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Kevin Pezzoni (l.) spielte in der Jugend vier Jahre bei den Blackburn Rovers © getty

Der Kölner Ex-Profi reagiert auf die Attacken gegen seine Person. Auch in Leipzig wird ein Fußballer via Internet bedroht.

Von Andreas Kloo

München - Seit Tagen beschäftigt der Fall Pezzoni die deutsche Fußball-Szene, nun auch die Strafverfolgungsbehörden.

Der frühere Kölner Profi hat über seinen Anwalt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nach Behördeninformationen auf die Tatbestände der Beleidigung und Bedrohung.

Im Falle eines gerichtlichen Schuldspruches sind für diese Delikte Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafen möglich.

Rat des Vereins umgesetzt

Mehrere Personen hatten dem 23-Jährigen vor dessen Haus aufgelauert, ihn beschimpft und bedroht. Auch via Facebook sah sich Pezzoni Attacken ausgesetzt.

Daraufhin löste er vergangene Woche seinen Vertrag beim FC auf.

Der Verein hatte ihm bereits dazu geraten, Anzeige zu stellen.

FC wird nun aktiv

Auf die Angriffe und Drohungen bei Facebook hatte der Zweitligist bereits selbst reagiert.

Pezzonis Seite wurde geschlossen, der FC machte mehrere Personen ausfindig, die online zur Gewalt gegen Pezzoni aufgerufen hatten und schloss diese aus dem Verein aus.

Nach anfänglichem Zögern gehen die Kölner im Fall Pezzoni nun also in die Offensive über, zeigen sich aber auch selbstkritisch:

"Wir haben Fehler gemacht. Es hat zu lange gedauert, bis wir alle Hintergründe des Pezzoni-Falls detailgenau dargestellt hatten", erklärte Vizepräsident Toni Schumacher in der "Bild". (Ewald Lienen im SPORT1-Interview: "Diese Leute missbrauchen den Fußball)

[kaltura id="0_qcn7hfk1" class="full_size" title="Horstmann attackiert scheinheilige Kritiker"]

Schumacher: Keine schusssichere Weste nötig

Gleichzeitig stellte der frühere Nationaltorhüter klar: "Aber eines ist auch sicher: In Köln braucht kein Spieler sich Sorgen machen, er müsste eine schusssichere Weste anziehen."

Auch Geschäftsführer Claus Horstmann schlägt nun eine härtere Gangart an und wehrte sich gegen aufkommende Kritik am Verhalten des Klubs:

"Kevin Pezzoni und der 1. FC Köln haben den Vertrag nicht wegen ein paar Chaoten aufgelöst, die den Spieler bedrängt haben. Es ist absurd anzunehmen, der 1. FC Köln kapituliere vor aggressivem Verhalten einzelner Störer."

Drohungen gegen RB-Kapitän

Aggressives Verhalten von Seiten einzelner Fans ist allerdings nicht nur in Köln an der Tagesordnung. Auch in Leipzig sieht sich derzeit ein Spieler Drohungen ausgesetzt.

RB-Kapitän Daniel Frahn erhielt via Facebook Warnungen: Er solle nachts nie alleine in der Stadt unterwegs sein, hieß es dort nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung".

Die Polizei prüft derzeit, ob es sich um den Tatbestand der Bedrohung und Beleidigung handelt.

Ausschreitungen nach Derby

Die Drohungen gegen Frahn stammen offenbar von Anhängern des Lokalrivalen Lok Leipzig und sind Spätfolgen des Stadtderbys am vergangenen Sonntag.

Nach der Partie, die RB mit 3:1 für sich entschied, waren die beiden rivalisierenden Fangruppen aneinandergeraten, die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen.

Gründe für die heftigen Anfeindungen sind Facebook-Einträge Frahns, in denen er sich zu den Ausschreitungen geäußert hatte.

Frahn attackiert Anhänger

"Schämt euch. Wie krank und bescheuert muss man sein, als Fußballfan Frauen und Rentner zu schlagen", schrieb der 25-Jährige.

"Ich hoffe, solche Idioten bekommen irgendwann die richtige Strafe", so Frahn.

Konkret beschwerte er sich darüber, dass Lok-Fans Kinder, Frauen, ältere Männer und auch Behinderte im Rollstuhl angegriffen haben sollen.

Die Behinderten-Beauftragte von RB bestätigte, dass ein Rollstuhlfahrer tatsächlich attackiert worden sei. Allerdings soll dieser nicht - wie Frahn schrieb - aus dem Rollstuhl gestoßen worden sein.

Pilz warnt vor "Kraftmeierei"

Fanforscher Gunter A. Pilz warnte dagegen vor Verbalattacken gegen die Fans.

"Die kraftmeierischen Sprüche, die man zum Teil von Politikern und Chef der Polizeigewerkschaft hört", würden eher dazu beitragen, die Fronten weiter zu verhärten.

Der 67-Jährige rät zu einem Dialog auf Augenhöhe.

Dass sich Fans gegen den eigenen Klub richten, hänge auch mit der hohen Erwartungshaltung zusammen, die die Klubs durch hohe Investitionen schüren würden.

"Treten die Erfolge nicht ein, sind die Fans am meisten enttäuscht. Sie denken, sie setzen sich voll für den Klub ein, und haben dann das Gefühl, dass für einen zum Teil unmoralisch hohen Verdienst die Leistung nicht stimmt. Dann sind solche Drohgebärden zwar nicht zu entschuldigen, aber zumindest nachvollziehbar."

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