Gefangen in der Zwischenwelt
Der FC Rot-Weiß Erfurt lag vor Beginn der Saison an der Spitze der ewigen Drittliga-Tabelle.
Doch die große Freude darüber dürfte im Verein aus der thüringischen Landeshauptstadt nicht ausgebrochen sein.
Viel lieber hätte man sich schon vor ein paar Jahren aus dieser Liga in Richtung Zweitklassigkeit verabschiedet.
Denn so sehr sich der DFB auch bemüht, diese 2008 eingeführte Staffel als "Premiumprodukt" zu verkaufen, sie bleibt in ihrer Ausgestaltung als Halb-Profiliga für die Vereine ein riskanter Balanceakt.
Bei den jährlichen TV-Einnahmen von nur 711.000 Euro pro Klub und den hohen finanziellen Auflagen durch den DFB werden die Drittligisten vor eine schwierige Wahl gestellt:
Entweder man geht ein wirtschaftliches Risiko ein und versucht, mit erfahrenen Spielern so schnell wie möglich aufzusteigen oder man setzt auf Sparsamkeit und damit auf junge Talente.
Womit wir wieder bei den Erfurtern wären. Der Traditionsverein aus der Blumenstadt holt seit Jahren bezahlbare Spieler, die sich in der Dritten Liga weiterentwickeln und später, wie im Fall Albert Bunjaku, mit Gewinn weiterverkauft werden können.
Damit sind sie bislang auch ganz gut gefahren. In den vergangenen vier Jahren schnitt Erfurt nie schlechter als Platz zehn ab, in den letzten beiden Spielzeiten verpassten sie jeweils als Fünfter den Aufstieg in die Zweite Liga nur knapp.
In dieser Saison aber scheint das Konzept nicht aufzugehen. Noch konnten die Abgänge von Leistungsträgern, wie dem Top-Torschützen Marcel Reichwein oder Denis Weidlich jedenfalls nicht kompensiert werden.
Nach sieben Spieltagen hat RWE noch keinen Sieg feiern können, mit zwei mageren Punkten zieren die Rot-Weißen das Tabellenende.
Die Reaktion des Vorstands folgte prompt, Trainer Stefan Emmerling musste nach zweieinhalb Jahren seinen Posten räumen. In den Internetforen häufen sich indes die Stimmen, die den Verantwortlichen vorwerfen, den Verein kaputt zu sparen.
Doch wo soll das Geld für teurere Spieler herkommen? Die lukrative Teilnahme am DFB-Pokal wurde zuletzt drei Mal in Folge verpasst, und mit dem alten, zugigen Steigerwaldstadion sind auch keine größeren Einnahmen zu erzielen.
Und davon, dass auch besser bezahlte Akteure nicht unbedingt für bessere Ergebnisse sorgen, konnten sich die Erfurter in den letzten Jahren praktisch vor ihrer eigenen Haustür überzeugen.
Der Lokalrivale vom FC Carl-Zeiss Jena gab im Bemühen um den Aufstieg in die Zweite Liga viel Geld für Spieler und Trainer aus - und stieg in der vergangenen Saison in die Regionalliga ab.