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Bei seiner sechsten Trainer-Station steht Wettberg beim SV Seligenporten unter Vertrag © getty

Der erfolgreichste Amateurtrainer Deutschlands wird 70. Diverse Rekorde hält er, 2012 will der Dauerbrenner Schluss machen.

München - Der kleine Mann am Spielfeldrand steht unter Starkstrom: Er flucht, er hüpft, er tobt. Auch heute noch.

Karsten Wettberg, der Coach des Bayernligisten SV Seligenporten, ist nicht irgendein Übungsleiter, sondern noch immer der erfolgreichste Amateurtrainer Deutschlands.

Keiner sammelt die Titel so wie Wettberg, keiner ist häufiger aufgestiegen als der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Deutschen Post in Ingolstadt.

46 Pokalsiege und Zweitliga-Aufstieg mit 1860

Allein 17 Meisterschaften sowie 46 Bezirks- und Pokalsiege feierte Wettberg in seiner Karriere, unter anderem gelangen ihm auch Zweitliga-Aufstiege mit dem TSV 1860 München und der SpVgg Unterhaching.

Am Donnerstag wird der Trainer-Methusalem aus dem niederbayerischen Elsendorf 70 Jahre alt.

"Letztens wurde ich in einem Stadion als 'Dinosaurier der Liga' begrüßt. Da bin ich kurz zusammengezuckt. In der Birne fühle ich mich doch wie 50", sagt Wettberg.

Gedanken an den Rücktritt

"Ich mache jeden Tag noch bis zu 150 Liegestützen", erklärt er mit einem Lächeln. Das hält jung.

Dennoch denkt er nun ans Aufhören: "Ich spiele mit dem Gedanken, meine Karriere im Sommer zu beenden. Ich will sicher kein zweiter Rudi Gutendorf werden."

Der Aufwand wird ihm zu groß: Viermal die Woche fährt Wettberg von Elsendorf nach Seligenporten - das sind 246 Kilometer pro Tag.

Der bayerische Amateurfußball ohne Wettberg? Kaum vorstellbar.

Drittliga-Rekord für die Ewigkeit

In den 80er und 90er Jahren hat Wettberg die Dritte Liga bestimmt - mit dem TSV 1860 München sogar das Kunststück geschafft, von Februar 1990 bis Juni 1991 54 Pflichtspiele in Serie ungeschlagen zu bleiben.

"Diesen Rekord wird in der Dritten Liga nie wieder einer brechen", sagt Wettberg, der nach dem Löwen-Aufstieg 1991 von Münchens damaligen Oberbürgermeister Georg Kronawitter auf dem Rathausbalkon zum "König von Giesing" getauft worden ist.

Die Fans liebten Wettberg wegen seiner Ehrlichkeit und seiner authentischen Art.

Einmal zertrampelte er einen Regenschirm, nach dem "Löwen"-Aufstieg zog sich Wettberg im Grünwalder Stadion bis zur Unterhose aus und feierte mit den Massen.

"Das ist wie Rauschgift"

"Trainer bei 1860 zu sein", sagt Wettberg rückblickend, "das ist wie Rauschgift."

Später war Wettberg auch noch Vize-Präsident sowie im Aufsichtsrat beim Deutschen Meister von 1966.

Dass Wettberg ("Mein Idol war immer Uwe Seeler") nie den Sprung ins große Profi-Geschäft gewagt hat, lag auch an seinem Beamten-Status.

"Ich hatte mal ein Angebot von 1. FC Nürnberg. Hätte ich das gemacht", erklärt der Jubilar, "dann wäre ich meinen Pensionsanspruch auf einen Schlag los gewesen".

Sogar Seehofer half

In den 90er Jahren half sogar der jetzige Bayerische Ministerpräsident, Horst Seehofer, damit Wettberg zwei Tage in der Woche beurlaubt wird, um bei der SpVgg Unterhaching auf dem Trainingsplatz zu stehen.

Worauf Wettberg besonders stolz ist: dass er "eine unglaubliche Popularität" in Bayern erreicht hat. Auch darauf wird der kleine Mann am Donnerstag anstoßen.

Und wie es sich für Wettberg gehört, steht er an seinem Geburtstag natürlich nicht in irgendeinem Feinschmecker-Lokal, sondern auf dem Fußballplatz in Seligenporten.

Typisch Wettberg halt. Ein bayerisches Unikat.

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