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Theo Zwanziger (l.) ist seit 2004 DFB-Boss, Rainer Koch (r.) seit 2007 Vize-Chef © getty

Der DFB-Vize will seinen Chef vom Treffen mit Manfred Amerell als Ersten informiert haben. Der DFB-Präsident dementiert.

München - Offener Machtkampf in der Chefetage des Deutschen Fußball-Bundes:

Der DFB unter Führung von Theo Zwanziger bezichtigt Vize-Präsident Rainer Koch in der Dauer-Affäre um den früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell der Lüge.

Am Mittwoch entbrannte damit ein Streit, der der Beginn einer Zerreißprobe in der DFB-Führungsetage sein könnte - zwischen dem Präsidenten Zwanziger und dessen potenziellem Herausforderer Koch.

Mitteilung mit Zündstoff

Nachdem der Präsident des bayerischen Fußball-Verbandes behauptet hatte, Zwanziger über sein umstrittenes Treffen mit Amerell informiert zu haben, versandte der DFB am Mittwochmittag eine Pressemitteilung, die jede Menge Zündstoff barg.

"Der DFB legt großen Wert auf die Feststellung, dass unser Präsident Theo Zwanziger weder im Vorfeld noch im Anschluss von Herrn Koch über dessen Treffen mit Herrn Amerell informiert wurde", ließ Mediendirektor Ralf Köttker mitteilen.

Er ergänzte: "Das Treffen wurde dem DFB erst durch einen Medienbericht bekannt und dann auf unsere Rückfrage bei Herrn Koch von ihm bestätigt."

Koch bestreitet Vorwürfe

Dies wird von Koch aber vehement bestritten, der am Nachmittag ebenfalls eine Presseerklärung versandte:

"Die von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in Zusammenhang mit meinem Gespräch mit Manfred Amerell erhobenen Vorwürfe sind unberechtigt. Zu Ablauf, Hintergrund und Vorgeschichte des Gesprächs werde ich mich im Interesse der Sache vorläufig noch nicht öffentlich äußern, sondern zunächst den Weg der verbandsinternen Kommunikation beschreiten", teilte Koch mit.

Er stellte klar, "dass dieses Gespräch nachweisbar keinen Alleingang darstelle, "was Zwanziger und DFB-Mediendirektor Ralf Köttker aufgrund einer von mir nach dem Treffen an diese erfolgten schriftlichen Information bekannt ist."

Weitere zusätzliche Informationen seien trotz ausdrücklicher Nachfrage bei Köttker von diesem ausdrücklich für nicht mehr notwendig erklärt worden.

Zwanziger enttäuscht

Zwanziger selbst sagte nach dem Gipfeltreffen zwischen DFB und DFL am Montag:

"Der Ablauf ist natürlich enttäuschend. Ich habe erst durch einen Medienbericht von dem Treffen erfahren. Und auch anschließend hat Herr Koch entgegen anderslautender Aussagen keinen direkten Kontakt zu mir aufgenommen."

[kaltura id="0_dra7vifl" class="full_size" title="Regel nderungen auch Wunsch der Schiedsrichter"]

Ob das gestörte Vertrauensverhältnis bestehen bleibt, wird in den kommenden Tagen bei einem Krisengipfel zwischen Zwanziger und Koch geklärt.

"Kurzschlussreaktion verhindern"

Koch hatte sich in der vergangenen Woche mit Amerell getroffen und nach eigenem Bekunden versucht, die Wogen zwischen dem Verband und dem früheren DFB-Schiedsrichter-Obmann zu glätten. (BERICHT: Zwanziger sauer auf Koch).

"Das Treffen war im Interesse des Verbandes. Eine Kurzschlussreaktion von Herrn Amerell kann nur durch Kommunikation verhindert werden. Ich habe den Präsidenten auch kurz nach dem Gespräch mit Amerell informiert", sagte Koch der "Sport Bild".

Zwanziger attackiert seinen Vize

Unabhängig davon, dass Zwanziger über Köttker diese Aussage Kochs ins Reich der Fabeln verwiesen ließ, scheint für den DFB-Präsidenten allein der Versuch einer Vermittlung den Tatbestand des Verrats zu erfüllen.

Dies ließ er Koch, der aus seinen Ambitionen für einen weiteren Aufstieg innerhalb des DFB nie einen Hehl gemacht hatte, auch persönlich spüren.

