Seit der Wiedervereinigung spielen die meisten Top-Klubs aus der ehemaligen DDR in den unteren Ligen und damit auch unter dem Radar der überregionalen Medien. Das will SPORT1 nun ändern. Wir spüren die vergessen geglaubten Traditionsklubs zwischen Elbe und Oder wieder auf und nehmen die dortigen Geschehnisse in unserem wöchentlichen Ost-Blog unter die Lupe.

Bei drei Auswärtsspielen verzichtet Dynamo Dresden nun also auf das Karten-Kontingent für seine Fans.

Diese Maßnahme, die das Präsidium des Zweitligisten nach den neuerlichen Ausschreitungen seinrer Anhängerschaft in Kaiserslautern beschlossen hatte, ist erst einmal zu begrüßen.

So wird wenigstens kurzfristig die Aufmerksamkeit wieder auf das Sportliche gelenkt, was den Dresdnern ja schon genug Sorgen bereiten dürfte:

Seit dem vergangenen Spieltag stehen sie nämlich auf einem direkten Abstiegsplatz.

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Jetzt hat der Verein immerhin etwas Zeit gewonnen, um die Vorkommnisse rund um die Partie auf dem Betzenberg aufzuarbeiten.

Dynamo will die Zeit nutzen, um sich noch intensiver mit seinen Problem-Fans auseinander zusetzen. Der Klub kündigte an, eine Charta für das Verhalten der Supporter bei Auswärtsspielen zu erarbeiten und die Fanabteilung zu vergrößern.

Darüber hinaus sollen die kriminellen Kräfte, die bei Auswärtsspielen den Verein in Misskredit bringen, strafrechtlich verfolgt werden. Dafür wollen sich die Sachsen Hilfe von einem Rechtsanwalt und der Dresdner Staatsanwaltschaft holen.

Denn bei den Klubverantwortlichen setzt sich mehr und mehr die Meinung durch, dass es sich bei den meisten Randalierern nicht um Fans aus dem eigenen Umfeld handelt - und man ihr Verhalten deswegen auch nicht beeinflussen kann.

Doch was passiert nun, wenn bei den nächsten Auswärtsspielen in Aue, Braunschweig oder bei Union Berlin wieder Zuschauer mit Dynamo-Schals negativ auffallen? Schließlich ist über alle möglichen Kanäle an Karten heranzukommen.

Einerseits müssten etwaige Vorfälle die Dresdner Klubführung in ihrer Meinung bestätigen, dass sie für Menschen kaum verantwortlich sein können, die in fremden Städten als Privatpersonen für Unruhe sorgen.

Andererseits aber fühlt sich der Klub wohl doch auch für diese Personen verantwortlich. Denn in dem vom Verein veröffentlichten Vier-Punkte-Plan heißt es, dass er die Sanktionen verlängern würde, sollte es "zu verbotenen oder gewalttätigen Handlungen durch Dynamo Dresden zuzuordnende Personen kommen".

In diesem Spagat wird das ganze Dilemma erst richtig deutlich, in dem die Sportgemeinschaft Dynamo steckt: Auch wenn der Verein für die Schäden durch einzelne Privatpersonen nicht haftbar gemacht werden kann, fallen die Vorfälle immer wieder auf Dynamo zurück.

Daher wäre es selbstverständlich ein positives Zeichen, wenn bei den angesprochenen Auswärtsspielen im Stadion und auch in der Stadt alles friedlich bleiben würde.

Vor der eigentlichen Herausforderung steht der Zweitligist aber erst danach - wenn die Fans wieder ganz offiziell zu den Auswärtsspielen beim FSV Frankfurt und beim VfR Aalen reisen dürfen.

Erst wenn es auch dort zu keinerlei Randale kommt, würde das nun beschlossene Vorgehen erste Früchte tragen.

Dazu bedarf es aber mehr als nur der Auseinandersetzung innerhalb des Vereins: Auch die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte vor Ort mit den Fanvertretern muss intensiviert und verbessert werden.

Das gilt übrigens schon für das Spiel der Dresdner am Samstag in einer Woche beim FC Ingolstadt:

Der Kartenverkauf dafür ist für Dresdner Fans bereits angelaufen. Knapp 1700 Karten stehen für die Gäste-Anhänger zur Verfügung. Sie dürften komplett abgerufen werden.

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