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Rudi Assauer (mit Frau Britta) gewann als Manager mit Schalke den UEFA-Cup © imago

Nach der Diagnose Alzheimer tritt Rudi Assauer erstmals im Fernsehen auf. Dort stellt er sich den Fragen nach seiner Krankheit.

München - Rudi Assauer pafft seine Zigarre und lacht.

"Wenn man ins Stadion geht und zuguckt, ist es was Außergewöhnliches", erzählt er, "es macht Spaß, vor allem, wenn man gewinnt." Für einen Moment sieht der einst allgegenwärtige Schalke-Manager so aus wie früher.

Doch es ist das erste und einzige Mal bei seinem eineinhalbstündigen Fernsehauftritt in der "ZDF"-Sendung "Volle Kanne".

Von Werner Hansch begleitet

Zwischen seiner Tochter Bettina und seinem langjährigen Wegbegleiter Werner Hansch sitzt Assauer am bunt gedeckten Frühstückstisch im Düsseldorfer Studio. Er soll über seine Alzheimer-Erkrankung erzählen. Das macht er auch, aber nicht wortgewaltig wie einst, sondern suchend. Nach den richtigen Worten, nach den Erinnerungen an sein Leben.

Das Leben, das nicht nur die Fußball-Fans kennen, wird eingespielt: Assauer mit dem UEFA-Cup 1997, als "Meister der Herzen", der nicht mehr an den Fußball-Gott glaubt, als Architekt der Schalker Arena. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Welches sein größtes Spiel gewesen sei, wird er danach gefragt. "Das Spiel, das gerade gezeigt wurde", antwortet er. "Der UEFA-Pokal", wiederholt er, was der Moderator souffliert hat, "ein Riesending".

Die Arena ist Assauers Lebenswerk

Kurz sind die Antworten, die der 67-Jährige gibt. Doch sie sagen mehr über seine Krankheit als die ausführlichen Berichte seiner Begleiter.

Als Sportjournalist Hansch über die Schalker Arena, Assauers Baby, und den deutschen Fußball im Allgemeinen doziert, hört er lächelnd zu. "Er hat viel mitgemacht", sagt Assauer anschließend über seinen Freund.

Als sie über den Arena-Bau reden, will Assauer erzählen, dass er jeden Morgen als erstes auf die Baustelle ging. "Mit meinem Kumpel da", sagt er, "ich komm' nicht mehr auf den Namen, die Platte ist leer."

[kaltura id="0_c8j5ituo" class="full_size" title="SPORT1 News Assauer schwer erkrankt"]

Einzug bei seiner Tochter

Wie der Alltag in Assauers Leben aussieht, knapp sechs Jahre nach seinem Abschied von der großen Fußball-Bühne, erzählt seine Tochter Bettina. Zu ihr ist er gezogen, seit er weiß, dass er an Alzheimer leidet. Dass er sein bisheriges Leben langsam vergisst.

Herr und Frau "Schnittenfittich" nennen sich die beiden. "Das passt", sagt Assauer und rührt in seiner Kaffeetasse.

"Wie ausgewechselt"

Bei seiner Rückkehr in die Öffentlichkeit nach Monaten der Gerüchte und des Getuschels ist der einst mächtige Schalke-Manager ein anderer Mensch. "Wie ausgewechselt", wie der Titel seiner Autobiografie lautet.

Den Macho, der mit Zigarre und Zeitung in der Sauna posiert, der Schauspielerin Simone Thomalla für ein Bier zum Kühlschrank schickt, gibt es nur noch in eingespielten Filmchen.

Der Weg in die Öffentlichkeit zwei Jahre nach der Diagnose Alzheimer beendet das Versteckspiel der vergangenen Monate.

"Dieses Ihn-schützen-müssen ist jetzt nicht mehr da", sagt seine Tochter, "jetzt weiß jeder Bescheid, er kann sich viel freier bewegen." Die Gerüchte über eine Alkoholsucht sind damit vom Tisch. "Ich trinke keinen Alkohol", sagt Assauer und betont: "Es geht mir sehr gut."

Alte Weggefährten unterstützen Assauer

Damit die Erinnerungen nicht zu schnell verblassen, helfen ihm alte Weggefährten. Jens Lehmann, der einst auf Schalke groß wurde, hat mit Assauer in der Klinik in Essen über alte Zeiten geredet.

"Eine gute Geschichte, hat viel Spaß gemacht", sagt Assauer nach dem Filmbeitrag und hört zu, wie die anderen am Tisch aufzählen, wer ihn sonst noch besucht hat. Als Fans ihm via Kamera alles Gute wünschen, lächelt er. Dass ihm sogar ein Dortmunder Fan die Meisterschaft für Schalke wünscht, findet er "super, eine gute Meldung". Er zieht an seiner Zigarre.

"Die schadet nicht", sagt Demenz-Spezialist Prof. Hans Georg Nehen. Assauer lacht - ein bisschen wie früher, in einem Leben, das langsam verblasst.

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