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Andreas Ottl (r.) spielte bis zu diesem Sommer gemeinsam mit Philipp Lahm beim FCB © getty

Bei SPORT1 springt Ex-Mitspieler Ottl dem Jungautoren Lahm zur Seite. 1899-Trainer Stanislawski wird persönlich, Bobic lästert.

Von Mathias Frohnapfel und Christian Paschwitz

München - Erst am Montag erscheint das Buch von Philipp Lahm im Handel, doch schon die Vorabveröffentlichungen bringen viele Branchenkollegen vorab zum Kochen (BERICHT: Geldgierg und intrigant: Lahm unter Beschuss).

Nach der Fundamentalkritik von Ex-Teamchef Rudi Völler (BERICHT: Lahm in der Kritik) haben jetzt auch Werder-Boss Klaus Allofs, Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski und die SPORT1-Experten Thomas Helmer und Mario Basler das Werk des Jungautoren zum Teil scharf gerügt.

Bei SPORT1 eilt jetzt Andreas Ottl seinem langjährigen Weggefährten zur Hilfe. Ottl spielte viele Jahre an Lahms Seite, wechselte zu Beginn dieser Saison nach Berlin.

"Kann Aufregung nicht verstehen"

"Ich bin mit Philipp befreundet und habe das Buch von ihm vorab zum Lesen bekommen", sagte Ottl zu SPORT1.

"Deshalb kann ich die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Das Buch ist gut geschrieben und sachlich und fachlich absolut in Ordnung. Ich kann nur allen empfehlen, das Buch zu lesen, dann bin ich sicher, dass sich die Aufregung legt."

Lahm rügt in seinem Buch unter anderem die Arbeitsweise der Ex-Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal und Felix Magath.

"Seine Tricks greifen nicht mehr"

"Seine Tricks greifen nicht mehr, man kennt sie schon", schreibt Lahm über Magaths letztes Halbjahr 2006 in München. Klinsmann wirft er mangelndes taktisches Verständnis vor.

Und zu van Gaal stellt er fest: "Er hat sich während seiner zweiten Saison schlicht geweigert, die Mängel seiner Philosophie zur Kenntnis zu nehmen und zu beseitigen. Diese Mängel betreffen die Defensive."

Zur EM 2004 lässt Lahm wissen, dass die Trainingsintensität überschaubar gewesen sei - "vielleicht eine Stunde pro Tag" - und vermutet, "dass damals viele Playstations geglüht haben."

Der DFB reagierte inzwischen: Lahm bleibt Kapitän, muss aber vorm nächsten Länderspiel zum Rapport bei Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff erscheinen (BERICHT: Lahm bleibt DFB-Kapitän).

[kaltura id="0_61letxho" class="full_size" title="Die Liga reagiert auf Lahm"]

Auch zur EM 2008 nennt Lahm Interna und erregt damit den Unmut der Szene.

SPORT1 hat die Reaktionen zusammengefasst:

SPORT1-Experte Thomas Helmer: "Er ist Kapitän bei den Bayern und in der Nationalmannschaft, und er braucht das Geld nicht. Ich verstehe das nicht."

SPORT1-Experte Mario Basler: "Ich empfinde es schon als schwerwiegendes Vergehen, dass Philipp Lahm zum Beispiel Rudi Völler derart attackiert hat"

LIGA total!-Experte Thomas Berthold: "Es gibt einen Ehrenkodex im Nationalteam: Interne Vorgänge bleiben intern!"

Werder-Sportchef Klaus Allofs: "Ich bin schon lange in diesem Geschäft, aber ich habe noch nie den Drang verspürt, ein Buch darüber zu schreiben. Es gibt einfach gewisse Regeln, die man einhaltensollte."

Bayer-Trainer Robin Dutt: "Das ist ein absolutes Tabu-Thema. Man kann nur froh sein, dass man nicht Teammitglied von Philipp Lahm ist, weil man nicht weiß, was in den nächsten fünf Jahren veröffentlicht wird."

Stuttgarts Manager Fredi Bobic: "Ich würde ihm nie mehr was erzählen. Es wird ihm schaden, Gratulation dazu! Ich verstehe das nicht und kann die Aussagen von Rudi Völler nur bestätigen. Muss er als aktueller Spieler ein Buch schreiben? Welchen Nutzen hat das? Es ist das Schlechteste, was du als Spieler machen kannst!"

Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski: "Zu erzählen, was der oder jener nachts im Hotel macht. Das macht man nicht. Ob man in diesem Alter schon ein Buch schreiben muss, weiß ich nicht. Diese Leute haben in meinen Augen viel zu viel Zeit, sich über andere Menschen Gedanken zu machen. Das ist unfassbar und spricht auch dafür, wie uninteressant das eigene Leben ist und wie interessant das Leben anderer ist. Zu meiner Zeit wäre das innerhalb unserer Mannschaft problematisch geworden."

Philipp Lahms Buch "Der feine Unterschied" im SPORT1-Shop

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