DSF-Experte Udo Lattek schreibt in seiner Sport1.de-Kolumne über den Schuhwurf des VfB-Torwarts sowie die Krisen in München und Bremen.

Hallo Fußball-Freunde,

an diesem Wochenende haben wir abseits der Krisenszenarien in Bremen und München wieder gesehen, wie gut es für die Liga ist, polarisierende Typen wie Jens Lehmann zu besitzen.

Jens ist ein typischer Torwart mit allen Macken und mit allen Vorteilen. Er ist ein wunderbarer Mensch, mit dem man hervorragend diskutieren kann. Aber es gibt immer gewisse Phasen, wo bei ihm etwas aushakt. Dann muss man nur die Augen zumachen und einfach durchgehen.

Dann kommt man wunderbar mit ihm zurecht. Alle Defekte, die ein Torwart hat, die hat er auch, in besonderem Maße. Da passt die Nummer mit dem Schuhweitwurf bestens hinein. Aber ihre Wirkung hat die Aktion nicht verfehlt, denn Sejad Salihovic ist beim Elfer nicht cool geblieben.

Stattdessen hat er sich unheimlich dämlich angestellt. Er läuft an und guckt gar nicht, wo Lehmann sich hinbewegt. Er braucht bloß den Fuß ein bisschen zu drehen und den Ball in die andere Ecke zu schieben. Dann ist das Thema durch. Aber er ist blind angelaufen. Es tut mir zwar leid, aber Dummheit muss bestraft werden.

Das gilt zwar prinzipiell auch für die Hoffenheimer Verspätung bei der Dopingprobe in Gladbach. Aber eine Sperre von einem Jahr für Andreas Ibertsberger und Christoph Janker wäre unverhältnismäßig. Denn das würde ihre Karriere ruinieren.

Kommen wir zu den Bayern. Bei ihnen sehe ich zu viele Ich-AGs. Jeder denkt an sich, versucht sich zu verstecken und die Verantwortung wegzuschieben. Ich verstehe, dass Kalle Rummenigge jetzt zur Vorwärtsverteidigung an die Öffentlichkeit geht. Schließlich war er derjenige, der Klinsmanns Verpflichtung angeschoben hat.

Ich wehre mich dagegen mitzumachen, wenn alle auf den Klinsmann draufhauen. Ich habe zwar eine große Klappe und haue auch zwar gerne drauf, aber nicht wenn es alle tun.

Apropos: Wenn Lukas Podolski in München etwas gelernt hat, dann dass man nur mit Freundlichkeit und Nettigkeit nicht weiter kommt, sondern auch mal die Ellbogen ausfahren muss.

Er war im Herzen immer Kölner und hat den Kampf bei Bayern nie angenommen, sondern zu früh aufgegeben. Er hat sich immer versteckt, wenn es schwer wurde. Aber er ist in der Mannschaft auch nicht so akzeptiert worden, wie es ihm zustehen würde.

Bei Werder sieht's im Moment noch viel dunkler aus als bei Bayern. Da stimmt die Hierarchie in der Mannschaft nicht. Torsten Frings hat nicht mehr den Stellenwert, den er einmal hatte. Wenn er jetzt etwas sagt, bekommt er zu hören, er soll die Klappe halten und erst einmal gut spielen.

Werder ist für mich heute eine Mannschaft ohne Gesicht. Ich würde an der Stelle von Thomas Schaaf mal etwas riskieren, zumindest punktuell, denn schlechter kann es nicht mehr werden.

Claudio Pizarro hätte ich aber nicht suspendiert, sondern mit 100.000 Euro Geldstrafe belegt. Die hätten ihm weh getan, doch auf dem Platz hätte er sich zerrissen, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen.

Euer Udo Lattek

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