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Thiago Motta wechselte für rund zehn Millionen Euro von Inter zu PSG © getty

Dank Magath führt die Bundesliga international bei den Wintertransfers. Die Klubs halten sich zurück - es gibt aber Ausnahmen.

Von Julian Buhl

München - Das Winter-Transferfenster ist geschlossen.

Insgesamt haben die deutschen Vereine rund 48 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Und liegen damit im internationalen Vergleich in diesem Jahr überraschend vorne.

Die englische Premier League ordnet sich mit Investitionen von insgesamt 42 Millionen Euro hinter der deutschen Liga ein - im vergangenen Jahr zahlten die englischen Klubs noch über 200 Millionen Euro für neue Spieler.

In der spanischen Primera Division übten sich die Vereine mit Einkäufen von insgesamt nur rund 10 Millionen Euro in Zurückhaltung.

Vielmehr zeigt die Wirtschaftskrise in den europäischen Ligen offenbar ihre Wirkung.

Die relativ niedrigen Transferausgaben scheinen außerdem die ersten Auswirkungen des von der UEFA auf den Weg gebrachten Financial Fair Play zu sein.

Vor allem die teilweise hochverschuldeten englischen Klubs fügen sich offenbar dem Willen der UEFA und denken um.

Schließlich dürfen die Vereine zukünftig nicht mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Die Bilanzen werden erstmals 2013 geprüft.

Ausnahmen gibt es aber auch weiterhin: vor allem in Russland und Frankreich.

SPORT1 gibt einen Überblick der wichtigsten Geschehnisse auf dem Winter-Transfermarkt mit Fokus auf der Bundesliga.

Der Großeinkäufer:

Gäbe es den Titel des "Wintertransfermeisters", er ginge zweifellos und traditionell an Felix Magath.

Der Trainer des VfL Wolfsburg hat erneut sowohl die meisten Spieler verpflichtet, als auch das meiste Geld dafür ausgegeben. Acht überwiegend namenlose Spieler lotste der 58-Jährige für insgesamt rund 30 Millionen zum VfL.

Sechs Spieler verließen gleichzeitig den Verein. Unter anderem Srdjan Lakic, der nach Hoffenheim ausgeliehen wurde

Eine ähnlich hohe Fluktuation in seiner Mannschaft hat in der Bundesliga lediglich der 1. FC Kaiserslautern noch zu vorzuweisen.

Fünf Spieler wechselten in der Winterpause zu den "Roten Teufeln". Gleich acht Profis gaben die Pfälzer ab.

Die Sparfüchse:

Sowohl der FC Bayern München als auch der Hamburger SV verpflichteten keinen neuen Spieler und gaben auch keinen Profi ab.

Beim FC Bayern konnte Trainer Jupp Heynckes vor allem seine beiden kroatischen Reservisten Ivica Olic und Daniel Pranjic zumindest von einem Verbleib bis Sommer überzeugen.

Von Neuzugängen für die Abwehr nahm der FC Bayern, trotz Daniel van Buytens Verletzung (Mittelfußbruch) Abstand - wohl auch, weil die Winterwechselbörse keine Spieler zu bieten hatte, die dem Anforderungsprofil entsprechen.

Auch Hamburgs Trainer Thorsten Fink wollte seiner Mannschaft offenbar ein öffentliches Treuebekenntnis aussprechen und verschob seine Personalplanung auf den Sommer.

[kaltura id="0_7fofkxpw" class="full_size" title="Tese soll's richten"]

Die Teuersten:

Mit den aus der Schweiz in die Bundesliga gewechselten Ricardo Rodríguez (für 8,5 Millionen Euro vom FC Zürich) und Giovanni Sio (für 5,8 Millionen Euro vom FC Sion) belegen zwei Wolfsburger Platz eins und drei der teuersten Winter-Einkäufe.

Auf Platz zwei liegt Torhütertalent Bernd Leno, der für rund 7,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu Bayer Leverkusen wechselte, wohin er bereits seit Saisonbeginn ausgeliehen war.

