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Ottmar Hitzfeld feiert seinen 60. Geburtstag auf den Malediven © getty

Ottmar Hitzfeld, einer der erfolgreichsten deutschen Trainer, feiert runden Geburtstag und kann auf viele Triumphe zurückblicken.

München/Lörrach - Rein rechnerisch betrachtet wird der studierte Mathematiklehrer Ottmar Hitzfeld am Montag 60 Jahre alt.

Anzusehen, behauptet sein langjähriger Wegbegleiter Uli Hoeneß, ist dem Jubilar sein Alter allerdings nicht.

"Seit er nicht mehr Trainer beim FC Bayern ist, sieht er wieder aus wie 55", sagte der Manager des deutschen Rekordmeisters dieser Tage im Scherz und mutmaßte deshalb: "Ottmar scheint ein schönes Leben zu haben." 53991(Diashow: Hitzfelds Karriere in Bildern)

"Da hat er recht", entgegnete Hitzfeld gut gelaunt. Tatsächlich entspreche "ein Jahr beim FC Bayern fünf Lebensjahren", und somit werde er nun in Wahrheit erst 20 Jahre alt.

Und "ja, die Lebensqualität hat sich total erhöht."

Seit dem Sommer ist er Nationaltrainer der Schweiz - "da ist die Nervenbelastung nicht so groß, und man kann sich nach der konzentrierten Arbeit auch wieder zurückziehen."

Seine Frau ist auch mal dran

Zurückziehen. Beim FC Bayern war das nicht möglich. Nun kann Hitzfeld zu seinem Sechzigsten endlich sogar einfach mal weg sein.

Am Samstag ist er für zehn Tage auf die Malediven geflogen, alleine mit seiner Frau Beatrix feiert er dort. "Meine Frau hat das absolut verdient", sagt er, "sie war immer mein großer Rückhalt."

Bei einer großen Feier mit vielen Leuten würden außerdem "die Gespräche mit Freunden ohnehin zu kurz kommen".

Ein Mann der Zahlen

Als Mathematiklehrer hat Hitzfeld übrigens nie gearbeitet - trotz erfolgreich absolviertem Staatsexamen. Mathematik, beteuert er, habe in seiner Arbeit auch nie eine Rolle gespielt, obwohl das Karl-Heinz Rummenigge ("Fußball ist keine Mathematik") einmal ganz anders sah.

Er sei ein "Zahlenmensch", erklärte Hitzfeld einst der Süddeutschen Zeitung, "ich denke realistisch". Als Trainer aber, da "verlasse ich mich eher auf meine Intuition".

Titel über Titel

Von diesen Eingebungen haben alle sechs Vereinsmannschaften, bei denen Hitzfeld als Trainer arbeitete, in beeindruckender Weise profitiert, am meisten freilich der FC Bayern:

In knapp acht Jahren gewann der frühere Angreifer mit den Münchnern fünfmal die Deutsche Meisterschaft, dreimal den Pokal (Double 2003 und 2008) sowie 2001 die Champions League und den Weltpokal. Bei seinem Abschied im Mai 2008 flossen überraschend die Tränen - bei ihm, bei Hoeneß.

Ansonsten waren die ganz großen Emotionen nicht seine Sache - zumindest in der Öffentlichkeit.

Hitzfeld wirkte stets beherrscht, nur ein weiteres Mal brach es so richtig aus ihm heraus, das war im Mai 2001, als der FC Bayern durch das denkwürdige Last-Minute-Tor in Hamburg dem Vier-Minuten-Meister Schalke 04 noch die Schale aus den Händen riss.

Da schien der sonst so kalkuliert handelnde "General" vorübergehend die Fassung zu verlieren.

"Das waren sicher mit die markantesten Momente in meinem Leben", sagt Hitzfeld - bewegt hätten ihn darüber hinaus auch noch das Champions-League-Finale 2001 und sein erster Titel als Trainer.

Karriere als Trainer begann 1984

In seinem ersten Jahr als Coach stieg er 1984 dem SC Zug auf in die Nationalliga A, ein Jahr später holte er mit dem FC Aarau den Pokal, gewann danach mit dem Grashopper-Club Zürich zwischen 1988 und 1991 je zweimal den Schweizer Pokal und die Meisterschaft.

Zweimal wurde Hitzfeld zum Weltklubtrainer erkoren, es waren die Jahre, in denen er Champions League und Weltpokal gewann. 1997 war ihm dieses Double nach zwei Meisterschaften (1995/1996) bereits mit Borussia Dortmund gelungen.

Danach wurde er auf den Posten des Sportdirektors weggelobt und wechselte 1998 zum FC Bayern.

Und dort wurde er erst zum zweiten Trainer nach Ernst Happel, der mit zwei verschiedenen Klubs den Europapokal der Landesmeister gewann.

Rückkehr zu den Wurzeln

Nun also arbeitet Hitzfeld wieder in der Schweiz, es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln. Praktisch an der Grenze, in Lörrach, wurde er geboren, war schon als Kind ein Grenzgänger. Er spielte in Basel, Lugano und Luzern, war 1973 Torschützenkönig in der Schweiz.

Jetzt wohnt er unter anderem in Engelberg, wohin er bereits als Junge zum Skifahren ging.

"Ich hatte schon immer einen besonderen Bezug zur Schweiz, sie ist meine zweite Heimat", sagt Hitzfeld.

Ottmar vermisst Uli

Deutschland bleibt er verbunden, bis 2010 kommentiert er für den TV-Sender Premiere - Hitzfeld geht es dabei aber vor allem auch um seinen Beruf.

"Das ist für mich ja auch eine Art Weiterbildung, die Bundesliga und die Champions League zu analysieren." Doch wie eng Hitzfeld der Schweiz verbunden ist, zeigt sich schon daran: Er kann mühelos in Schwyzerdütsch parlieren. Das, sagt er scherzhaft, "ist ja auch kein Wunder. Das ist meine Muttersprache."

Nur eines vermisst Hitzfeld an München dann doch: "Die Rotweinabende mit Uli Hoeneß. Das waren immer schöne Gespräche."

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