"Ich habe von der Beziehung Amerell und Kempter nichts geahnt. Ich war damals für das Schiedsrichterwesen nicht unmittelbar zuständig, dieser Bereich war Rainer Koch zugeordnet. Ich sehe in dieser Beziehung von Amerell zu jungen Schiedsrichtern und in der Tatsache, dass dies nicht bemerkt wurde, den eigentlichen Skandal", sagte Zwanziger der "Rhein-Zeitung".

Koch muss Stellung nehmen

Koch, der im Februar 2010 seinen Aufgabenbereich im Schiedsrichterwesen aufgegeben hatte, weil er eigenen Angaben zufolge nur unzureichend über die Vorgänge im Fall Amerell/Kempter informiert worden war, muss nun bereits vor der Präsidiumssitzung Anfang Dezember Stellung zu seinem verbandsintern nicht abgestimmten Treffen beziehen.

Amerell wird vom DFB vor allem wegen der Sex-Affäre mit dem ehemaligen FIFA-Referee Michael Kempter als "unerwünschte Person" geführt.

"Wir haben von diesem Treffen aus den Medien erfahren und werden Herrn Koch nunmehr zu diesem Vorgang anhören", sagte Zwanziger. Danach soll über die Zukunft von Koch im DFB-Präsidium entschieden werden.

Vertrauensverhältnis gestört

Koch wird in einem DFB-Protokoll unterstellt, dass er auf der Seite von Amerell stehe. Das dementiert der DFB-Vizepräsident jedoch energisch.

Dennoch steht nach "Sport-Bild"-Angaben in dem Protokoll, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Koch und den übrigen Gremiumsmitgliedern nachhaltig gestört sei.

Angesichts der neuen Entwicklungen dürfte Zwanziger eine weitere Meldung am Mittwoch nur wenig erleichtert haben.

Einstweilige Verfügung gegen Amerell

Das Landgericht Berlin erließ gegen Amerell eine einstweilige Verfügung. Darin untersagen die Richter Amerell die Behauptung, der DFB habe Michael Kempters Rechtsanwalt Christoph Schickhardt bezahlt.

Für den Fall einer Zuwiderhandlung droht Amerell, der die Verfahrenskosten tragen muss, ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

Die seit fast zwei Jahren schwelende Affäre Amerell/Kempter ist auch Auslöser des jüngsten Schiedsrichterskandals beim DFB.

Amerell als Informant

Prominente deutsche Schiedsrichter sollen massiv Steuern hinterzogen haben.

Amerell hat bereits zugegeben, dass er mit einer Anzeige die Steueraffäre ausgelöst hatte.

Die Staatsanwaltschaft München I hat Ermittlungen aufgenommen und am Montag vor einer Woche bereits zahlreiche Häuser und Wohnungen durchsucht.

Zwanziger erklärte die Angelegenheit inzwischen zur Chefsache und lud nach Informationen des "Tagesspiegel" die deutschen Spitzenschiedsrichter für Freitag in die Verbandszentrale.

Konten in Liechtenstein

Unter anderem sollen sich deutsche Referees ihre internationalen Honorare von der FIFA auf Konten in Liechtenstein und der Schweiz überweisen lassen haben.

Die Einnahmen sollen anschließend nicht ordnungsgemäß versteuert worden sein. Es soll sich nach Angaben von Steuerfahndern um sechsstellige Beträge handeln.

Zudem sollen nach "Bild"-Informationen Referees, die vom DFB-Reisebüro kostenlos eine Bahnfahrkarte oder ein Flugticket zur Verfügung gestellt bekommen haben, in ihrer Steuererklärung Kilometergeld geltend gemacht haben.

20 Schiedsrichter im Verdacht

Insgesamt sollen rund 20 Schiedsrichter in die Steueraffäre verwickelt sein. (BERICHT: Steueraffäre weitet sich aus).

Bekannt ist bislang, dass die Behörden unter anderem gegen den bereits wegen Steuerhinterziehung verurteilten Kempter sowie FIFA-Referee Felix Brych ermitteln.

Zudem sollen laut eines Berichts der "Stuttgarter Nachrichten" vier Schiedsrichter aus dem Raum Stuttgart nach einem Hinweis von Amerell ins Visier der Steuerbehörden geraten sein.

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