In der Autohochburg Zwickau sind PS untrennbar mit Fußball verbunden. Der FSV will auf der Überholspur in die Dritte Liga rasen.

In Zwickau dreht sich auch heute noch fast alles um Pferdestärken. Seit 1904 werden in der westsächsischen Stadt ununterbrochen Autos produziert. Pionier August Horch begann hier einst sein Lebenswerk, später wurde der Trabant zunächst Ärgernis dann Kultobjekt.

Heutzutage hat ein Weltkonzern den historischen Untergrund in Beschlag genommen, im Umkreis gibt es aber auch noch viele, kleinere Zulieferbetriebe.

Der nahegelegene Sachsenring ist für Rennsportfans aus nah und fern eine beliebte Pilgerstätte, selbst König Fußball kann sich dieser Faszination nicht entziehen.

Allerdings pendelte der oftmals umbenannte ortsansässige Verein regelmäßig zwischen Überholspur und Werkstatt.

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Seinen Ursprung hatte einer der Kultklubs des Ostens im Stadtteil Planitz. Zum 30-jährigen Bestehen wurde 1942 sogar das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft erreicht.

Nach dem Krieg ging man als erster Ostdeutscher Meister 1948 in die Geschichte ein. Auch der erste DDR-Meistertitel wurde 1949/1950 in die Stadt an der Mulde gefeiert.

Nach Umbenennungen in Horch und Motor Zwickau wurde 1968 - dem Arbeiter- und Bauerstaat angemessen - die Betriebssportgemeinschaft Sachsenring gegründet.

Auch das Vereinslogo dokumentierte mit einer S-Kurve die Verbindung zum Auto. In das altehrwürdige Stadion mit der charakteristischen Radrennbahn strömten nicht nur die Werksangestellten.

Mehr als 40.000 Fans waren bei den Europokalschlachten der Saison 1975/1976 in der "Halde" dabei - das Stadion war einst auf einer Bergbauhalde errichtet worden.

Nach dem FDGB-Pokalsieg führte der legendäre Nationalkeeper Jürgen Croy den Klub bis ins Halbfinale des Pokals der Pokalsieger. Nach Siegen über den AC Florenz und Celtic Glasgow war erst der spätere Titelträger RSC Anderlecht eine Nummer zu groß.

Neben Croy stieg auch der unvergessene Harald Irmscher in Zwickau zum Nationalspieler auf, der seine große Zeit bei Carl-Zeiss Jena erlebte und später noch für Wismut Gera auflief.

Nach mageren 80er Jahren in der zweitklassigen DDR-Liga wurde der neue FSV nach der Wende zu einer Erfolgsgeschichte.

1994 gelang unter dem bisweilen knurrigen Erfolgstrainer Gerd Schädlich sensationell der Aufstieg in die Zweite Liga. Ein Jahr später hätte es die Truppe um den ehemaligen DDR-Nationalspieler Hans-Uwe Pilz sogar fast in die Bundesliga geschafft.

Die dadurch geschaffene Erwartungshaltung brachte jedoch den sportlichen und finanziellen Absturz bis in die Landesliga.

Doch jetzt wird in Westsachen mit Ex-Profi Torsten Ziegner als Cheftrainer und Spielern aus der Region wieder Gas gegeben.

Aus der viertklassigen Regionalliga soll es 2013/2014 wieder in den bezahlten Fußball gehen - sollten die ungeliebten Brause-Kicker von RB Leipzig in dieser Saison die Drittliga-Relegation überstehen.

Noch in diesem Jahr wird zudem der Bau einer 20-Millionen-Euro teuren Arena begonnen, die 2015 eingeweiht werden soll.

Dann kann der Verein das unattraktive Sportforum "Sojus 31" verlassen, denn der Umbau des alten Westsachsenstadions wurde 2011 von der Stadt aus Kostengründen gestoppt.

Da unter anderem der historische Eingangsturm unter Denkmalschutz steht, altert das Areal nun vor sich hin.

Die neue Heimstätte wird im Übrigen in der Nachbarschaft zum Labor für Kraftfahrzeugtechnik der Hochschule entstehen. Der "August-Horch-Bau" gehört zu den modernsten Einrichtungen dieser Art Europas.

Fußball und Autoindustrie bleiben also in Zwickau weiterhin untrennbar verbunden.

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