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Rainer Bonhof schoss in 311 Bundesligaspielen 57 Tore © getty

Rainer Bonhof hat Geld gesammelt, das in den Bau von Bolzplätzen auf Nias gesteckt wurde. Eine kleine Geste mit großer Wirkung.

Mönchengladbach - Wer kennt schon Nias, diese 120 mal 40 Kilometer große Insel im Indischen Ozean, 125 Kilometer von der Westküste Sumatras entfernt?

Rainer Bonhof, Weltmeister von 1974, kennt sie, und er hofft, im kommenden März dort ein letztes Mal hinreisen zu müssen.

Nias war vor vier Jahren, am 2. Weihnachtstag 2004, auch von der Tsunami-Katastrophe betroffen. Aber wer nahm angesichts des Elends in Indonesien über Indien bis hin nach Afrika schon ein Eiland mit 650.000 Einwohnern zur Kenntnis?

Drei Monate später, am 28. März, bebte auf Nias die Erde, und die Schäden waren doppelt so hoch wie bei der Flutwelle.

Bolzplätze nicht in der Satzung

Hilfsorganisationen hatten sich die Regionen aufgeteilt. Für Nias war HELP zuständig. Für die arbeitet ein Freund Bonhofs, und der bat ihn um Hilfe.

Um Kindern, die Waisen oder obdachlos geworden waren, die inmitten von Verwüstung und Zerstörung leben müssen, das Elend und die Tristesse des Alltags vergessen zu lassen, planten HELP-Helfer vor Ort den Bau von Bolzplätzen.

So etwas aber ist in der Satzung der vom Staat bezuschussten und von Politikern unterstützten Organisation nicht vorgesehen.

Sammlung unter Golf-Freunden

Also sprang Bonhof ein. Unter seinen (Golf)-Freunden sammelte er 30.000 Euro. Inzwischen sind zwei Bolzplätze fertig.

Der dritte wird voraussichtlich im März in Betrieb genommen. Daher der Bonhofsche Pflichttermin.

"Es handelt sich um Plätze, die etwa 40 mal 20 Meter groß sind. Das größte Problem war, den Untergrund zu befestigen", erklärt Bonhof.

"Später den Sand für die Spielfläche zu kaufen, war weniger schwierig. Die Plätze sind mit einem Holzzaun eingezäunt. An jedem Platz gibt es eine Reisküche und ein kleines Kommunikationszentrum. Auch für Trinkwasser sorgen wir."

Gedanken an eine Liga

Geplant waren die Sportplätze für 8- bis 16-Jährige. Inzwischen sind aber auch deren Eltern Fußballfans geworden.

Schon wird an eine kleine Liga gedacht. Bonhof: "Auf den Plätzen ist immer Betrieb. Das freut mich am meisten."

Mehr als nur ein Tropfen

Drei Bolzplätze. Ist das nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?

Bonhof zuckt mit den Schultern und kontert: "Wenn der Tropfen auf dem heißen Stein zerplatzt, freuen sich wenigstens ein paar Menschen mehr über den warmen Regen."

Weitere Plätze geplant

Und die Zukunft? Bonhof, der jüngst als Scout vom FC Chelsea entlassen wurde: "Ich habe Spaß an der Sache gefunden. Nias ist jetzt abgeschlossen."

Aber von den Einnahmen in Regionen, wo HELP hilft, will er weitere Bolzplätze bauen lassen: "Pure Überlebenshilfe ist eins. Kleine Fluchten aus dem Alltag durch Fußball zu ermöglichen, etwas anderes."

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