Hallescher Höhenflug
Die Vorfreude auf die neue Drittliga-Saison, sie ist wohl nirgendwo so groß wie in Mitteldeutschland. Da, wo vor der Wende die Oberliga-Spiele die Massen in die Stadien lockten, herrscht seit ein paar Jahren wieder Aufbruchstimmung.
Rot-Weiß Erfurt spielt beständig in der oberen Hälfte der Dritten Liga mit, und in der letzten Saison hat sich Aufsteiger Chemnitzer FC ebenfalls grandios geschlagen. Bis kurz vor Schluss hatte der Verein, der zu DDR-Zeiten noch FC Karl-Marx-Stadt hieß, sogar noch Chancen auf den Durchmarsch von der vierten in die Zweite Liga.
Die Sachsen sind somit auch für den aktuellen Aufsteiger aus der Region zu Vorbildern geworden. Wie die Himmelbauen, so setzt auch der Hallesche FC auf Kontinuität und hielt das Erfolgsteam um die Routiniers Darko Horvat und Maik Wagefeld zusammen.
Doch das ist nicht die einzige Parallele zwischen beiden Klubs. HFC-Trainer Sven Köhler spielte 20 Jahre lang für Chemnitz und war für den Verein sogar im Europapokal aktiv.
Nun führt er mit dem HFC einen Klub wieder ins Rampenlicht des deutschen Fußballs, der nach der ersten gesamtdeutschen Zweitliga-Saison abstieg und seitdem in der sportlichen Bedeutungslosigkeit verschwand.
Ein Dariusz Wosz hat in der Händelstadt das Fußballspielen gelernt, genauso wie Rene Tretschok, Silvio Meißner, Christian Tiffert und einige andere spätere Bundesliga-Spieler auch.
Doch im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion herrschte lange Jahre Tristesse, bis in die fünfte Liga stieg der DDR-Meister von 1952 ab. Schlimmer noch: Die Erfolglosigkeit auf dem Rasen ging einher mit rassistischen Ausfällen einiger Chaoten auf den Rängen.
Die Beleidigungen und tätlichen Angriffe auf den gegnerischen Spieler Adebowale Ogungbure aus Nigeria sorgten bundesweit für Abscheu.
Von solchen Szenen hört man in letzter Zeit nichts mehr. Man kann mittlerweile seine Sympathien zu den "Chemikern" auch wieder nach außen tragen, ohne gleich in die rechte Ecke gesteckt zu werden. Häufig erntet man sogar Respekt und Anerkennung, wenn man sich im HFC-Trikot zeigt – nicht nur in Halle.
Das hat seine Gründe. Sportlich und wirtschaftlich geht es mit dem städtischen Fußballklub seit ein paar Jahren stetig bergauf.
Für 17,5 Millionen Euro wurde das alte Stadion komplett renoviert und in eine moderne Fußballarena verwandelt. Die 80 Logenplätze für die kommende Spielzeit sind schon längst ausgebucht, und die Zahl der verkauften Business-Seats stieg um mehr als 30 Prozent.
Kein Wunder, dass der erdgas Sportpark, so heißt das Stadion heute, schon am letzten Spieltag der vergangenen Regionalliga-Saison ausverkauft war.
Nach der Partie gegen den wieder einmal gescheiterten Top-Favoriten RB Leipzig feierten Spieler und Fans den größten Erfolg seit 20 Jahren.
Ihrem einst übermächtigen Lokalrivalen vom 1. FC Magdeburg haben sie schon lange den Rang abgelaufen. Der Europapokalsieger von 1974 fristet sein Dasein immer noch in der viertklassigen Regionalliga.
Der HFC dagegen ist mittlerweile nicht nur die Nummer 1 in Sachsen-Anhalt, sondern auch der einzige Vertreter des Bundeslandes in den deutschen Profiligen.
Und wenn sie weiter so kontinuierlich arbeiten, muss die Dritte Liga nicht das Ende des Hallenser Höhenflugs bedeuten.