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Schiedsrichter Winkmann (M.) muss sich in Mainz Beschwerden der Stuttgarter anhören © getty

Die Bundesliga-Referees geben auf dem Rasen derzeit kein gutes Bild ab. Wagner widerspricht bei SPORT1 der Kritk von Heynemann.

Von Reinhard Franke und Björn Seitner

München - Für die deutschen Schiedsrichter läuft es derzeit alles andere als rund.

Mittlerweile 70 aktive und ehemalige Referees stehen unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung. Auch Hausdurchsuchungen wurden bereits durchgeführt (BERICHT: Schiri-Steuer-Affäre weitet sich aus).

Zu den Problemen neben dem Platz kommen nun auch noch miserable Leistungen auf dem Rasen.

Dass man zwischen beiden Angelegenheiten einen Zusammenhang herstellen könne, glaubt Ex-Schiri Markus Merk in der "Bild" nicht:

"Aber da steht etwas im Raum - und das ist unangenehm. Es ist nicht einfach, wenn man sich Freitag in Frankfurt zu diesen Dingen äußern und Samstag eine Top-Leistung abrufen muss."

"Viele Big Points vergeben"

Dass seine Ex-Kollegen "im sportlichen Bereich derzeit viele Big Points vergeben", konnte auch der frühere FIFA-Referee Bernd Heynemann beobachten.

Und die Fehlurteile seien keine "Millimeter-Entscheidungen, sondern klare falsche Pfiffe bei eindeutigen Karten", erklärt er in seiner "kicker"-Kolumne.

Eine Aussage, die Lutz Wagner, ebenfalls ehemaliger Schiedsrichter und heutiger Koordinator für Regelumsetzung, Basisarbeit und Talentförderung beim DFB, nicht nachvollziehen kann.

Wagner widerspricht Heynemann

"Man kann das nicht verallgemeinern. Man muss das immer genau analysieren", sagte der 48-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Jeder Schiedsrichter habe seinen Coach, mit dem er die Spiele aufarbeite.

"Es gibt Auf und Ab's und immer mal knifflige Entscheidungen. Da von vergebenen Big Points zu sprechen, halte ich für falsch", erklärt er weiter.

Das vergangene Wochenende muss jedoch als Beleg für diese von Heynemann beklagten schlechten Leistungen gesehen werden. (478965DIASHOW: Die Tops und Flops des 11. Spieltags)

[kaltura id="0_onmhb0tb" class="full_size" title="Steuerhinterziehung bei DFB-Schiedsrichtern?"]

Tor verweigert, Elfmeter gegeben

Michael Weiner machte sich in Köln keine Freunde:

Zuerst übersah er bei Werders 3:2 gegen den FC ein Handspiel von Bremens Naldo. Wenige Augenblicke später bestrafte er Henrique Serenos Foul an Markus Rosenberg mit Rot und einem Strafstoß, den Claudio Pizarro zum zwischenzeitlichen 2:2 nutzte.

Knut Kircher verweigerte beim 2:2 zwischen Leverkusen und dem HSV den Hamburgern ein reguläres Tor.

Labbadia: "Gegen zwölf Mann gespielt"

Und auch Guido Winkmann zeigte beim 3:1 der Mainzer gegen Stuttgart zu Unrecht auf den Punkt und wenig Feingefühl, als er nach dem Schlusspfiff Maza noch die Gelb-Rote Karte zeigte.

VfB-Coach Bruno Labbadia war nicht der einzige Trainer, der der Meinung war, sein Team habe an diesem Wochenende "gegen zwölf Mann gespielt".

An der Seitenlinie in Mainz stand Schiedsrichter-Assistent Jan-Hendrik Salver, einer der zahlreichen Verdächtigten wegen Steuerhinterziehung.

Weiner redet sich raus

Bis zu 100.000 Euro Einnahmen sollen einige der Referees verschwiegen haben.

Dass er nichts davon gewusst habe, könne laut Heynemann keiner der verdächtigten Schiedsrichter behaupten: "Steuern waren immer wieder Thema bei den Lehrgängen."

"Ich habe alles richtig gemacht", erklärte Weiner nach dem Spiel zwischen Bremen und Köln zu seiner Leistung auf dem Platz.

Einige andere werden unter Umständen bald keine Ausreden mehr parat haben.

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