Bremens einstiger Problemprofi ist endlich gereift und demonstriert es mit geistreichen Gedanken über Postmoderne und Silikon.

Es ist das märchenhafteste Sommermärchen des Sommers.

Eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreiben kann. Eine Saulus-Paulus-Erzählung, eine Coming-of-Age-Story, die ergreifende Ballade einer wundersamen Charakterentwicklung.

Es geht um Marko Arnautovic, ein Spieler der als grundübler Geselle in Erinnerung ist.

Als chronischer Torverfehler, Bentley-Verlierer, Falschparker, Saftladen-Sager, Nicht-Grüßer, Disco-Ohrfeigen-Empfänger, Seltsam-mit-der-Freundin-am-Flughafen-Auftreter.

Das alles aber hat Arnautovic vergangene Woche hinter sich gelassen.

[image id="9b694731-6472-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Mit einem Aufsehen erregenden Interview im "kicker" ("Vergangenheit ist Vergangenheit" - "Ich will mich ändern" - "Neustart") und fünf Testspieltoren gegen den SV Meppen.

"Der neue Arnautovic", "Tore statt Skandale", "Der andere Arnautovic: Brav und torgefährlich" titelten die Zeitungen über den Paradigmenwechsel in Arnautovics Persönlichkeitsentwicklung:

Voll ehrlicher Freude, es von nun an mit einer Vorbildexistenz zu tun zu haben, über die man keine negativen Schlagzeilen mehr schreiben muss.

Ein weiteres Zeugnis der Reife lieferte in dieser Woche ein Gespräch zwischen Arnautovic und dem österreichischen Magazin "Seitenblicke" - mit der zentralen Frage: "Wie sieht Ihre Traumfrau aus?"

Erwartet wurde hier natürlich, dass Arnautovic antworten würde wie ein Musterprofi. Wie ein Musterprofi alter Werder-Schule ("Wie Beate Rehhagel") - oder ein Musterprofi moderner Prägung ("Das ist Sache des Trainers").

Arnautovic aber erfüllte die Erwartungen nicht nur. Er übertraf sie.

Indem er einen Schritt weiter ging und wie ein Musterprofi postmoderner Prägung antwortete: "Sie muss tätowiert sein, das steht bei mir an erster Stelle. Und schwarze Haare und Silikonbrüste haben."

Es entspann sich ein geistreiches Gespräch über die Schwierigkeiten der zeitgenössischen Redefinition von Partnerschaft ("Sind Sie eigentlich in einer Beziehung?" - "Ich bin zwar nicht schwer verliebt, aber das kann man trotzdem so sagen").

Über Arnautovics Antwort auf die konsumkritischen Thesen von Pier Paolo Pasolini und Herbert Marcuse ("zwei Porsche, einen Audi R8, eine begehbare Garderobe und allein über 80 Paar Schuhe").

Und über die wesentlichen Dinge des Daseins im Allgemeinen ("Wie groß sollten die von Ihnen favorisierten Silikonbrüste denn sein?" - "Puh, da kenne ich mich nicht aus. Aber meine Freundin hat auf jeden Fall welche").

Wie es nun so ist, wenn ein Denker seiner Zeit voraus ist, gerieten Arnautovics Ausführungen in falsche Hälse - und bescherten ihm doch wieder schlechte Presse.

Und so packt nun leider auch Arnautovic die Angst vor der eigenen Courage.

Er sagt nun, das alles sei so nicht gesagt worden. Falsch zitiert, jedenfalls nicht so, wie er es während seiner Zeit in Oxford gelernt hätte.

Auf seiner Homepage heißt es: "Marko Arnautovic möchte sich an dieser Stelle ausdrücklich von den Mitteilungen distanzieren und darauf hinweisen, dass diese fernab von jeglicher Wahrheit sind."

Gezeichnet,

der andere Arnautovic

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel