Viva El Schalke!
Fernsehfans erinnern sich womöglich noch an die Polizeiserie T.J. Hooker mit William Shatner und Heather Locklear.
Ich persönlich tue es nicht, ich habe nur eine Folge von ihr gesehen. Worum es ging, außer darum, dass für Heather Locklear ein Grund gefunden werden musste, in Unterwäsche aufzutreten, weiß ich nicht mehr.
Ich habe diese Folge nämlich vor einigen Jahren im Urlaub auf Spanisch gesehen.
Es war eine faszinierende Erfahrung: Die spanische Sprachunterlegung hat der Sendung eine Melodie, ein Tempo und ein Temperament gegeben, welche die Tatsache, dass ich kein Wort verstand, mehr als wettgemacht haben.
Eine ähnliche Erfahrung habe ich diese Woche gemacht, als ich den Pressespiegel unseres Unternehmens in die Hände bekam.
Darin stand ein Artikel der spanischen "Marca", in dem wir zitiert worden sind - weil die Verantwortlichen des FC Schalke 04 bei uns die Wechselgerüchte um den spanischen Altstar Guti zurückgewiesen haben.
"Schalkes Guti-Coup? 'Da ist nichts dran'" hieß das bei uns.
Mit O-Tönen von Manager Horst Heldt ("Guti war ein klasse Spieler, aber für uns ist er kein Thema") und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ("Ich bin normalerweise sehr gut informiert, aber davon weiß ich nichts.")
Eine seriöse, nachrichtliche Meldung.
Mit dem, was aus dieser Meldung auf Spanisch wird, kann das aber nicht mithalten: "El Schalke desmiente su interés por Guti"! Caliente!
Allein schon, wie die Akteure von El Schalke auf Spanisch heißen: "Horst Heldt, director deportivo" und "Clemens Tonnies, presidente del conjunto de Gelserkinchen".
Da denke ich nicht mehr an gediegene Anzugträger, die von ihrem Schreibtisch aus in ihr Handy diktieren, dass an der Sache "nichts dran" wäre.
Ich fantasiere mir die beiden nun in Szenarien, die sich nach dem anfühlen, was man da liest.
Ich stelle mir Horst Heldt im glitzernden Kampfanzug eines maskierten mexikanischen Wrestlers vor, der dem johlenden Publikum ins Mikrofon entgegenbrüllt: "Guti es un gran jugador, pero no nos interesa."
Und Clemens Tonnies, presidente del conjunto de Gelserkinchen, bekommt in meiner Vorstellung den Sombrero und den falschen Schnurrbart von Marlon Brando aus "Viva Zapata!"
Und ein Maultier, mit dem er hunderte Kilometer weit in den Süden reitet und den von Revolutionswirren beunruhigten Dorfbewohnern verkündet: "Yo siempre estoy informado, pero de esto no se nada."
Die Geschichte, die der Artikel erzählt, verformt sich in meinen Gedanken zu "Viva El Schalke!", einer spanisch-mexikanischen Saga, die keinerlei Sinn ergibt. Die aber Melodie hat, Tempo und Temperament.
Und Heather Locklear in Unterwäsche.
Ich stelle mir Gelserkinchen in diesem Moment als einen schönen Ort vor.
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