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Martin Kind ist seit 2006 Präsident von Hannover 96
Martin Kind wurde bereits 1997 erstmals Präsident von Hannover 96 © getty

Der Fall Pezzoni beschäftigt die deutsche Fußball-Szene. 96-Boss Kind prangert eigene Fans an. Heynckes fordert eine harte Linie.

München - Der deutsche Fußball wollte gerade in Ruhe mit der Aufarbeitung des Falls Kevin Pezzoni beginnen, da ging Martin Kind zum Frontalangriff über.

"Teile unserer Fans sind weder bundesliga- noch europacuptauglich. Das sind Arschlöcher!", schimpfte der Präsident von Hannover 96 nach dem 4:0 (2:0) beim VfL Wolfsburg (Bericht).

Wieder mal hatten sich vermeintliche Fans auf beschämende Weise danebenbenommen und Emanuel Pogatetz, den ehemaligen 96er in der Wolfsburger Mannschaft, böse beschimpft.

Pogatetz musste sich unter anderem als "Sohn einer Hure" verunglimpfen lassen.

"Die kennen die Spielregeln nicht, die haben kein Niveau", sagte Kind über den eigenen Anhang.

Labbadia: "Wir müssen aufpassen"

Er verschärfte damit die Diskussion um Anfeindungen von Fans gegen Profis, die durch die Flucht des Abwehrspielers Pezzoni vom 1. FC Köln hochgekocht war. Quer durch den deutschen Fußball setzte nach dem Abklingen der ersten Empörung die Suche nach Lösungen ein. (FALL PEZZONI: Rauball sieht "neue Stufe der Eskalation")

Bruno Labbadia forderte Medien und Fans zum Umdenken auf.

"Wir müssen aufpassen, dass wir den Bogen nicht überspannen. Es ist auffallend, wie schnell wir Spieler oder Mannschaften zu Helden machen - und drei Wochen später wieder zu Deppen", sagte der Trainer des VfB Stuttgart.

Pezzoni löst Vertrag auf

Folgen von Äußerungen würden nicht bedacht. "Jeder, der darüber schreibt oder spricht, sollte sich vorstellen, dass sein Kind in der Schule von jedem darauf angesprochen wird, dass sein Vater als Depp tituliert wird", betonte Labbadia.

Dass man so weit gehen müsse, einen Spieler aus seinem Vertrag zu entlassen, sei "eine Katastrophe".

Pezzoni hatte beim 1. FC Köln um Auflösung seines Vertrages gebeten, nachdem er von FC-Hooligans bedroht worden war.

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Heynckes hofft auf Solidarität

Bayern-Trainer Jupp Heynckes wünscht sich einen Schulterschluss der Bundesligisten.

"Rowdys und Krawallmacher muss man ausgrenzen, da muss eine Solidarität in der Liga stattfinden", sagte er und rief dazu auf, vor "solchen Menschen" nicht zu kapitulieren.

"Da sind die Klubs und die Sicherheitskräfte gefordert, rigoros durchzugreifen. Diese Leute haben im Stadion absolut nichts verloren."

Vereine Mitschuld?

Dieser Meinung ist auch Michael Gabriel. Der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) stellt fest, dass der Respekt "deutlich geringer" geworden ist: "Die Schwelle, von Beleidigungen zu körperlicher Gewalt zu kommen, hat sich negativ verschoben."

Allerdings differenziert Gabriel, er weist einen Teil der Schuld den Vereinen und Verbänden zu.

"Vereine dürfen sich nicht scheuen, Grenzen zu ziehen. Je mehr ein Verein sich auch in ruhigen Zeiten mit seiner Fanszene auseinandersetzt oder auch mal Strafen ausspricht, desto höher ist die Akzeptanz in schwierigeren Phasen."

Fanprojekte sauer

Jedoch sei auch die Kommunikation zwischen dem DFB, der DFL und den Fans "nicht perfekt" gelaufen.

Zudem sei seit dem Sicherheitsgipfel "bei den Fanprojekten nicht ein Cent mehr" angekommen. "Da muss mehr kommen. Es ist ein fatales Zeichen, wenn die Politik versucht, Verantwortung für soziale Schieflagen auf den Fußball abzuwälzen", sagte Gabriel.

Am Verhalten Martin Kinds bemängelte er, der 96-Präsident hätte besser das Gespräch mit den Fans suchen sollen.

Spieler brauchen Schulung

Medienwissenschaftler Dr. Christoph Bertling fordert unterdessen, auch aufseiten der Spieler anzusetzen. "Sie sind nicht vernünftig geschult, sie können mit dem hohen sozialen Druck nicht umgehen", sagte Bertling, der am Institut für Kommunikations- und Medienforschung der Deutschen Sporthochschule Köln arbeitet.

Wenn ein Spieler bereits verunsichert oder ängstlich sei, setze eine "Spirale irrationalen Verhaltens" ein. "Wenn ich Angst habe, handle ich nicht mehr vernünftig, das Umfeld erwartet es aber von mir", sagte Bertling.

Er sieht keine Eskalation auf breiter Front, aber "ein schleichendes Problem mit Speerspitzen".

Spinner sieht allgemeines Problem

Werner Spinner, Präsident des 1. FC Köln, spricht dagegen von einem allgemeinen Problem.

"Wer mit dem Finger auf Köln zeigt, wird der Sache nicht gerecht. Der Druck im Profifußball ist sehr groß. Das ist Ausdruck einer Tendenz im Profifußball insgesamt", sagte er.

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