Die Seifenoper des FC Carl Zeiss erzeugt vor dem 70. Geburtstag einer großen Jenaer Legende eine düstere Zukunftsvision.

Das Problem kennen Anhänger fast aller Ostklubs: Die Kluft zwischen Anspruch und goldener Tradition auf der einen Seite und grauer Wirklichkeit auf der anderen.

Dieser Tage sieht sich neben dem klammen 1. FC Lok Leipzig auch der zweite von drei Europapokalfinalisten der ehemaligen DDR mit diesem Konflikt konfrontiert: Carl Zeiss Jena.

Eigentlich sollte der 70. Geburtstag von Vereinslegende Eberhard Vogel in der nächsten Woche im Vordergrund stehen, stattdessen macht die x-te Existenzangst der vergangenen Jahre auch beim einstigen Klassenfeind Schlagzeilen.

Vor fünf Jahren trat der Klub mit Bundesliga-Stürmer Nils Petersen noch zum Halbfinale des DFB-Pokals bei Borussia Dortmund an, heute droht eine Zukunft als Feierabend-Verein.

An dieser Stelle wurde schon oft über die gelebte Seifenoper der Ostthüringer philosophiert. Das Selbstverständnis ist Bundesliga-reif, die Klasse auf dem Rasen und in den Vereinsgremien reicht derzeit aber nur für die viertklassige Regionalliga.

Weil Geld eben doch Tore schießt, zieht RB Leipzig mit 19 Punkten Vorsprung seine Kreise und die ergrauten Herren sehen ihren Zweijahresplan zur Drittliga-Rückkehr akut gefährdet.

"Die neue Saison kann nur ganz klar zum Ziel haben: Aufstieg in die Dritte Liga. Sonst droht reiner Amateurfußball", warnt Aufsichtsratschef Reinhardt Töpel beim "MDR".

Es gäbe keine fürstlichen Gehälter für angehalfterte Ex-Profis und keinen Trainer mit Bundesliga-Erfahrung - wie derzeit Petrik Sander.

"Back to the Roots" hieße das Motto für den dreimaligen Oberliga-Meister. Der 26,5 Millionen Euro teure von der EU finanzierte Umbau des veralteten Ernst-Abbe-Sportfeldes bis 2018 würde dann auch wieder wanken.

Statt BVB-Stars oder wenigstens Derbys gegen Erfurt geht es derzeit gegen Meuselwitz, Auerbach oder Neustrelitz, das halten nur die wenigen hartgesottenen Anhänger durch.

"Ich will gar nicht daran denken, was passiert, wenn wir den Aufstieg im nächsten Jahr nicht schaffen", sagt Töpel.

Dann sind möglicherweise die Erinnerungen an Hans Meyer, Robert Enke oder "Mats" Vogel bald das einzige, was vom FCC noch übrigbleibt.

Unvergessen ist bei den Großvätern Vogels direkt verwandelte Ecke im entscheidenden Olympia-Qualifikationsspiel 1964 gegen den bei den meisten Menschen damals ungeliebten großen Bruder.

Mit 4:1 wurde die Sowjetunion in Warschau abgefertigt, in Tokio reichte es wenig später bei den Spielen zu Bronze - genau wie acht Jahre später in München.

Beim größten Coup des DDR-Fußballs fehlte der elegante Außenstürmer und spätere Trainer allerdings. Das 1:0 gegen den späteren Weltmeister BRD verpasste er verletzt.

Nach der sensationellen Meisterschaft mit Heimatverein FC Karl-Marx-Stadt 1967 wurde Vogel ab 1970 vor allem eine Jenaer Legende.

Drei Pokalsiege feierte der Rekordspieler der alten Oberliga (440 Einsätze). Seine 188 Tore übertraf nur Joachim Streich (229).

Unter dem letzten Nationaltrainer Eduard Geyer arbeitete Vogel nach dem Karriereende als Assistent. Selbst mit 60 Jahren kickte der gebürtige Sachse noch für die Traditionself und arbeitet heute als Scout.

Vielleicht entdeckt er ja noch seinen Nachfolger, der - wenn schon der alte Glanz verloren ist - wenigstens ein neues Schimmern bringt. Vor allem die treuen Fans hätten es verdient.