Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Da in dieser Woche auch unterhalb der Profiligen der Spielbetrieb wieder Fahrt aufnimmt, tauchen einige interessante Namen in neuen Trikots auf.

Ein Mann, der im Osten und Westen Deutschlands für Schlagzeilen sorgte, versucht in der Regionalliga Nord bei der zweiten Mannschaft von Hannover 96 einen Neustart.

Gut ein Jahr ist es her, dass Daniel Bauer mit seiner Flucht vom 1. FC Magdeburg die ausufernde Hooligan-Problematik ins bundesweite Fußball-Bewusstsein katapultierte.

Zehn vermummte Anhänger des tief gefallenen Traditionsklubs hätten ihn vor dem Derby gegen den Halleschen FC bedroht.

[image id="41eafbb3-63e3-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Der heute 30-Jährige verließ daraufhin sofort Sachsen-Anhalts Hauptstadt und löste schließlich seinen Vertrag auf.

Der Fall schien klar: Ostdeutsche Rowdys machen den "Wessie" zum Sündenbock und mobben ihn weg.

Mittlerweile gibt es nicht nur in Magdeburg aufgrund einiger Ungereimtheiten Zweifel an der Geschichte. Vereinspräsident Peter Fechner war sich schon unmittelbar nach dem Vorfall unschlüssig gewesen, ob er seinem Spieler glauben solle.

Schon vor der Attacke hatte Bauer sein Kapitänsamt durch schwache Leistungen verloren. Der schnelle - und nach der Vertragsauflösung unkomplizierte - Wechsel zu Eintracht Trier weckte erstes Misstrauen.

Das Tingeln des verstörten und nach eigener Aussage "in Schockstarre verfallenen" Bauer durch viele Medien und fröhliche Party-Bilder bei Facebook ließen die Skepsis weiter wachsen.

Inzwischen lehnte das Amtsgericht Magdeburg im Übrigen die Eröffnung eines Hauptverfahrens wegen Mangels an Beweisen ab.

Für Bauer gingen seine Intermezzi an alter Wirkungsstätte in Trier und in Oldenburg jeweils vorzeitig zu Ende. In Norddeutschland sprach der Verein sogar von "unüberbrückbaren Differenzen mit der sportlichen Leitung".

Ob hier tatsächlich ein Fußballer zum Opfer gewaltbereiter Chaoten wurde, oder ein durchschnittlicher Spieler seinen Abgang provozieren wollte, wird wohl nie hundertprozentig zu klären sein.

Vom Karriereende aus Angst und Verzweiflung ist jedenfalls mittlerweile keine Rede mehr. Jetzt soll Bauer in der Mannschaft des Ex-Profis Valerien Ismael junge Talente führen.

Wegen der Neuordnung der vierten Spielklassen im vergangenen Sommer bleibt ihm ein Gastspiel in Magdeburg jedenfalls erspart.

Ein fader Beigeschmack bleibt so oder so auf allen Seiten zurück.