Nur Meyer setzt sich durch
Es ist ruhig geworden um Hans Meyer.
Er ist zwar als Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach noch Teil der Bundesliga.
Im Rampenlicht steht er aber nicht mehr. Dort stand er ja auch lange genug.
Lange sogar schon, bevor er sich in der Bundesliga einen Namen gemacht hat.
Zu DDR-Zeiten war er ein erfolgreicher Trainer, vor allem bei Carl-Zeiss Jena. Die Thüringer führte er 1981 im Pokal der Pokalsieger bis ins Finale.
Im Westen Deutschlands aber war Meyer lange unbekannt, was sich auch nach der Wiedervereinigung zunächst nicht änderte.
Erst als er 1999 die damals zweitklassigen Gladbacher übernahm und zwei Jahre später in die Bundesliga führte, wurde er auch im Westen bekannt – und gefeiert.
Denn nicht nur mit der Borussia, auch mit der Hertha aus Berlin und dem Club aus Nürnberg sorgte er für Furore. Mit den Franken gewann er 2007 sogar den DFB-Pokal.
Meyer verkörperte den autoritären Trainer der DDR-Schule. Den Respekt seiner Spieler verdiente er sich aber auch durch seine große Erfahrung und durch seine Menschenführung.
Beim FC Twente in den Niederlanden hatte er sich gewissermaßen den Umgang mit Spielern westlicher Prägung angeeignet. Er lernte, auf die einzelnen Profis einzugehen, blieb dabei aber immer eine Respektsperson.
Eine Erfahrung, die ihn auf das Bundesliga-Geschäft vorbereitete - und ihn von den anderen Trainern unterschied, die in der DDR ausgebildet wurden.
Eine vergleichbare Bundesliga-Karriere gelang nur dem inzwischen verstorbenen Jörg Berger, der sich allerdings schon 1979 in die Bundesrepublik abgesetzt hatte.
Alle anderen sind gescheitert oder wurden schlichtweg von den Bundesliga-Vereinen ignoriert wie Eduard Geyer: Meistertrainer von Dynamo Dresden im Wendejahr 1989 und letzter Nationalcoach der DDR.
Diese Meriten galten im vereinten Deutschland nicht mehr viel. Er kam aus dem Osten und war damit erst einmal mit Vorsicht zu genießen.
Seine langjährige Stasi-Tätigkeit tat ihr Übriges. Zu der wurde er übrigens schon als Spieler von Dynamo genötigt, nachdem er sich am Rande eines Auswärtsspiels im Europacup nachts auf den Straßen von Amsterdam herumgetrieben hatte.
Seinem Ehrgeiz tat die Ablehnung der westdeutschen Bundesligisten keinen Abbruch. Als Trainer von Energie Cottbus marschierte er in sechs Jahren von der dritten in die erste Liga und führte die Lausitzer im Oktober 2000 zu einem historischen 1:0-Sieg gegen Bayern München.
Andere Trainer wurden zwar von Profi-Klubs aus dem Westen engagiert, kamen aber in ihren neuen Arbeitsumfeld nicht zurecht, wie die beiden großen Spieler-Idole Joachim Streich und Hans-Jürgen Dörner.
Beide waren noch während ihrer aktiven Zeit in den 70er und 80er Jahren als Trainer ausgebildet worden.
Streich kam noch vor der Wiedervereinigung im Sommer 1990 im "Doppelpack" mit Spieler Dirk Schuster von Magdeburg nach Braunschweig. Doch schon elf Spieltage vor Schluss seiner ersten Saison wurde er vom Zweitligisten entlassen.
Ähnlich erging es dem Dresdner Dörner bei seinem Engagement bei Werder Bremen. Nach eineinhalb Jahren kam das Aus für den ersten ehemaligen DDR-Trainer eines Bundesligisten.
Beide mussten eingestehen, dass sie an ihrer fehlenden Durchsetzungskraft gescheitert sind. In westdeutschen Profi-Vereinen fanden sie daraufhin keine Anstellung mehr.
Auch heute findet sich in den westdeutschen Vereinen der drei Profiligen nur ein einziger Trainer mit DDR-Biografie.
Dirk Schuster trainiert nun schon seit drei Jahren den Drittligisten Stuttgarter Kickers.