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Lässt Dampf ab: Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Der Bayern-Präsident übt wieder mal Kritik am Weltfußballverband Fifa. Blatter, Beckenbauer und Zwanziger bekommen ihr Fett weg.

Von Reinhard Franke

München - Wenn er richtig in Fahrt kommt, dann sollten sich erst mal alle ducken.

Und Uli Hoeneß war mal wieder so richtig gut drauf.

Der Präsident des FC Bayern hat heftige Kritik an den Zuständen im Weltfußballverband FIFA, Ex-DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer geübt.

"Viele Entscheidungen in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren sind nicht mit rechten Dingen zugegangen", sagte Hoeneß laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auf der Jahrestagung der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" in Hamburg.

WM-Boykott als letzte Konsequenz?

Hoeneß forderte die europäischen Fußballverbände, insbesondere den DFB, auf, eine Neuausrichtung der FIFA anzustoßen. Ein Wunsch, der schon lange in Hoeneß schlummert.

Der DFB und die Verbände aus England und Frankreich müssten "auch mal auf politischer Ebene dafür sorgen, dass die FIFA-Verantwortlichen nach unseren rechtsstaatlichen Vorstellungen ihre Geschäfte machen."

Hoeneß kann sich in letzter Konsequenz sogar einen WM-Boykott Deutschlands oder eine eigene WM der kritischen Verbände vorstellen.

"Zwanziger lässt sich beschmusen"

Den Groll über die Zustände bei der FIFA bekam auch der frühere DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger zu spüren, der inzwischen im Exekutivkomitee der FIFA sitzt.

Zwanziger verfolge zwar hehre Absichten, aber er habe nicht mehr den DFB hinter sich, deshalb fehle ihm die Macht. "Ich habe gehört, dass wir von ihm nicht allzu viel erwarten müssen", berichtete Hoeneß:

"Unser Doktor Theo Zwanziger hat keine Chance, die haben ihn umgarnt, und er lässt sich beschmusen."

Beckenbauer "in der Muschel"

Bei der Frage, ob Zwanziger eine "lame duck", in seiner Handlungsfähigkeit also eingeschränkt sei, spottete der Bayern-Präsident über Zwanziger gar: "Das möchte ich so nicht sagen. Aber für ihn ist es ja schon ein Problem, lame duck zu übersetzen, weil er kein Englisch kann."

Von Zwanzigers Vorgänger in der FIFA-Exekutive, Franz Beckenbauer, erwartet Hoeneß keine Aufklärung. "Der Franz wird einiges wissen, aber er ist noch in der Muschel."

Als "Informationsblockierer des Jahres" hatte die FIFA vom "Netzwerk Recherche" die ironische Auszeichnung "Verschlossene Auster" verliehen bekommen.

Keine Hoffnung auf Blatter-Abtritt

Von seinem Wunsch, dass FIFA-Präsident Joseph Blatter endlich abtritt, hat sich Hoeneß vorerst verabschiedet. "Er ist ja gerade bis 2015 wiedergewählt worden."

Zu Blatters Ambitionen auf einen Nobelpreis fügt Hoeneß süffisant hinzu: "Wenn der den Friedens-Nobelpreis bekommt, werde ich Generaldirektor der Metropolitan Opera in New York."

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