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Bei der Partie zwischen Frankfurt und Köln im Mai 2011 kam es zu schweren Ausschreitungen © getty

Der DFB setzt "ein dringend notwendiges Zeichen". Die Maximaldauer von Stadionverboten wird erhöht, Stehplätze bleiben aber erhalten.

Berlin - Ein neuer Verhaltenskodex, aber nur wenige konkrete Beschlüsse:

Im Kampf gegen die zunehmende Gewalt im Fußball haben Vereine, Verbände und Politik beim mit Spannung erwarteten Sicherheitsgipfel in Berlin den Fans eine letzte Chance gegeben, ihren Null-Toleranz-Kurs gegen die Krawallmacher aber deutlich zum Ausdruck gebracht.

Auch die Drohkulisse durch die Spitzenpolitiker steht: Sollte es in der kommenden Saison nicht eine deutliche Beruhigung geben, drohen den Fußballfans harte Einschnitte bis hin zum Verlust der Stehplätze (Bericht).

"Wir haben deutlich gemacht, dass wir erwarten, dass das, was beschlossen ist, auch ernsthaft umgesetzt wird", sagte Bundesinnenminster Hans-Peter Friedrich:

"Ich habe mir aber auch erlaubt, deutlich zu machen, dass wir uns auch weitere Maßnahmen vorstellen können, wenn es nicht ruhig wird."

Union Berlin sagt Sicherheitsgipfel ab

In dem Verhaltenskodex verurteilten die Vertreter der 55 Profivereine den Einsatz von Pyrotechnik sowie jede Form von Gewalt und erklärten ihren Willen, Verstöße gegen geltendes Recht hart zu sanktionieren.

Nur Zweitligist Union Berlin hatte am Montagabend die Teilnahme abgesagt.

Darüber hinaus beschlossen die hochrangigen Vereinsvertreter, ihren Beitrag an der Finanzierung der Fanprojekte auf 50 Prozent zu erhöhen.

Da jedoch der Anteil von Kommunen und Ländern gleichzeitig sinkt, bleibt es vorerst bei der Gesamtsumme von etwa 25 Millionen Euro, die der Präventionsarbeit zugute kommen.

Maximaldauer erhöht

Zudem soll die Maximaldauer von Stadionverboten von bisher drei auf maximal zehn Jahre erhöht werden.

"Wir haben ein gemeinsames Signal gesetzt. Das ist ein Stoppzeichen gegen Gewalt und jede Form von Pyrotechnik", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach dem Treffen.

Die Maßnahmen sollen nun sukzessive umgesetzt werden, zur Winterpause soll es eine erste Bestandsaufnahme geben.

Personalisierte Tickets ein Thema

Die Maßnahmen müssen nun in Zukunft Wirkung erzielen, ansonsten könnte die Politik mittelfristig doch die Geduld verlieren.

So drohen neben der Abschaffung von Stehplätzen möglicherweise auch personalisierte Tickets und eine verstärkte Videoüberwachung in den Stadien.

"Die Botschaft an viele friedliche Fans heißt: Wir wollen ihnen ihren Spaß und Leidenschaft nicht nehmen. Aber Fankultur und Gewalt schließen sich aus", sagte Friedrich.

Fanvertreter sind kritisch

Die Fanvertreter, die bei der Konferenz nicht mit am Tisch saßen, begrüßten die Neuverteilung der Mittel für die Fanprojekte, sahen die Drohkulisse jedoch äußerst kritisch.

"Es ist nicht sinnvoll, den Fans die Pistole auf die Brust zu setzen und sie zu erpressen", sagte Robert Pohl von der IG Unsere Kurve.

"Jeder muss den Ernst der Lage erkannt haben"

"Damit uns die Stehplätze aber dauerhaft erhalten bleiben, müssen alle Fans spätestens jetzt den Ernst der Lage erkennen und sich für die Einhaltung der Stadionordnungen einsetzen", sagte auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch und nahm die Fans ebenfalls in die Pflicht:

"Ab sofort muss jeder klar Position gegen Pyrotechnik und Gewalt im Stadion beziehen und seinen persönlichen Beitrag für Ordnung, Recht und Fairness im Fußball leisten!"

Die zum Beschluss vorgelegten Maßnahmen werden am 23. Juli den Innenminister der Länder vorgestellt.

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