Auf seiner Tour durch den Osten sieht der SPORT1-Redakteur zwar moderne Stadien, aber auch längst überwunden geglaubte Probleme.

Wochenlang hatte ich mich auf diesen Kurzurlaub gefreut.

Mit meiner Familie fuhr ich am vergangenen Wochenende in die alte Heimat. Samstag Halle, Sonntag Dresden.

Die Tickets für die Spiele des HFC gegen Osnabrück und von Dynamo gegen Cottbus wurden selbstverständlich auch schon im Voraus besorgt.

Für das Drittliga-Match meines halleschen Heimatvereins wäre das nicht nötig gewesen. Nur etwas mehr als 6000 Leute wollten sich das Spiel anschauen.

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Für mich war es dennoch etwas Besonderes. Als ich vor 20 Jahren zum letzten Mal da war, hieß die Spielstätte noch Kurt-Wabbel-Stadion und präsentierte sich in einem erbärmlichen Zustand mit baufälligen Tribünen und einer miserablen Sicht auf das Spielfeld.

Als ich am Samstag wieder da war, erinnerte lediglich die denkmalgeschützte Steinmauer rund um das umgebaute Stadion, das jetzt Erdgas Sportpark heißt, an alte Zeiten.

Ansonsten war alles neu. Keine Aschenbahn mehr, die alten Flutlichtmasten wurden ersetzt, und vor dem Spiel erklang sogar die Musik des berühmtesten Hallensers Georg-Friedrich Händel. Sein "Halleluja" schallte, mit einem HFC-Text versehen, aus den Lautsprechern.

Es wäre trotz der unglücklichen 1:2-Niederlage ein sehr schöner Nachmittag gewesen, wenn ich nicht doch noch an alte, überwunden geglaubte Zeiten erinnert worden wäre.

Mit "Wessi-Schweine"-Gegröle nahmen ein paar Dutzend schwarz gekleideter Chaoten vor meinen Augen die Polizisten ins Visier, die die Osnabrücker Fans schützten.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Steine flogen und die Polizisten eingreifen mussten. Aber auch die Osnabrücker hatten wohl einige Krawallbrüder mitgebracht.

Während des Spiels hielten sie eine Fahne hoch, die sie offenbar den HFC-Fans gestohlen hatten. Im Hauptbahnhof sollen sie durch Randale bei Reisenden und Mitarbeitern für Angst und Schrecken gesorgt haben.

Wir fuhren indes mit dem Auto gleich weiter nach Dresden. Mich beschlichen während der Fahrt flaue Gefühle. Schließlich ist auch der harte Kern der Dynamo-Fans schon häufiger durch Randale aufgefallen.

Doch die Dresdner waren offenbar nicht gewillt, ihre nachträgliche Feier zum 60. Vereinsgeburtstag zu stören.

Mit einer gigantischen Choreographie zu Beginn des Spiels und einer pausenlosen Anfeuerung ihrer Mannschaft machten die Fans das Derby gegen Cottbus zu einem echten Fußballfest.

Dass sie mit dem 1:0-Sieg auch noch drei wichtige Punkte im Abstiegskampf holten, rundete die Feierlichkeiten gebührend ab.

Und unsere Reise in die Vergangenheit nahm ein versöhnliches Ende.

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