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Ailtons erste Station im deutschen Amateur-Fußball war der KFC Uerdingen © imago

Verbandsligist Bingen feiert Ailtons Rückkehr nach Deutschland. Der Brasilianer wird in einer Limousine durch die Stadt kutschiert.

Bingen - Zwei Bodyguards, jubelnde Fans auf dem Bingener Speisemarkt und ein Empfang auf einem Restaurant-Balkon:

Die Rückkehr von Ailton nach Fußball-Deutschland hätte kaum weltmeisterlicher ausfallen können.

Dem ehemaligen Bundesligaprofi von Werder Bremen und Schalke 04 wurde am Sonntag ein erstklassiger Empfang bereitet - beim sechstklassigen Hassia Bingen.

Und der Brasilianerwusste, was die Stunde geschlagen hatte: "Bingen ist eine Kaltdusche. Ich muss Tore schießen."

Tochter des Managers entdeckt Ailton

Der Verbandsligist aus Rheinhessen hat sich für ein Jahr die Dienste des 39-Jährigen gesichert.

Ein Marketinggag? "Nein", versicherte Stefan Seidel immer wieder.

Kurioserweise die Tochter des Hassia-Managers und Hotel-Besitzers hatte Ailton entdeckt.

Als sie sich im Fernsehen das RTL-Dschungelcamp 2012 anschaute. Und schon war die "verrückte Idee" einer Verpflichtung, wie Seidel meinte, geboren.

Samba-Klängen bei Präsentation

Ailton schmunzelte am Sonntag verlegen ob der mehreren hundert Menschen, die bei seiner sogar mit Postern angekündigten Präsentation auf dem Speisemarkt zu Samba-Klängen munter tanzten.

Fast schien dem "Kugelblitz" der Rummel um seine Person ein bisschen unangenehm zu sein.

Verwunderlich, denn wer noch im Januar freiwillig im Dschungel saß, der dürfte den Begriff Schamgrenze ohnehin nicht in seinem persönlichen Vokabular gehabt haben.

"Ich bin 100 Prozent fit"

Also lächelte der im legeren Jeanshemd gekommene Ailton und sprach pflichtbewusst über seine Ziele.

Nicht in der dritten Person, wie noch zu seinen Zeiten als bester Bundesliga-Torjäger der Saison 2003/2004.

Aber wie eh und jeh mit lustigem Ailton-Slang. "Ich spiele Fußball - immer. Viele meiner Mitspieler kennen mich aus dem Fernsehen. Ich bin hier, um sie zu motivieren", sagte der Hoffnungsträger und fügte an:

"Die Motivation ist immer da. Ich bin 100 Prozent fit und habe eine gute Kondition."

Angebote aus Mexiko und Brasilien

100 Prozent überzeugt davon scheinen die Verantwortlichen des aufstiegsambitionierten Klubs aus Bingen allerdings nicht zu sein.

Deshalb bekommt Ailton einen eigenen Spezialtrainer zur Seite gestellt, der mit dem Routinier arbeitet, wenn seine Mitspieler am Vormittag ihre normalen Berufe ausüben.

"Wir haben eine klare Vereinbarung: Es ist das Ziel, Ailton bis zum Saisonbeginn hinzubekommen, dass es passt", sagte Seidel über den Südamerikaner, der mit seiner Familie in einem Haus wohnen wird.

In Mainz oder Bingen? "Egal, beides schön", beteuerte Ailton, der andere Angebote ausgeschlagen hatte.

Ein mexikanischer Zweitligist sowie ein paar brasilianische Klubs aus Liga zwei und drei wollten den Hüftgold-Stürmer nach eigenen Angaben verpflichten.

Ailton winkte ab: "Nicht so interessant."

Reizvolle Kombination

Lieber kehrte der Deutsche Meister und Fußballer des Jahres 2004 zurück ins Land seiner größten Erfolge.

"Ich habe großen Respekt vor Deutschland. Darauf lag meine Priorität."

Von Hassia Bingen hatte er noch nie in seinem Leben gehört.

Bis, ja bis Seidel vor rund einem halben Jahr erste Kontakte zu Ailtons Manager knüpfte.

"Die Kombination zwischen Ailton und dem jungen Team ist das, was das Ganze so reizvoll macht", meinte Seidel.

Zuletzt in der siebten Liga

Ailtons erste Stationen im Amateur-Bereich nach seiner Profi-Karriere waren 2009 der in die Niederrheinliga abgestürzte Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen und ein Jahr später der Bremer Regionalligist FC Oberneuland.

Zuletzt ging der "Kugelblitz" für den niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine kurzfristig auf Torejagd.

In Bingen soll nun alles besser werden.

Mit ein paar Minuten Verspätung hatte der 39-Jährige am Sonntagmorgen den VIP-Bereich des Stadions "Am Hessenhaus" betreten.

Zwei Sicherheitskräfte bewachten derweil den Parkplatz der Arena.

Wenig später ging es für Ailton in einer weißen Limousine und mit einem Mini-Autokorso in die Innenstadt auf den Speisemarkt, wo er auf dem Balkon eines Lokals präsentiert wurde.

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