Der einst stolze Bundesligist Hansa Rostock steht vor dem Absturz. Der nächste Gegner dient als warnendes Beispiel.

Am 14. Juli gastiert der große FC Bayern München bei Hansa Rostock.

Der neue Deutsche Meister und bis dahin vielleicht sogar Champions-League-Sieger kommt dann mit Star-Trainer Pep Guardiola und allen Stars - darunter auch der Ex-Rostocker Toni Kroos - an die Ostsee.

Es gab Zeiten, da gehörte der Besuch der Bayern genauso zur Hansa-Saison wie Gastspiele von Bayer Leverkusen, Schalke 04 oder Borussia Dortmund.

Das ist noch nicht einmal zehn Jahre her, kommt einem aber schon wie eine halbe Ewigkeit vor.

Heute spielt Hansa zwei Klassen tiefer und steckt dort mitten im Abstiegskampf. Da erscheint es fast schon logisch, dass sich zu den sportlichen auch große finanzielle Sorgen mischen.

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Mehr als 6,5 Millionen Euro Schulden haben sich bis Ende vergangenen Jahres angehäuft. Da ist so ein Spiel gegen die Star-Truppe von der Isar natürlich sehr viel wert. Die Rostocker können die kompletten Einnahmen des Spiels - geschätzte 500.000 Euro - ja selbst behalten.

Langfristig wäre der Erhalt der Dritten Liga aber mindestens genauso viel wert. Ansonsten drohen dem einst stolzen Bundesligisten aus Mecklenburg-Vorpommern Spiele gegen die Amateure vom VfB Auerbach oder Optik Rathenow und damit der Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

Dass es dazu kommen konnte, hat viele Gründe: Fehlende Kontinuität in der Führungsebene, fehlende Identifikationsfiguren, wirtschaftlicher Standortnachteil, negatives Image durch gewaltbereite Anhänger und dadurch ausbleibende Sponsorengelder, mangelnde spielerische Qualität.

Man könnte diese Liste sicherlich noch um den einen oder anderen Punkt erweitern. Etwa die Frage nach Sinn und Unsinn von Trainerentlassungen. Acht Übungsleiter wurden nach dem Bundesliga-Abstieg 2008 verschlissen.

Und der neunte könnte bald folgen. Marc Fascher führte die Hansa-Kogge als Nachfolger von Wolfgang Wolf zunächst wieder in ruhigere Fahrwasser, ehe er eine auch für Rostocker Verhältnisse beispiellose Negativserie hinlegte: Aus den letzten 15 Spielen holte Hansa ganze sechs Punkte.

Noch hat der FCH sechs Zähler Vorsprung auf die Abstiegsplätze, er hat allerdings auch schon zwei Spiele mehr absolviert als die meisten der Konkurrenten.

Gegen drei direkte Rivalen treten die Rostocker demnächst innerhalb von nur acht Tagen an. Bevor es gegen Babelsberg und die Reserve von Borussia Dortmund geht, steht am Freitag das Duell bei Alemannia Aachen an.

Zumindest am Tivoli dürfe der bei den Fans beliebte Fascher den FC Hansa noch coachen, teilte Sportchef Uwe Vester mit.

Vielleicht hilft den Rostockern ja auch die direkte Konfrontation mit dem Horror-Szenario. Die Alemannia hat schon Insolvenz anmelden müssen und steht kurz vor dem Abstieg in die vierte Liga.

Ach ja, in Aachen waren die Bayern im Januar auch zu einem Benefiz-Spiel angereist. 600.000 Euro hat die Partie in die Vereinskassen gespült. Für eine Rettung der Alemannia wird aber auch dieses Geld wohl nicht reichen.

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