Dresden gibt ein katastrophales Bild ab. Mit Janßen muss Dynamo nun drei Trainer bezahlen. Minges Anwalt erhebt schwere Vorwürfe.

Überglücklich lagen sich die Spieler von Dynamo Dresden nach dem Relegationsrückspiel in den Armen.

Gerade eben hatten sie vor heimischer Kulisse den VfL Osnabrück 2:0 geschlagen und damit den Klassenerhalt in der Zweiten Liga gesichert.

Mittlerweile aber ist die große Erleichterung der vielleicht noch größeren Ernüchterung gewichen. Nach sechs Spieltagen steht Dynamo im Unterhaus am Tabellenende. Auf und abseits des Rasens regiert beim stolzen Traditionsklub aus Sachsen mal wieder das Chaos.

Und das hat ? so paradox es klingen mag ? viel mit dem Erfolg in der Relegation zu tun. Mit dem Klassenerhalt hat sich nämlich nicht nur der Vertrag des damaligen Trainers Peter Pacult, sondern auch der des schon zuvor entlassenen Ralf Loose verlängert.

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Eigentlich können sich die finanziell klammen Dresdner keine zwei Trainer auf der Gehaltsliste leisten. Doch seit einigen Tagen sind es nun sogar drei.

Die Vereinsspitze nutzte die erste sich bietende Möglichkeit, den unbeliebten Pacult loszuwerden und engagierte in der Länderspiel-Pause Olaf Janßen. Der war zwar mal ein erfolgreicher Bundesliga-Spieler, ist als Cheftrainer im deutschen Profi-Fußball aber ein gänzlich unbeschriebenes Blatt.

Ganze neun Tage Zweitliga-Erfahrung als Interimstrainer bei Rot-Weiß Essen 2006 kann er vorweisen.

In sein Dresdner Abenteuer startet Janßen mit einer großen Hypothek. Denn den Fans wäre das alte Dynamo-Idol Ralf Minge, der zurzeit die Reserve von Bayer Leverkusen trainiert, als neuer Coach wesentlich lieber gewesen.

Doch auch bei dieser Personalie stellte sich der Verein offenbar alles andere als professionell an.

Minges Anwalt Karsten Schmidt erhebt jedenfalls schwere Vorwürfe gegen den Aufsichtsrat. "Schwatzhaftigkeit, Selbstgefälligkeit, Ahnungslosigkeit und Großmannssucht gepaart mit unglaublichen Stockfehlern kann kein Verein auf Dauer verkraften", wütet er bei Facebook.

Laut "Bild" hatte Minge seine ursprüngliche Absage noch einmal revidiert und binnen einer von Dynamo gesetzten Frist doch noch zugesagt. In der Zwischenzeit aber hatten sich die Dresdner schon auf Janßen geeinigt.

Noch ist nicht klar, ob Minge Rechtsansprüche aus seinem Vertragsangebot geltend machen kann. Sollte dem so sein, müsste Dynamo bald vier Trainer bezahlen.

Doch nur einer steht an der Seitenlinie. Am kommenden Sonntag reist Janßen zu seinem ersten Zweitliga-Spiel als Dynamo-Coach zum Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf.

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