Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Natürlich veranstalten sie auch in dieser Adventszeit wieder ihr großes Weihnachtssingen.

Was 2003 als verrückte Idee einiger weniger Fans begann, ist mittlerweile zu einem überregionalen Ereignis geworden.

Im letzten Jahr verwandelten 18.000 Menschen das Stadion an der Alten Försterei mit ihren Kerzen in ein riesiges Lichtermeer und bildeten den wohl größten Weihnachtschor in Deutschland.

Es wird schwer, diesen Rekord am 23. Dezember zu knacken. Denn das Stadion ist offiziell nur für knapp 17.000 Besucher zugelassen.

Ja, auch die Vereinshymne und andere Union-Lieder werden dann wohl wieder geschmettert.

Und trotzdem ist dieses Weihnachtssingen ein Beleg dafür, dass der Klub aus dem Ost-Berliner Stadtteil Köpenick seinen eigenen Weg geht.

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Das war schon so, als Berlin noch von einer Mauer geteilt war und Union vom benachbarten Stasi-Klub BFC Dynamo regelmäßige Abreibungen erhielt.

Die Anhänger des Vereins kultivierten damals ein Außenseiter-Image, das sich nicht nur auf den Sport bezog. So zogen die "Eisernen" auch die Berliner an, die sich gegen das politische System der DDR wandten.

An die Erfolge des BFC reichten sie nie heran, auch weil einige ihrer besten Spieler immer wieder zum verhassten Nachbarn "delegiert" wurden. Dafür hatten sie viel mehr Anhänger als der DDR-Rekordmeister.

Auf deren Unterstützung kann Union bis heute bauen. Nach der Wende halfen die Fans ihrem Verein schon mehrmals aus der Klemme, in die er durch Misswirtschaft der Verantwortlichen immer wieder gebracht wurde.

1997 sorgten sie mit einem Marsch durchs Brandenburger Tor dafür, dass Nike die "Eisernen" finanziell unterstützte und so die drohende Pleite erst einmal abgewendet werden konnte.

Doch der Sportartikelhersteller fuhr schon nach kurzer Zeit sein Engagement wieder herunter, so dass Union auf andere, ungewöhnliche Sponsoren setzten musste.

Wie die linksgerichtete Wochenzeitung "Jungle World" berichtete, ließ sich der Verein in seiner Not von einer Sex-Shop-Betreiberin die Busfahrt zu einem Auswärtsspiel spendieren - für eine kostenlose Werbung im Stadionheft.

Auch die Fans engagierten sich weiterhin für ihren Verein und sammelten immer wieder Spenden für Union.

Sportlich sorgten die Berliner vor allem 2001 für Furore, als sie zunächst ins DFB-Pokal-Finale einzogen und anschließend als bislang einziger ehemaliger DDR-Verein nach der Wende in den Europapokal einzogen.

Seit dem Aufstieg in die Zweite Liga 2009 geht es Union dank der gestiegenen TV-Einnahmen auch finanziell wieder besser.

Der Verein hat sich auch sportlich im Fußball-Unterhaus etabliert und steht in dieser Saison nach anfänglichen Problemen erneut glänzend da.

Die Voraussetzungen dafür hatten aber wieder einmal die Fans geleistet, die zusammen 140.000 Stunden freiwillig arbeiteten, um das Stadion für die Anforderungen der DFL fit zu machen.

Außerdem kauften sie 2011 Anteile am Stadion, um dessen Verkauf an einen Namenssponsor zu verhindern.

Die Spielstätte ist so zum Symbol für die Treue der Fans zu ihren Verein geworden.

Und wo sonst sollten die Unioner Weihnachten feiern, wenn nicht in ihrer Alten Försterei?

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