Nach dem Rückzug von Bin Hammam braucht sich FIFA-Chef Blatter nicht als Gewinner fühlen. Der Fußball ist der große Verlierer.

Der Fußball hat ein Kopfproblem

Nach dem der Rücktritt Kandidatur von Asiens Verbandschef Mohamed bin Hammam ist der Weg frei für eine erneute Amtszeit von FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Als Gewinner kann sich der Schweizer dennoch nicht fühlen. Als Verlierer steht der Fußball da, denn das Bild des Weltverbands ist durch das Schmierentheater der vergangenen Monate nachhaltig geschädigt.

"Die FIFA hat ein Imageproblem, in der Tat, und alle müssen daran arbeiten, es zu lösen", sagte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" schon vor dem Bekanntwerden des Rückzugs von Blatter-Widersacher Hammam.

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Es sei "wichtig, dass man bei bestimmten Entscheidungen die Verantwortung auslagern kann", so Zwanziger.

Recht hat er. Es muss endlich Licht in die undurchsichtigen Machenschaften der Funktionäre gebracht werden, denen Machtspiele und persönliche Vorlieben offensichtlich wichtiger sind als das Wohl des Sports.

Dies ist zwar nicht nur ein Problem des Fußballs, denn auch viele Entscheidungen bei der Vergabe von Olympischen Spielen waren in der Vergangenheit kaum nachzuvollziehen.

Im Fußball sorgte die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar weltweit für Kopfschütteln. Unternommen wurde jedoch bisher so gut wie nichts.

Wenn Blatter, bin Hammam und auch FIFA-Vizepräsident Jack Warner sich vor einer Ethikkommission zu Bestechungs- bzw. Vertuschungsvorwürfen äußern, ist kaum damit zu rechnen, dass die ganze Wahrheit auf den Tisch kommen wird.

Doch gerade das ist dringend notwendig.

"Die FIFA muss sauber sein, gut sein und an die Werte des Fußballs denken", sagt UEFA-Präsident Michel Platini, der erklärte, am Mittwoch bei der Wahl des FIFA-Präsidenten nicht zu kandidieren.

So wird es wohl wieder auf Blatter hinauslaufen. Ob das dem Wohl des Sports dient, darf bezweifelt werden - weshalb auch die Frage erlaubt sein muss, warum der ums FIFA-Image besorgte Zwanziger und der DFB seine erneute Kandidatur unterstützen.

Der Fußball hat mehr als ein Imageproblem. Er hat ein Kopfproblem.

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