Blatter darf nicht gehen
Uli Hoeneß ist ein guter Typ, keine Frage.
Immer Klartext, immer eine Haltung, immer frei heraus. Gute Sache.
Ab und zu aber passiert es, dass Uli Hoeneß sich in Sachen verrennt, die er nicht zu Ende denkt.
Diese Woche ist es geschehen, leider nicht zum ersten Mal: In dem Moment, in dem er den Rücktritt von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter gefordert hat.
Nur weil mal wieder irgendwelche Geldströme, reichlich dubios und... - ach, was sage ich, darum geht es ja nicht.
Worum es geht ist, dass Joseph S. Blatter nicht zurücktreten darf. Dass sich überhaupt nie etwas ändern darf an der Spitze des Fußball-Weltverbands.
Denn die Folgen einer solchen Entwicklung wären verheerend und unkalkulierbar. Nicht nur für den Fußball, nicht nur für die 1.624 Facebook-Fans von Joseph S. Blatter. Für die gesamte Menschheit!
Was wäre die Menschheit ohne Blatter?
Was wäre mit all den Unternehmern, die täglich mit beunruhigtem Gewissen vor ihren Büchern sitzen und sich denken: "Oioioi..."
Was soll werden, wenn sie sich nicht wie bisher denken können: "Naja, so wie bei der FIFA geht es nun auch wieder nicht zu."
Was wäre mit all den Frustrierten, die sich täglich der bitteren Erkenntnis stellen müssen, dass die da oben in ihrer Firma, ihrem Land, ihrer Welt ja doch alles Gauner sind und jeden Mist machen, den sie wollen?
Was soll werden, wenn sie sich nicht mal mehr mit der Feststellung trösten können: "Zumindest verlangen sie nicht auch noch den Friedensnobelpreis dafür."
Was wäre mit uns allen, die wir täglich vorm Spiegel stehen, gequält vom unbestimmten Gefühl, dass wir mit etwas mehr Mühe ein viel besserer Mensch sein könnten?
Was soll werden, wenn wir es nicht mehr mit dem sehr bestimmten Gedanken wegschieben können: "Wir könnten auch Joseph Blatter sein."
Seien wir ehrlich: Der Mensch, der sich selbst gut finden will, braucht den Blick auf andere, die er schlechter finden kann.
Und dem Miteinander der Menschen tut es am besten, wenn es einen gibt, auf den sich in dieser Hinsicht alle einigen können, anstatt sich darüber zu zerstreiten.
Es ist nur unendlich schwer, so einen zu finden. Und kaum ist mal einer ausfindig gemacht, dauert es nicht lange, ehe er angeklagt, verhaftet oder aus dem Amt geputscht wird.
Oder zurücktritt, weil er die Abneigung, die sich gegen ihn bündelt, einfach nicht ertragen kann.
Joseph Blatter nicht. Er sagt in so einem Moment einfach aus voller Überzeugung, dass er "ein glücklicher Präsident" ist. Und lässt es sich mit einem Hundert-Prozent Votum bestätigen.
Nochmal, lieber Uli Hoeneß: Was wäre die Menschheit ohne Blatter?
Was wäre allein mit den Fußball-Kolumnisten, die sich täglich denken, dass ihnen irgendwann nichts mehr einfällt, über das sie herziehen können?
Was soll werden, wenn sie sich nicht mehr denken können: "Joseph S. Blatter. Geht immer."