Das gallische Dorf mischt mit
Sie haben keine große Tradition, ein winziges Stadion und keinen finanzkräftigen Sponsor. Trotzdem mischt das kleine Auerbach seit dieser Saison in der Regionalliga die Schwergewichte des Ost-Fußballs auf.
Der VfB ist für die Gemeinde mit 20.000 Einwohnern im sächsischen Vogtland mehr als nur ein Verein. Er ist ihr ganzer Stolz.
Zu Spaßen ist mit dem oftmals verächtlich als "Dorf-Klub" titulierten Aufsteiger aber nicht.
Vor allem das nur 5.000 Fans Platz bietende VfB-Stadion fürchten die Gäste mindestens so sehr wie die Römer das kleine gallische Dorf in den Asterix-Comics.
Zu Saisonbeginn bekam das bereits der große Staffelfavorit zu spüren. RB Leipzig verlieh beim schwer erkämpften 4:3-Erfolg nicht einmal die firmeneigene Brause Flügel.
Den Vorzeigeteams der ehemaligen DDR Carl-Zeiss Jena, dem FSV Zwickau und Lok Leipzig steht das zweifelhafte Vergnügen noch bevor.
Aktuell belegen die Feierabend-Fußballer mit der zweitbesten Offensive einen respektablen sechsten Rang - nur vier Punkte hinter dem Tabellenzweiten Magdeburg.
Im Gegensatz zu den hochtrabenden Plänen der abgestürzten Traditionsvereine steht im Vogtland - ganz der Mentalität entsprechend - ehrliche Arbeit an erster Stelle.
Daran könnte sich manch großer Name mit deutlich mehr Potenzial ein Beispiel nehmen. Schließlich kam der VfB bis 2003 nie über die sechstklassige Landesliga hinaus.
Vor der Wende pendelte man zwischen Bezirksklasse und Bezirksliga. Die besten Talente wurden von der DDR-Führung weg delegiert.
Trotzdem war Auerbach vor fast 20 Jahren schon einmal im wiedervereinigten Deutschland in aller Munde.
Damals gaben die ehemaligen Stars Dieter Burdenski oder der Niederländer Willy van de Kerkhof ein Gastspiel in Sachsen.
Auch die langjährigen Bundesliga-Akteure Ronnie Worm und Matthias Ruländer absolvierten Spiele in der Heimatstadt des einstigen Langlauf-Weltmeisters und olympischen Medaillengewinners Gert-Dietmar Klause.
Urplötzlich stürmten Reporter aus ganz Deutschland den beschaulichen Landstrich an der Grenze zu Thüringen.
Das überregionale Interesse durch den Werbegag hielt allerdings nicht lange an. Die Sponsoren stiegen relativ schnell wieder aus, und der VfB verabschiedete sich wieder in die Niederungen des sächsischen Fußballverbandes.
Erst 2003 gelang dem damals bereits 97 Jahre alten Verein der Sprung in die fünftklassige Oberliga.
Mittelfristig könnte für die unbeugsamen Dorf-Kicker sogar die Dritte Liga zum Thema werden. Dann würden auch westdeutsche Traditionsvereine unliebsame Bekanntschaft mit der Festung in der Provinz machen.