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Christoph Metzelder erlitt bei Madrids Sieg gegen Valencia einen Nasenbeinbruch © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Christoph Metzelder über das Engagement bei seinem Heimatklub, dessen Sinn und die Ziele.

Von Christian Stüwe

München - Als Profi hat Christoph Metzelder viele Höhen und einige Tiefen des internationalen Fußballs kennengelernt.

Deutscher Meister mit Borussia Dortmund, Vize-Welt- und Europameister, WM-Dritter ist der Wahlmadrilene bereits geworden. Eine hartnäckige Achillessehnenverletzung kostete ihn allerdings auch weit mehr als ein Jahr seiner Karriere.

Der 28-Jährige (Porträt) hat den Kontakt zu seinem Stammverein TuS Haltern nicht verloren und will den Bezirksligisten nun mit Geld, Know-how und Personal voranbringen.

Mit seiner Stiftung "Zukunft Jugend" unterstützt der Innenverteidiger zudem Projekte, die Bildungs- und Ausbildungschancen junger Menschen in Deutschland verbessern.

Im Sport1.de-Interview spricht Metzelder über Sinn und Zweck seines Engagements beim TuS Haltern, der mit dem Schalker Benedikt Höwedes (Porträt) einen weiteren Abwehrspieler mit Nationalmannschaftsambitionen geformt hat.

Sport1.de: Herr Metzelder, auf der Homepage des TuS Haltern wird von ehrgeizigen Zielen gesprochen, die Sie mit Ihrem Heimatverein haben. Was ist genau damit gemeint?

Christoph Metzelder: Es geht um die Verbesserung der Ausbildungsqualität, gerade im Jugendbereich. Das ist ein Teil des Projektes, das wir hier durchführen. Wenn wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben, wird sicherlich auch irgendwann die Erste Mannschaft davon profitieren.

Sport1.de: Die Jugendarbeit in Haltern muss aber schon jetzt recht gut sein, schließlich hat der verhältnismäßig kleine Verein einige Profis hervorgebracht.

Metzelder: Ich glaube, es gibt in Deutschland keinen Verein in der Größe, der in den letzten acht aufeinander folgenden Jahrgängen vier Bundesligaspieler hervorgebracht hat. Das ist eine sensationelle Quote und zeigt welches Potenzial es hier gibt. Letztendlich geht es im deutschen Fußball um Elitenförderung. Aber das ist ein Amateurverein, es geht auch um die Verbesserung der Breite. Es ist ein Ziel, dass wir in Zukunft auch Talente hervorbringen, die dann irgendwann den Schritt zu größeren Vereinen machen. Die erhöhen aber auch die Qualität des Vereins selbst.

Sport1.de: Verfolgen Sie die Spiele des TuS in Spanien?

Metzelder: Ja, klar. Am Sonntagabend schaue ich im Internet direkt nach den Ergebnissen.

Sport1.de: Wie ist die sportliche Situation derzeit?

Metzelder: Wir sind in der Bezirksliga in der Spitzengruppe. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Alles Jungs aus der eigenen Jugend. Mit Daniel Haxter haben wir einen ehemaligen Regionalligaspieler von Preußen Münster, mit dem ich auch noch zusammen gespielt habe. Er ist sicher auch ein Glücksfall für den Verein. Die Entwicklung geht absolut in die richtige Richtung.

Sport1.de: Ihr Projekt heißt "Steine und Trainer". Was bezwecken Sie damit genau?

Metzelder: Ich sehe das Engagement nicht als klassisches Mäzenatentum, bei dem ich dem Verein Geld gebe, damit er davon Oberligaspieler kauft. Es geht um Infrastruktur, die Platzsituation, die Gebäudesituation, die Trainingsausrüstung, Trikots, Bälle, Trainingsanzüge. Und zu guter Letzt der wichtigste Punkt: die Verbesserung der Trainerqualität. Durch Schulungen, durch Referenten, durch Absolvieren der DFB-Trainerlizenzen soll die Ausbildungsqualität so erhöht werden, dass Talente noch besser gefördert und gefordert werden.

Sport1.de: Was wäre ein realistisches sportliches Ziel für den Verein?

Metzelder: Ich gebe keine klaren sportlichen Ziele aus. Das macht auch keinen Sinn. Ich bin Realist und weiß, dass eine Stadt mit 36.000 Einwohnern und ein solcher Verein irgendwann auch Grenzen in ihrer sportlichen Entwicklung haben. Aber diese mittel- und langfristig auszureizen ist ein großer Ehrgeiz, den ich habe.

Sport1.de: Könnten Sie sich vorstellen, sich nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere auch hauptamtlich bei einem kleineren Verein wie Haltern zu engagieren?

Metzelder: Letztendlich ist es ein Engagement, was mit den Strukturen um den Fußball herum zu tun hat. Damit habe ich mich als aktiver Fußballer schon immer beschäftigt. Wie machen die Vereine das? Wie sind sie personell aufgestellt? Haben sie eine Philosophie? Das hier in einem so kleinen Verein umzusetzen und den Verein zu begleiten, ist eine gute Lernphase für ein Engagement nach meiner aktiven Karriere.

Sport1.de: Das passt auch zu der Arbeit die Sie mit Ihrer Stiftung machen.

Metzelder: Es hat auch einen sozialen Charakter. Wobei die Stiftung und TuS Haltern klar voneinander abgegrenzt sind. Aber natürlich hat ein Amateurverein klare Aufgaben, was etwa die Stärkung des Ehrenamts angeht. Das ist tägliche Jugendarbeit mit Kindern. Die Vermittlung von Werten wie Respekt, Zusammengehörigkeit und Verantwortung. Diese soziale Aufgabe nehmen wir sehr, sehr ernst.

Sport1.de: Schalkes Benedikt Höwedes stammt wie Sie aus der Jugend des TuS Haltern. Er wird als nächster Nationalspieler gehandelt und könnte schon bald einer Ihrer Konkurrenten in der Innenverteidigung sein. Wie stark schätzen Sie ihn ein?

Metzelder: Ich muss ehrlich sagen, dass ich ihn noch nicht habe spielen sehen. Aber was ich höre, ist sehr, sehr gut. Er ist ein großes Talent und kriegt bei Schalke jetzt auch seine Einsatzzeiten. Es ist sowohl für den TuS Haltern wie auch für den deutschen Fußball gut, dass jetzt junge Spieler nachkommen.

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