Mit diesem Transfererlös tätigten Stuttgart den aktuell wohl spektakulärsten Wechsel innerhalb der Bundesliga. Der VfB lotste Torjäger Vedad Ibisevic für rund fünf Millionen von 1899 Hoffenheim ins Schwabenland.

Der Rückkehrer:

Bereits zum dritten Mal hat Mainz 05 den Ägypter Mohamed Zidan verpflichtet.

"Ich bin glücklich, dass der Wechsel im letzten Moment noch geklappt hat", sagte der bisherige Dortmunder.

"Ich wollte unbedingt wieder nach Mainz, ich habe die tolle Zeit dort mit dem Verein und den Fans nie vergessen. Unglaublich, sie jetzt alles wieder zu treffen."

Bereits in der Saison 2005/2006 sowie in der Rückrunde 2007 hatte der Torjäger in Mainz gespielt und dabei 22 Treffer in insgesamt 41 Spielen erzielt.

Die Sitzenbleiber:

Vor der Winterpause galt Patrick Helmes der erste Anwärter für einen Vereinswechsel. Interessenten gab es genug: Helmes' Name wurde beispielsweise in Hannover, Dortmund und Gladbach gehandelt.

Am konkretesten bemühte sich Zweitligist Eintracht Frankfurt um den Ex-Nationalstürmer. Der Wechsel scheiterte allerdings offenbar an der zu hohen Ablöseforderung von Magath.

Zumindest lässt Magath Helmes nun wieder bei den Profis mittrainieren und stellt dem 27-Jährigen sogar eine Rückkehr in ins Team in Aussicht. Zuvor hatte Helmes seit November lediglich mit der zweiten Mannschaft trainieren dürfen.

In einer unbefriedigenden Situation findet sich Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack momentan wieder.

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser legte ihm sogar öffentlich einen Vereinswechsel nahe. In Europa ist der jetzt nicht mehr möglich.

Spekuliert wird nach wie vor über ein Engagement Ballacks in den USA, dorthin könnte er noch bis zum 15. April wechseln.

Einen Transfer nach China oder zu einem arabischen Verein hatte Ballacks Berater bereits ausgeschlossen.

Bleiben wird nun auch Lucas Barrios, nachdem er Borussia Dortmund eigentlich zu einem Wechsel gedrängt hatte. In der Meistersaison war er noch Top-Torjäger, aktuell kommt er nicht an Sturmkollege Robert Lewandowski vorbei. Nachdem Zidan an Mainz abgegeben wurde, wollte Klopp Barrios aber unbedingt halten.

Der Paraguayer beteuert, mit dieser Entscheidung glücklich zu sein. Die BVB-Fans haben ihn mit ihrem "großartigen Empfang letzte Woche meine Meinung ändern lassen."

Die Abschiede:

Mit Papiss Demba Cisse verliert der SC Freiburg seinen Top-Torjäger und die Bundesliga gleichzeitig eine Attraktion. Für 12 Millionen Euro gaben die Breisgauer ihre Lebensversicherung im Abstiegskampf ab.

Auch Pavel Pogrebnyak verlässt die Bundesliga. Der russische Nationalstürmer konnte sich beim VfB Stuttgart nie wirklich durchsetzen und wechselt für 3 Millionen zum FC Fulham.

Europas Großinvestoren:

Dynamo Moskau leistete sich europaweit den teuersten Transfer.

Den hierzulande fast unbekannten ungarischen Nationalspieler Balazs Dzsudzsak lotste Dynamo innerhalb der russischen Liga von Anschi Machatschkala für 14,4 Millionen Euro in die Hauptstadt.

Lokalrivale Lokomotive Moskau verbuchte den zweitteuersten internationalen Transfer. Für Roman Pawljutschenko zahlte Lokomotive 13,2 Millionen Euro an Tottenham Hotspur.

Ein weiterer Großinvestor kommt aus Frankreich. Paris St. Germain rüstet dank seiner Scheich-Millionen weiter kräftig auf. Die neueste Errungenschaft im Pariser Starensemble heißt Thiago Motta.

Er kam für rund 10 Millionen von Inter Mailand. Zuletzt nahm St. Germain bereits die beiden Brasilianer Maxwell (FC Barcelona) und Alex (FC Chelsea) unter Vertrag.

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