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Wolfram Wuttke erzielte in 112 Bundesliga-Spielen 32 Tore für den 1. FC Kaiserlsautern © imago

Auf dem Platz ein Unikat, außerhalb ein Dickkopf. "Eines der größten Talente" ist mit den Jahren ruhiger geworden.

München/Selm - Ob Ernst Happel oder Jupp Heynckes, Wolfram Wuttke brachte auch die größten Trainer zur Weißglut.

Abmahnungen und Suspendierungen begleiteten die Karriere des früheren Nationalspielers, der am Donnerstag seinen 50. Geburtstag feiert.

"Für den Alten war ich entweder Zauberer, Wurschtl oder Arsch. Am Ende war ich fast nur noch Arsch", erzählt der Jubilar über seine Zeit beim Hamburger SV.

Vom "Alten" bis "Osram"

Mit "dem Alten" ist Happel gemeint. Mit dem damaligen HSV-Trainer, dem Grantler aus Österreich, verband ihn eine "Hassliebe".

Und Heynckes verpasste der viermalige deutsche Nationalspieler zu seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach den Spitznamen "Osram".

Als Wuttke von seinem Klub 1. FC Kaiserslautern abgemahnt wurde, weil er trotz Verletzung auf einem Weinfest gesehen worden war, stritt er dies mit der Begründung ab: "Ich kann gar nicht auf einem Weinfest gewesen sein, weil ich Biertrinker bin."

Und während eines Punktspiels mit Kaiserslautern beim FC Homburg rief er im Zustand höchster Erregung nach einer umstrittenen Entscheidung dem Linienrichter zu: "Du scheißt dir doch vor dir selber in die Hose."

Gesundheit als Lebenswunsch

Doch der in Castrop-Rauxel geborene Profi, der in Selm am Rande des Ruhrgebiets lebt, ist ruhiger geworden.

Die schweren Zeiten mögen auch dazu geführt haben, zu seinem Ehrentag wünscht er sich ganz schlicht Gesundheit.

Zur Jahrtausendwende wurde bei ihm die für Männer seltene Krankheit Brustkrebs festgestellt. "Ich hatte keinen Hunger, ich hatte keine Lust zu Leben, ich war zu nichts zu gebrauchen, ich hatte einfach nur Angst", erzählt Wuttke.

Die tückische Krankheit hat der Vater zweier Kinder, Benjamin (27) und Alexandra (21), überwunden.

Pech im privaten Bereich

Das Pech blieb ihm aber treu. Zunächst ließ sich seine Frau von ihm scheiden, dann ging das Sportgeschäft "Wolfram Wuttke Sportline" pleite.

Damit nicht genug: Beim Tennisspielen riss die Achillessehne, und als er die schwere Verletzung gerade überstanden hatte, trat er auf einen Tennisball und erlitt einen Mittelfußbruch.

"Als Spieler bin ich weitgehend von Verletzungen verschont geblieben", sagt Wuttke. 1993 musste er seine wechselhafte Karriere allerdings wegen einer Schulterfraktur beenden und wurde Sportinvalide.

66 Bundesliga-Tore in 299 Spielen

299 Bundesligaspiele bestritt er in der Bundesliga für Schalke 04, Mönchengladbach, Hamburg, Kaiserslautern und den 1. FC Saarbrücken, dabei erzielte er 66 Tore.

Dazwischen lag von 1990 bis 1992 sein Gastspiel bei Espanyol Barcelona. Mit Espanyol gelang ihm der Aufstieg in die Primera Division.

"Wetter und Verdienst waren super. Ich habe damals rund 650.000 Mark netto plus Prämien verdient", sagt Wuttke, der fließend spanisch spricht.

"Eines der größten Talente aller Zeiten"

Ein Titel blieb dem offensiven Fußballer verwehrt. Für Günter Netzer war der 1,72 m große Offensivspieler "eines der größten deutschen Fußball-Talente aller Zeiten".

Wuttke habe jedoch charakterliche Defizite gehabt, die ihn in seiner Karriere immer wieder im Weg gestanden hätten.

Wohl deshalb brachte es der eigenwillige Profi, der alle DFB-Teams durchlief, nur auf vier A-Länderspiele.

Olympia-Bronze 1988

Entschädigung für die entgangenen Weihen auf höchster Ebene war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988.

In Südkorea errang das Team von DFB-Trainer Hannes Löhr, gespickt mit Stars wie Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler, Karl-Heinz Riedle oder Frank Mill die Bronzemedaille.

"Das war eine riesengeile Truppe", erzählt Wuttke: "Der Medaillengewinn und die Teilnahme mit Athleten aus aller Welt, das war das größte Erlebnis meiner Laufbahn."

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