Die Bundesliga lenkt ab von den Übeln der Welt - leidet aber selbst unter einem schlimmen Missstand. Zum Glück naht die Lösung.

Exzesse ? ein hässliches Wort.

Allein schon, wie es ausgesprochen wird: "Äksstssesse!" Wie ausgespuckt von einer arglistigen Hexe oder einer hochgiftigen Kobra.

Man denkt an eine Hautkrankheit, die an den unangenehmsten Körperregionen juckt.

Kein Wunder, dass jeder die Dinger loswerden will - bis hinauf in höchste politische Kreise.

"Merkel fordert Ende der Exzesse", war schon vor zwei Jahren in den Zeitungen zu lesen.

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Eine vergebliche Forderung, unerwünschte Exzesse jeder Art suchen die Welt bis heute heim: "Gewalt-Exzesse in Syrien", "Schulden-Exzesse in den USA", "Grill-Exzesse in Essener Parks", "Alkohol-Exzesse an der Playa de Palma - Sangria-Eimer unerwünscht".

Exzesse um den ganzen Erdball - da ist man doch dankbar, dass an diesem Wochenende der Fußball wieder da ist, um sich davon abzulenken.

Ein schöner Gedanke. Nur leider wird auch die Bundesliga vom hässlichen Sechs-S-Wort nicht verschont.

Aber es gibt zum Glück Autoritäten, die daran arbeiten, das Problem zu lösen.

"In der kommenden Saison sollen diese Exzesse der Trainer an der Seitenlinie unterbunden werden" - die DFB-Schiedsrichterkommission ist dran am Thema.

Ein Thema, das für das zuständigen Gremium kaum weniger dringlich ist als Gewalt in Syrien und Schulden in den USA.

Es könne ja nicht sein, "dass die Trainer da herumspringen wie verrückt" und sich "wild gestikulierend und schreiend außerhalb der Coaching-Zone bewegen".

Die Erinnerung an den dramatischsten Exzess der Vorsaison sind noch frisch: An Jürgen Klopp, wie er an der Seitenlinie dem vierten Offiziellen die Baseball-Kappe an die Stirn drückte.

Bedrückende Szenen, die sich nicht wiederholen dürfen. Die von den vierten Offiziellen künftig schon im Ansatz unterdrückt werden.

Es geht schließlich um "Respekt und Vorbildfunktion".

Es geht darum zu verhindern, dass sich leicht beeinflussbare Kinder und Jugendliche ein Beispiel an derartigen Aktionen nehmen.

Ehe die Spielplätze der Republik voll sind von Kindern, die da herumspringen wie verrückt.

Ehe No-go-Areas entstehen, die man als anständiger Bürger nicht mehr betreten kann, ohne dass einem fehlgeleitete Halbwüchsige die Baseballkappe an die Stirn drücken.

Ehe sich ein ganzes Volk wild gestikulierend und schreiend außerhalb der ihm zugedachten Coaching-Zone bewegt.

Exzesse in Syrien, Exzesse in den USA, Exzesse an der Seitenlinie: Gut, dass die Verantwortlichen sich kümmern.

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Erzählungen, Martin HoffmannKommentar | Martin Hoffmann | Erzählungen | Satire

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