von Michael Schulz

München - Am Sonntag wird Reiner Calmund 60 Jahre alt. Drei Tage vorher erscheint seine Biografie "fußballbekloppt".

Sein Namen ist untrennbar mit Bayer Leverkusen verbunden. Mehr als drei Jahrzehnte prägte Calmund den heutigen Bundesligisten, war lange Jahre Manager des Werksklubs, mit dem er 1988 den UEFA-Pokal und 1993 den DFB-Pokal gewann.

Im Sport1.de-Interview blickt "Calli" auf seine Zeit im Fußballgeschäft zurück und gibt auch einen Einblick in sein Privatleben.

Sport1.de: Herr Calmund, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Reiner Calmund: Es gab in den letzten Jahren immer mal wieder Anfragen von Verlagen, doch damals hatte ich null Lust und Motivation. Nun aber mit dem Erreichen des 60. Lebensjahres wird es Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Das ist eine Gelegenheit, das Leben zu analysieren, das Erreichte, aber auch die Anekdoten und die Skandale. Ich möchte einen Einblick geben, wie der kleine Calli im Fußballgeschäft ganz nach oben gekommen ist. Aber auch Erlebnisse aus dem Privaten vermitteln, wie die Suche nach dem Grab meines Vaters, das ich im Januar 2008 in Vietnam gefunden habe.

Sport1.de: Ihr Buch heißt "fußballbekloppt". Wie lautet Ihre Definition?

Calmund: Jeder der erfolgreich sein will, muss positiv bekloppt sein. Man darf nicht auf die Stechuhren schauen, sondern braucht viel Zeit, Kompetenz, Leidenschaft und Herzblut. Das ist die Formel zum Erfolg.

Sport1.de: Wie sind Sie denn zum Fußball gekommen?

Calmund: Fußball gehörte zu unserem täglichen Spiel auf der Straße. Wir haben mit Blechbüchsen, kleinen Tennisbällen oder hin und wieder mit einem Lederball gespielt. Tore waren Teppichstangen. Es war billig und jeder konnte mitmachen.

Sport1.de: Und wie kamen Sie zu Bayer Leverkusen?

Calmund: Mit 18 Jahren konnte ich wegen einer Knochenabsplitterung nicht weiter Fußball spielen und wurde dann in Frechen Jugend-, später Auswahltrainer. An einem regnerischen Novembertag 1976 hat mich dann bei einem Auswahlspiel in Hennef der Bayer-Trainer Willibert Kremer angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, zum damaligen Zweitligisten Leverkusen zu kommen. Ich war dann bei Bayer in der Personalabteilung im Bereich Ausland als Betriebswirt beschäftigt und habe als Jugendleiter bei den Fußballern angefangen. Und dann ging es ständig weiter über Stadionsprecher, Scouting und Lizenzabteilung, bis wir dann 1979 aufgestiegen sind in die Bundesliga: Von da an hat sich alles von Grund auf geändert, auch beim mir.

Sport1.de: Was verbinden Sie mit dem Jahr 1988?

Calmund: Das war eine der positiven Überraschungen in meinem Leben: Bayer wurde UEFA-Cup-Sieger. Uns hatte keiner auf der Rechnung und wir haben in den letzten drei Runden den FC Barcelona mit Bernd Schuster, den späteren Deutschen Meister Werder Bremen und Espanyol Barcelona geschlagen. Und das mit einer Mannschaft mit jungen Nachwuchsspielern, in der Bum-Kun Cha, Klaus Täuber und Falko Götz die erfahrensten Spieler waren. Außerdem hatten wir in der Liga noch nicht endgültig gegen den Klassenerhalt gesichert. Und in solch einer Lage den Pokal zu holen, ist schon etwas Besonderes.

Sport1.de: Welchen Stellenwert hat für Sie der DFB-Pokalsieg 1993?

Calmund: Zu dieser Zeit waren wir schon etwas stabiler, hatten mehr Erfahrung im internationalen Geschäft und gute Spieler wie Ulf Kirsten und Andreas Thom. Das war schon ein anderes Level als 1988, weil wir auch vorne in der Tabelle angreifen wollten.

Sport1.de: Welcher der beiden Fastabstiege 1996 und 2003 war für Sie schlimmer?

Calmund: Abstieg ist etwas, was ich keinem meiner noch so schlimmsten Konkurrenten wünsche. Das ist allerschlimmster Horror mit schlaflosen Nächten. Es geht nicht nur um Tabellen-, sondern auch um Arbeitsplätze. 1996 nach dem 1:1 am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern war ich glücklich. 2003 in Nürnberg erleichtert, aber kein bisschen glücklich.

Im zweiten Teil spricht Reiner Calmund über Christoph Daums Koks-Affäre, das Drama der drei verpassten Titel 2002 und seine persönliche Zukunft.

Reiner Calmund beantwortet Ihre Fragen! Hier können Sie sie stellen.

Zur Rezension von "fußballbeklopt"

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