Himmelblaues Erbe: Juve, Nischel und Ballack
Kaum eine Stadt hat der real existierende Sozialismus so geprägt wie Chemnitz. Schließlich wurde sie 1953 sogar in Karl-Marx-Stadt umbenannt.
Auch heute noch ziert die im mitteldeutschen Raum als "Nischel" bekannte Porträtbüste - die zweitgrößte der Welt - des Namensgebers die Stadt.
Sie erinnert an die Umwandlung der einst florierenden Industriemetropole in eine sozialistische Musterstadt und steht beispielhaft für den Höhepunkt des DDR-Regimes.
Auch fußballerisch wurden in der Heimatstadt des Ex-Nationalspielers Michael Ballack die größten Erfolge unter dem längst vergangenen Namen gefeiert.
Nach einer Reihe von strukturellen Veränderungen wurde der spätere Chemnitzer FC 1966 als FC Karl-Marx-Stadt neugegründet.
Unvergessen bleiben der Meistertitel 1967 sowie die Europapokalschlachten der Saison 1989/1990.
Nach Siegen über Boavista Porto und den FC Sion scheiterten die Himmelblauen im damaligen UEFA-Cup nach zwei knappen Partien erst am späteren Pokalgewinner Juventus Turin.
In der von Dino Zoff trainierten Truppe standen unter anderem Torhüter Stefano Tacconi, Stürmer Pierluigi Casiraghi und der spätere WM-Star Salvatore "Toto" Schillaci.
Dagegen bot die gesamtdeutsche Trainerlegende Hans Meyer eine Mannschaft der Namenlosen auf - Rico Steinmann und Steffen Heidrich nutzten den CFC als Sprungbrett in die Bundesliga.
Nach der Eingliederung in den DFB ging es trotz einiger Jahre in der Zweiten Liga und einzelner Highlights im DFB-Pokal meist bergab.
Die großen Talente Ballack, Ingo Hertzsch, Silvio Meißner, Heiko Gerber oder Peer Kluge wurden meist anderswo bekannt.
2006 folgte sogar der Sturz in die viertklassige Oberliga. Doch zwei Jahre später übernahm Gerd Schädlich den Cheftrainerposten und führte den CFC in die Dritte Liga, wo sein Team in der vergangenen Saison lange Zeit um den Durchmarsch mitspielte.
Die Wege von Ballack und Schädlich kreuzten sich 1996. Damals stieg Chemnitz aus der Zweiten Liga ab. Ballack stand kurz vor einem Wechsel zu Schädlichs FSV Zwickau, doch der Coach lehnte mit der Begründung ab, er hole keine Absteiger.
Ein Jahr später ging Ballack nach Kaiserslautern und wurde mit den "Roten Teufeln" Deutscher Meister.
Zwar können die besten Akteure wie Chris Löwe (Borussia Dortmund) oder Ronny Garbuschewski (Fortuna Düsseldorf) auch heute nicht an der altehrwürdigen Gellertstraße gehalten werden, aber Schädlichs erfolgreich erprobtes Konzept trägt Früchte.
Es wird mit Augenmaß in Neuzugänge mit Wurzeln in der Region investiert und beharrlich aufgebaut.
Wie Bob der Baumeister führte der knurrige Ex-Spieler der Sachsen mit dieser Taktik in den 90er Jahren bereits Zwickau und später den FC Erzgebirge Aue aus den Niederungen zu Spitzenplätzen in der Zweiten Liga.
Beide Mannschaften schnupperten einst sogar an der Bundesliga. Jetzt arbeitet Schädlich an seinem persönlichen Hattrick.
Mit den Neuen Maik Kegel, Sascha Pfeffer (beide Dynamo Dresden) oder Tino Semmer (Hansa Rostock) geht er konsequent seinen Weg weiter. Der Kroate Josip Landeka ist der einzige Ausländer im Kader.
Am 1. Spieltag der Drittligasaison gelang ein Erfolg gegen den SV Babelsberg. Vielleicht führt der Fahrstuhl nach dieser Saison wieder nach oben.