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Ex-Bayern-Trainer Pal Csernai ist mit 80 Jahren verstorben © getty

Modisches Vorbild und taktisches Genie: Trauer um den Ex-Bayern-Trainer Pal Csernai, der im Alter von 80 Jahren verstarb.

München - Sein Markenzeichen war ein Seidenschal, Nachahmer fand aber auch sein "Pal-System": Bayern Münchens früherer Trainer Pal Csernai ist am Sonntag im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Dies gab der Champions-League-Gewinner auf seiner Homepage bekannt.

Der Ungar trainierte zwischen 1978 und 1983 den deutschen Fußball-Rekordmeister und führte die Münchner zu zwei Meisterschaften und einem Triumph im DFB-Pokal. 1982 erreichte er zudem das Finale des Europapokals der Landesmeister, das aber in Rotterdam gegen Aston Villa verloren ging (0:1).

Paul Breitner war in dieser Zeit Csernais verlängerter Arm auf dem Spielfeld und hat beste Erinnerungen an den Coach.

"Weil wir uns nicht nur fachlich, sondern auch privat verstanden haben", blickte der Weltmeister von 1974 bei SPORT1.fm zurück.

Revolutionäres "Pal-System"

"Fachlich haben wir uns auf der Ebene verstanden, dass er, nachdem er vom Assistenten zum Cheftrainer aufstieg, mir seine Idee vom 'Pal-System', wie es später hieß, erklärte und ich von dieser Idee begeistert und überzeugt war", führte er weiter aus.

Das "Pal-System" war eine Mischung aus Mann- und Raumdeckung und revolutionierte damals die Bundesliga.

In allen anderen Klubs wurde noch mit reiner Manndeckung verteidigt.

Modisches Vorbild

Csernai wurde außerdem als "Mann mit dem Seidenschal" bekannt.

"Der gehörte halt bei mir dazu", sagte er einmal über das heutzutage auch von Bundestrainer Joachim Löw geschätzte Accessoire: "Das war nicht meine Erfindung, nur für den Fußball war es damals etwas Außergewöhnliches."

Von der Bundesliga bis Nordkorea

Nach seinem Aus beim FC Bayern folgte eine Odyssee durch den Weltfußball mit Stationen in Griechenland, Portugal, Deutschland (Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC), der Türkei, der Schweiz, Ungarn und als Nationaltrainer von Nordkorea.

Vor seiner Zeit in München, wo er zunächst als Assistent seines Landsmannes Gyula Lorant angefangen hatte, war er auch schon in Österreich und Belgien tätig gewesen.

1995 ging Csernai in den Ruhestand. Seitdem lebte er in Budapest und genoss über lange Jahre das Leben. "In erster Linie pflege ich mich, ich gehe in die Sauna, in Thermalbäder. Und natürlich schaue ich Fußball. Im Stadion nicht, aber am Wochenende im Fernsehen. England, Italien und die Bundesliga", sagte er einmal.

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