Lewis Holtby hat das gute Recht, Schalke zu verlassen, ein gewisser Satz aber ist untersagt. Ein offener, konstruktiver Brief.

Sehr geehrter Lewis Holtby,

ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mir auf diesem Wege Gehör bei Ihnen zu verschaffen.

Vielleicht hätte ich Ihnen besser auf Ihre Facebook-Seite schreiben sollen, wie alle anderen gerade, ich versuche aber trotzdem auf diesem Wege.

Sie verlassen den FC Schalke 04 zum Saisonende, dies ist Ihr gutes Recht. Sie haben sich hierzu noch nicht persönlich geäußert, auch dies ist Ihr gutes Recht.

Ich habe allerdings die begründete Befürchtung, dass Sie, sobald Sie dies tun, folgenden Satz sagen werden: "Ich werde Schalke 04 immer im Herzen tragen."

Bitte unterlassen Sie dies. Vor fast genau zwei Jahren habe ich an dieser Stelle mein Missfallen über diesen Satz bekundet (KOLUMNE: Dzeko und Ba - immer im Herzen) - und dies auch später immer wieder in Randbemerkungen in dieser Kolumne zum Ausdruck gebracht.

[image id="ab96944d-63e6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

In diesem Zusammenhang habe ich jedem, der diesen oder ähnliche Sätze im Umlauf bringt, zwar nicht explizit, aber doch unmissverständlich, eine Strafe von Cherno Jobatey nicht unter sieben Jahren angedroht.

Nichtsdestotrotz sagten Sie nach Ihrem Wechsel von Mainz 05 zu Schalke 04 ein halbes Jahr später: "Ich freue mich jetzt auf Schalke, aber ich werde Mainz immer im Herzen haben."

Ich bin gerne bereit einen konstruktiven Beitrag dazu zu leisten, um einen Wiederholungsfall zu verhindern.

Ich habe Ihnen daher fünf alternative, weniger abgegriffene Liebeserklärungen aus der Literatur- und Filmgeschichte zusammengestellt, mit der Sie stattdessen Ihre nicht vergehende Liebe für Ihren Arbeitgeber ausdrücken können:

Vorschlag 1: "Ich mag Schalke 04 nicht, ich liebe es. Ich finde Schalke nicht hübsch, ich finde es wunderschön. Schalke ist nicht in meinem Herzen, es ist mein Herz. Ich würde nicht für Schalke weinen, ich würde für Schalke sterben!"

Vorschlag 2: "Seit dem Moment unserer ersten Begegnung, vor all diesen Monaten, gab es nicht einen Tag an dem ich nicht an Schalke 04 gedacht hab. Und nun da ich Schalke 04 nicht mehr nahe bin, schmerzt es sehr. Je weiter weg ich bin, umso schlimmer wird es. Bei dem Gedanken, nicht bei Schalke 04 zu sein, kann ich nicht atmen. Ich werde verfolgt von dem Vertragsangebot, das Schalke 04 mir nie hätte geben dürfen."

Vorschlag 3: "Nicht Schalke 04 um der Liebe willen,sondern um Schalkes Willen die Liebe (und auch um meinetwillen). Nicht, weil ich im Herzen tragen muss, sondern, weil ich Schalke 04 im Herzen tragen muss.Vielleicht, weil ich bin wie ich bin, aber sicher, weil Schalke 04 ist wie es ist."

Vorschlag 4: "Meine Liebe zu Schalke 04 ist das Sonnenlicht, das über hohe Werbebanden springt und die Gittermuster eurer Fangnetze durchdringt, jeden Zentimeter eurer Haut streichelt, jede Zelle eures Körpers wärmt. Selbst wenn ich zu Pulver zermalmt werde, werde ich noch meine Asche nehmen, um Schalke 04 zu umarmen."

Vorschlag 5: "Ich liebe Dich dafür, dass wir für Dich kurze Hosen tragen, wenn draußen minus fünf Grad sind. Ich liebe Dich dafür, dass Du fünfeinhalb Jahrzehnte brauchst, um einen Meistertitel zu gewinnen. Und ich liebe Dich auch dafür, dass du der letzte Verein bist, mit dem ich Vertragsgespräche führen will, bevor ich abends einschlafe. Ich verrat Dir, warum ich dich verlassen muss. Nicht weil mein Vertrag ausläuft und nicht, weil ich von der Premier League träume: Wenn man begriffen hat, dass man den Rest des Lebens einen Verein im Herzen tragen will, dann will man, dass der Rest des Lebens so schnell wie möglich beginnt."

Ihnen ist gestattet, jeden dieser Vorschläge honorarfrei zu verwenden.

Bitte leiten Sie diesen Text auch an sämtliche Ihrer Spielerkollegen weiter, ich möchte während dieser Transferperiode keine weitere Mahnung verfassen müssen.

Herzlichst,

Ihr Martin Hoffmann