Das große Hosenmachen
Eines ist klar: Darf nicht passieren, sowas.
Vier Dinger kassieren, gegen so eine Mannschaft. Ich meine: Wo sind wir denn hier? 0:4 verloren, und dann auch noch gegen Spanien. Armes Weißrussland.
Man muss da nun Fragen stellen, unangenehme: Was ist da los? Wie jetzt hier Titel gewinnen, mit so einem Auftreten? Wer ist da schuld?
Jetzt weiß man erstmal keine Antworten. Also dann Internet einschalten und nachgucken. Man findet: Georgi Kondratiev, Trainer. Und man liest: eigentlich kompetenter Mann.
"Er weiß ganz genau, worauf es im internationalen Spitzenfussball ankommt", steht da auf "FIFA.com".
Aber dann nur mal genauer hinschauen, was er da so erzählt und sofort merkt man: Aha!
"Wir haben nicht das gleiche Level wie die Fussball-Topländer. Wir gehören zur dritten oder vierten Kategorie." Keine Siegermentalität.
"Wir haben keine Schlüsselspieler wie die Topteams…" Keine Leitwölfe.
"… aber wir vertrauen auf unsere mannschaftliche Geschlossenheit und den Teamspirit auf dem Platz…" Flache Hierarchie.
"… sowie in der Kabine, im Hotel und überhaupt in jeder Situation an jedem Ort." Wohlfühloase.
Man sieht: Probleme irgendwie überall dieselben. Alle mit den Gedanken auf dem Montblanc beim Tischtennis-Spielen. Gesellschaftliche Sache, offensichtlich.
Jetzt hat Weißrussland zum Glück aber Glück, denn dort gibt es quasi ja noch einen echten Leadertypen: Alexander Lukaschenko.
Und der weiß, was jetzt zu tun ist: Reibung erzeugen. Klartext sprechen. Finger in die Wunde legen. Überhaupt Wunden, muss man sagen: Spezialkenntnis. Aber anderes Thema. Lukaschenko jedenfalls zu den Fußballern: Schande, unerhörte!
Die Behörden, sagt er, haben jetzt extra für ein volles Stadion gesorgt - macht sich ja auch nicht von allein, bei aller Liebe.
Aber die Spieler dann, das spricht der Lukaschenko klar an: Großes Hosenmachen. Also in die Hosen rein, Sie verstehen.
Die Fußballer hören das nun und sagen: Hoppla, also wenn vom Lukaschenko sowas, dann aber mal alle die Ohren aufgemacht. Und dann prompt einen Tag später: 2:0 gewonnen gegen Georgien.
Muss man sagen: Erfolgsmodell. Könnten wir von lernen, wenn nicht ideologisch so unaufgeschlossen.
Stattdessen hier so ein Uli Hoeneß, der sagt: "Wir sind doch nicht in Weißrussland, wo man alles mit dem Lukaschenko absprechen muss."
Muss man sagen, wenn man hier so das eigene Land anguckt: schade, eigentlich. Jetzt sportlich, natürlich nur.