DSF-Experte Udo Lattek schreibt in seiner Sport1.de-Kolumne über die Spannungen in Mönchengladbach und die Tabellenführung der Hertha.

Hallo Fußball-Freunde,

was in dieser Woche in Mönchengladbach abgegangen ist, war für mich ein klares Zeichen: Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft ist nicht so, wie es sein sollte. Es gibt überall mal Theater, das ist ganz normal und sonst wäre irgendwas nicht in Ordnung.

Wenn alle den Trainer lieben, dann ist der Trainer ein Arschloch. Die Spieler, die nicht spielen, müssen den Trainer hassen. Und zwar so, dass sie im Training alles geben, um in die Startelf zu kommen. Aber was da in Gladbach läuft, kann ich nicht nachvollziehen.

Ich habe auch immer mal wieder Ärger mit Teilen meiner Mannschaften gehabt. Aber wenn etwas zu sagen war, haben wir uns das persönlich gesagt. Da mussten wir keinen Brief schreiben. Diese Nummer ist wirklich das Allerletzte.

Aber Hans Meyer, den ich nach wie vor schätze, muss sie sich zum Teil auch selbst zuschreiben. Er teilt gerne aus. Das finden wir alle lustig. Aber dann darf er sich auch nicht wundern, wenn er auch mal was vor die Birne kriegt. Doch Hans hat was Nehmerqualitäten betrifft offenbar ein Glaskinn und reagiert allergisch.

Wer sich in Gladbach mit Hans Meyer anlegt, fliegt erstmal raus. Kein Spieler ist unantastbar und deshalb stimmt die Hierarchie in der Mannschaft auch nicht. Wie Meyer mit einem Talent wie Marko Marin umgeht, finde ich auch sonderbar.

Der Junge braucht auch mal einen Klaps auf die Schulter. Der sucht noch seinen Weg und braucht Bestätigung, dass er auf dem richtigen Weg ist. Sonst wird er unsicher und kann seine Leistungen nicht bringen.

Dass die Borussia außerdem Rainer Bonhof ins Boot geholt hat, ist ein Eingeständnis, dass die sportliche Kompetenz in der Vereinsführung bisher nicht ausgereicht hat.

Genug dazu, kommen wir zum Positiven des Spieltags: Die Hertha ist oben, und das nach aktuellem Stand auch verdient. Keiner hat die Berliner ernst genommen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das auch nicht getan habe. Aber gegen Bayern haben sie sich exzellent präsentiert.

Sie haben nicht das Potenzial, alles nach vorne zu werfen, aber sie haben taktisch sehr klug gespielt. Die Bayern brauchen sich über die Niederlage nicht zu beschweren. Mir fehlt bei ihnen der Biss in vielen Situationen. Die gehen nicht richtig in die Zweikämpfe und geben zu schnell auf.

Dazu steht Torwart Michael Rensing in Frage, ob Franck Ribery bleibt, ist auch nicht so richtig klar: Ich habe das Gefühl, da gibt es einige Dinge, die auszuräumen sind. Zur Personalauswahl nur so viel: Ich bin zwar grundsätzlich ein Gegner der Rotation, aber wenn das Spiel nicht läuft, muss man eben auch mal reagieren.

Das hat Jürgen Klinsmann nicht getan. Uli Hoeneß gibt sich zwar locker. Aber ist mit Sicherheit nicht so entspannt, wie er tut. Irgendjemand hat mal gesagt, es liege den Bayern nicht zu jagen. Sie seien lieber die Gejagten. Da scheint doch was dran zu sein. Die Situation jetzt tut den Münchnern unheimlich weh.

Euer Udo Lattek

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