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Rudi Assauer gewann als Manager mit Schalke © getty

Der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer geht offensiv mit seiner Alzheimer-Erkrankung um. Ein TV-Auftritt ist geplant.

München - Schon in seiner Zeit als Manager von Schalke 04 sind bei Rudi Assauer die ersten Anzeichen seiner Alzheimer-Erkrankung aufgetreten.

"Die Vorboten der Krankheit" kündigten sich schon 2004 oder 2005 an, sagt seine Büroleiterin Sabine Söldner im Magazin "stern", "manchmal rief er mich nach einem Auswärtsspiel fünfmal an, ich sagte ihm: Chef, da haben wir schon drüber gesprochen."

Auf Schalke merkte sonst niemand etwas. "Nein", antwortete Aufsichtsratschef Clemens Tönnies im "Express" auf die Frage, ob es damals Anzeichen der Erkrankung gegeben habe.

Assauer, der 2006 im Streit zurücktrat, wollte selbst lange nichts von Alzheimer-Symptomen wissen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Man spielt sich etwas vor"

"Man will es nicht wahrhaben", sagt der 67-Jährige in seiner Autobiografie "Wie ausgewechselt - verblassende Erinnerungen an mein Leben":

"Und dann sich und den anderen etwas vorspielen. Um alles in der Welt versucht man, dem Gegenüber zu zeigen: War nur ein Aussetzer, ist doch alles in Ordnung."

Erst Anfang 2010 ließ sich Assauer erstmals auf Alzheimer untersuchen, begann seine Therapie.

[kaltura id="0_c8j5ituo" class="full_size" title="SPORT1 News Assauer schwer erkrankt"]

"Euro-Fighter" kommen zu Besuch

Um ihm zu helfen, besuchten ihn auch die legendären "Eurofighter", die 1997 den UEFA-Cup gewannen.

"Wir sehen uns ab und zu", sagte Ex-Profi Andreas Müller, UEFA-Cup-Sieger und später sein Nachfolger als Schalke-Manager, der "Sport Bild":

"Wir hatten noch vor Weihnachten telefonischen Kontakt. Seine alten Freunde Huub Stevens, Olli Reck, Ebbe Sand oder auch ich sind immer für ihn da, wenn er Hilfe benötigt."

Im Spätsommer 2010, so berichtet der "stern", sagte Assauer seiner Tochter Bettina und seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner, die ihn betreuen, erstmals: "Ich habe Alzheimer."

Entgegen der Alkohol-Gerüchte

Jetzt hat er den Weg in die Öffentlichkeit gewählt - auch um Gerüchten über eine Alkoholsucht zu begegnen.

"Man sollte das Kind beim Namen nennen. Zack, bumm", heißt es in seiner Autobiografie.

"Das soll hiermit geschehen, dann wissen es alle und müssen nicht mehr hinter meinem Rücken tuscheln. Also offenes Visier: Hier bin ich, das ist mein Problem. Wenigstens wissen die Leute nun auch ein für alle Mal, dass ich keinen Alkohol mehr trinke."

Spieler-Namen verblassen

Das "ZDF" begleitete ihn ein Jahr lang für die Dokumentation "Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen!", die in der Reihe "37 Grad" am 7. Februar ausgestrahlt wird.

Darin ist unter anderem zu sehen, wie er vor einem Foto steht, auf dem er seinen ehemaligen Spieler Lincoln auf die Stirn küsst, und sagt:

"Wie heißt der Spieler noch, den ich geholt habe? Mein Kopf ist nicht mehr so fit."

Assauer berichtet von der "Wut, die ich habe, weil ich nicht mehr mithalten kann. Ich bin zwar immer noch lustig hin und wieder. Aber wenn ich dann nach Hause komme, sage ich: Ach, du lieber Gott, du hast ja diese Krankheit, was willst du eigentlich noch?"

Auch Assauers Bruder betroffen

Am Freitag (9.05 Uhr) ist der ehemalige Schalker Manager im "ZDF" bei "Volle Kanne" zusammen mit seiner Tochter, seinem Freund Werner Hansch und einem Alzheimer-Experten zu Gast

Dem "Stern" sagte Assauer: "Ich kämpfe. Weiß nur nicht, gegen wen."

Ob er manchmal über den Tod nachdenke? "Ja", antwortete Assauer, "ich denke an meinen Bruder."

Sein 13 Jahre älterer Bruder Lothar lebt seit Jahren als Pflegefall auf einer Demenzstation. Auch ihre Mutter war früh an Demenz erkrankt.

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