Jenseits von Hönetepöpp
Wer heute jenseits des zwanzigsten Lebensjahrs ist, wird sich noch erinnern an die Sage von Villariba und Villabajo.
Zwei spanische Dörfer, die Fiestas feierten - und danach vor der beschwerlichen Aufgabe des Abspülens standen.
Bei den Villaribanern ging das ganz flott, weil sie ein revolutionäres Reinigungsprodukt mit Fettlöseformel zur Hand hatten - und deshalb geschwind wieder zum Feiern übergehen konnten.
Die Sage bejubelte und glorifizierte die Villaribaner - und verlachte die Villabajer als bemitleidenswerte Tröpfe, die ohne diese Fettlöseformel dem Schmutzgeschirr hilflos ausgeliefert waren, die schrubbten und schrubbten, Tag für Tag, Jahr für Jahr, ohne Ausweg.
Ich mochte die Villabajer. Ich sah sie als Helden der einfachen Arbeit, die keine Abkürzung auf dem Weg zum Glück der sauberen Paella-Platte akzeptierten.
Die nie auf die Idee gekommen wären, mit dem Schrubben aufzuhören und sich stattdessen vom Partykönig aus Villariba einen rauschenden Riba-Bajo-Gipfel organisieren zu lassen, um dort Kontakte zu den Produzenten des Fettlöseverheißung zu knüpfen.
Die stattdessen weiter schrubbten und schrubbten, um sich ihre nächste Fiesta mit der Kraft ihrer Hände und ihres herkömmlichen Spülmittels zu erarbeiten - in der leisen Ahnung, dass sie es nie zu dieser Fiesta schaffen würden.
Ich stellte mir die Villabajer als glückliche Menschen vor.
Aus ähnlichen Gründen mag ich den Schalke-Trainer und ehemaligen Kolumnisten-Kollegen Huub Stevens: ein einfacher Mann, ein ehrlicher Arbeiter - an dem ich aber nun eine überraschende neue Dimension entdeckt habe.
Auch Huub Stevens - das wurde mir klar - hat die Qualitäten eines großen Erzählers.
Er bewies es, als er den Journalisten am vergangenen Wochenende erklärte, warum es im Spiel gegen den FSV Mainz 05 nur ein hart erarbeitetes Remis gab - und dabei den schönsten mythischen Ort seit Villariba und Villabajo erdachte.
Das einzige Problem dabei ist, dass es mit der Überlieferung der Parabel schon jetzt die typischen Probleme gibt.
Die Nachrichtenagentur "sid" zitiert Stevens mit dem Satz: "Wir haben nicht gegen den FC Hüppelbüpp gespielt", bei der Konkurrenz von der "dpa" heißt es: "Wir haben ja nicht gegen den FC Hönnetepöpp gespielt."
Bei Philipp Selldorf von der "Süddeutschen Zeitung" wurde aus dem Ort dann "Hönnetetöpp", während Kollege Raphael Honigstein ihn als "Hüppelpüpp" in den angelsächsischen Raum weiterträgt.
Es macht nichts, denn es ist alles gleich schön.
Und egal ob Hüppel oder Hönnete, Büpp oder Püpp, Töpp oder Pöpp, die Botschaft ist dieselbe.
Es gibt ihn nicht, den wunderbaren Fantasie-Ort, an dem die neue Fettlöseformel den Dreck auf dem Weg zu der rauschenden Fiesta einfach wegspült.
Man muss schrubben, schrubben, schrubben, auch wenn es nie zu der Fiesta kommt - dort liegt das Glück, nicht in Villariba, nicht in Hüppelbüpp, nicht in Hönettetöpp.
Huub Stevens ist ein Großer. Ein Villabajer der Herzen.