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Wolfgang Kleff stand als 61-Jähriger noch beim FC Rheinbach als Aktiver unter Vertrag © imago

Weltmeister Wolfgang Kleff feiert Jubliäum - für ihn kein Grund zu feiern. Mehrfach sprang er dem Tod von der Schippe.

München - Wenn man Wolfgang Kleff die Frage stellt, wie es ihm geht, erhält man immer dieselbe Antwort: "Ich lebe noch."

Und diese drei Worte machen Sinn.

Denn 2009 war der frühere deutsche Fußball-Nationaltorwart "dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen", wie er selbst sagt.

Nicht nur deshalb tut sich der frühere Keeper von Borussia Mönchengladbach mit seinem 65. Geburtstag am Mittwoch schwer.

"Was soll ich groß feiern?"

"Ich werde doch nur einen Tag älter, was soll ich da groß feiern", sagt Kleff recht launisch. Letztmals habe er groß gefeiert als er 50 geworden war.

"Das mache ich nicht mehr. Da steht man nur dumm rum, begrüßt alle ganz kurz und dann ist die Feier zu Ende", berichtet er von seinen Erfahrungen mit Ehrentagen.

Aber nicht nur deshalb verzichtet Kleff auf eine große Sause.

Lieber genießt er den Tag allein oder kocht für ein paar echte Freunde, nachdem er auch die anderen kennengelernt hat.

Weltmeister 1974 und 433 Bundesliga-Auftritte

Denn trotz seiner 433 Bundesligaspiele und seiner vielen Erfolge (Weltmeister 1974, fünf Meisterschaften mit Borussia Mönchengladbach, DFB-Pokal- und Uefa-Cup-Sieger) war Kleff nicht nur vom Glück verfolgt.

Privat und geschäftlich lief nach dem Ende seiner Profikarriere vieles schief, anstatt ein Porsche steht heute ein Kleinwagen vor seiner Mietwohnung in Rheydt.

Und dann machte ihm auch noch das Herz zu schaffen, schon während seiner aktiven Zeit und dann später noch mal richtig böse.

Friseurrolle in "Otto - Der Film"

Aber Wolfgang Kleff, der damals wegen seiner Ähnlichkeit zu Komiker Otto Waalkes ebenfalls Otto gerufen wurde und sogar im Kino-Streifen "Otto - Der Film" 1985 als Friseur und Doppelgänger von Waalkes mitwirkte, hat seinen Lebensmut nie verloren, auch nicht seinen Humor.

"Wenn es dir gut geht, genieße es. Wenn es dir schlecht geht, dann hadere nicht", nennt er sein Lebensmotto.

"Was nützt es mir, wenn ich alles schlecht rede. Ich muss es so akzeptieren wie es ist. Und meine Einstellung ist und bleibt optimistisch", sagt Kleff.

Eines hat er in den vergangenen Jahren festgestellt: "Jeder will bei uns immer noch besser leben als er lebt. Und dadurch entsteht eine permanente Unzufriedenheit."

"Ich habe mich damit arrangiert"

Mit dieser Einstellung will Kleff selbst nicht durchs Leben gehen, auch wenn seines nach Schlaganfall und Herz-OP nicht mehr so unbeschwert wie früher ist.

"Das Herz ist nicht ganz in Ordnung, aber damit habe ich mich arrangiert", sagt Kleff, der trotz aller Rückschläge mit sich im Reinen ist.

"Fünfmal Meister, UEFA-Pokal-Gewinner und 1974 Weltmeister ohne Einsatz, ich denke, mit meiner sportlichen Karriere kann ich sehr zufrieden sein."

Mit Stimmgewalt zum WM-Titel

Schließlich habe er auch als Nummer drei hinter Sepp Maier und Norbert Nigbur aktiv zum WM-Titel beigetragen, als stimmgewaltiger Sänger auf der deutschen WM-Hymne "Fußball ist unser Leben".

Dass er nie an Maier vorbeigekommen ist, habe er respektiert.

"Ich hatte halt einen Stärkeren vor mir und das musste ich akzeptieren. Ich konnte als Sportler immer schon Niederlagen akzeptieren. Man darf sie aber nicht einfach so hinnehmen und muss sich dagegen stemmen", sagt er und bezieht sich damit auch auf seine Borussia, deren Heimspiele er nach wie vor live im Stadion verfolgt.

"Fußball ist mein Leben geblieben"

"In der vergangenen Saison haben sie nicht immer alles gegeben, aber in dieser Spielzeit macht die Mannschaft mir sehr viel Freude, weil sie die richtige Einstellung hat", sagt er.

"Der Fußball ist mein Leben geblieben", betont Kleff, der mit 61 Jahren noch einmal ein viel beachtetes Comeback zwischen den Pfosten gegeben hatte.

2008 half Kleff half beim Landesligaclub FC Rheinbach aus und spielte 35 Minuten, eher er verletzt raus musste.

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