vergrößernverkleinern
Daniel Bauer lief seit 2009 in 58 Spielen für Magdeburg auf © imago

Magdeburgs Bauer prangert nach den Fan-Drohungen das Verhalten der Vereinsführung an. Der Präsident habe "Öl ins Feuer gegossen".

Berlin - Daniel Bauer hat knapp zwei Wochen nach der Bedrohung durch vermummte Hooligans vor seiner Haustür schwere Vorwürfe gegen seinen Verein 1. FC Magdeburg erhoben.

Der Mannschaftsrat des Regionalligisten habe schon eine Woche zuvor die Vereinsführung auf die mögliche Eskalation hingewiesen - ohne Erfolg. (BERICHT: Bauer: Flucht nach Hooligan-Angriff)

"Wir haben Rückendeckung gefordert. Aber die bekamen wir nicht. Im Gegenteil", sagte Bauer der "Sport-Bild".

"Der Präsident wurde mit dem Satz 'Sandhowe (Trainer, Anmerkung der Redaktion) und Bauer sollen nicht jammern, denn wir haben die besten Fans der Welt' in der Zeitung zitiert. Dies sogar mehrfach. Damit hat er in meinen Augen Öl ins Feuer gegossen."

"Wir waren vogelfrei"

Bauer gab dem Klub-Vorstand sogar eine gewisse Mitschuld an dem Vorfall.

"Wir Spieler waren durch solchen Opportunismus für diese wenigen Chaoten vogelfrei geworden. Und was sich bei mir eingebrannt hat, ist, dass die Vermummten genau diese Worte gebraucht haben. Ich solle nicht jammern", sagte Bauer.

Zukunft in Magdeburg offen

Bauer, der nach der Bedrohung Magdeburg verließ und mittlerweile bei seinen Eltern in der Nähe von Koblenz wohnt, verspürt nach wie vor ein Klima der Gewalt.

In einigen Fan-Foren gebe es Personen, "die weiter gegen mich hetzen", sagte der 29-Jährige, der deshalb seine sportliche Zukunft offen lässt.

"Da fragt man sich, ob es einen Sinn ergibt, wieder nach Magdeburg zurückzugehen."

"Laufe nicht grundlos davon"

Dass der Verein zunächst erklärt hat, Bauer fehle im Spiel gegen Halle aus familiären Gründen, habe den 29-Jährigen ebenfalls verärgert.

"Ich habe das auf der Homepage gelesen. Klar, es stand das brisanteste aller Saisonspiele bevor, doch das Mindeste ist, diese eigenmächtige Darstellung zuvor mit mir oder meinem Berater abzustimmen", sagte der Mittelfeldspieler.

Dass in Magdeburg vermehrt Stimmen laut wurden, die Bauer die Geschichte nicht abnehmen, ließ den Fußballer kalt.

Ihm wäre auch "lieber, wenn dieser Horror nicht passiert wäre. Aber ich bin kein Typ, der grundlos davonläuft."

Vermummte gaben sich als Pizzalieferanten aus

Am Abend des 27. Oktober sollen zehn Vermummte an der Haustür von Bauer geschellt und sich per Sprechanlage als Pizza-Service angekündigt haben.

Nachdem Bauer die Tür geöffnet hatte, habe einer der Personen drei Minuten auf ihn eingeredet.

Die Personen trugen laut Bauer Sturmmasken, zum Teil sei nur der Mund zu sehen gewesen. Einer der Unbekannten soll ihn mit den Worten gewarnt haben:

"Am Sonntag zählt nur ein Sieg im Derby gegen Halle, und wenn Ihr nicht gewinnt, kommen wir wieder."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel